nnz-Bücherkiste: Fliehende Wasser
Samstag, 24. Januar 2004, 10:05 Uhr
Nordhausen (nnz). Unter frischem Schnee wird ein Mann gefunden, den man für einen schlafenden Betrunkenen hält. Doch er ist tot. Es ist Idas Vater Simon. Und Ida weiß: Ihr Vater ist nie betrunken gewesen.
Ursula Fricker lässt Ida im Rückblick Simons Geschichte erzählen. Mit einer langsamen Erzählweise und mit psychologischer Tiefe, präzise wie eine Schweizer Uhr schildert Fricker in ihrem Debütroman "Fliehende Wasser" die Banalität eines grausigen Alltags. Ein Buch, das schon aufgrund seiner Motivwahl ungewöhnlich ist. Es geht um die erstaunliche und beklemmende Geschichte einer Schweizer Familie in den 50er Jahren, deren Mitglieder sich im Spannungsfeld von Loyalität und Rebellion, Selbstbehauptung und Selbstverrat bewegen.
Simon weiß selbst nicht genau, wie ihm geschieht, als er im Alter von achtzehn Jahren für den Verlobten einer Freundin Feuer fängt. Er weiß nur eins: Recht ist es nicht, und das Foto mit dem Umschwärmten hätte er auch nicht in sein Portemonnaie stecken sollen. Hin- und hergerissen zwischen Leidenschaft und bürgerlicher Moral entscheidet sich Simon für das letztere, malocht in einer Fabrik, gründet eine Familie, zeugt zwei Kinder. Und wird zunehmend verbittert. Als er dann aber noch die Bekanntschaft mit den Schriften einer Lebensreformbewegung macht, die durch Verzicht totale Gesundheit verspricht, hat seine Familie überhaupt nichts mehr zu lachen.
Simon leitet seine sexuelle Frustration in asketischen und krankhaften Vegetarismus um und zwingt der Familie kompromisslos seine Regeln auf. Ida lebt abgeschottet gegen alle "verderblichen" Einflüsse, ist dem Spott der Mitschüler ausgesetzt, schwankt zwischen Liebe und Hass gegenüber ihrem Vater und weiß sich nicht anders zu helfen, als Gott zu bitten, den Vater doch endlich fortzunehmen...
Ursula Fricker, 1965 in Schaffhausen geboren, zog 1992 nach Berlin. Nach acht Jahren siedelte sie aufs platte Land in die Uckermark um und arbeitet dort als freie Autorin. 1997 erhielt sie das Alfred Döblin-Stipendium der Akademie der Künste Berlin. Fliehende Wasser wurde mit einem Förderbeitrag von Stadt und Kanton Schaffhausen ausgezeichnet.
Fliehende Wasser ist im Pendo-Verlag erschienen.
Autor: nnzUrsula Fricker lässt Ida im Rückblick Simons Geschichte erzählen. Mit einer langsamen Erzählweise und mit psychologischer Tiefe, präzise wie eine Schweizer Uhr schildert Fricker in ihrem Debütroman "Fliehende Wasser" die Banalität eines grausigen Alltags. Ein Buch, das schon aufgrund seiner Motivwahl ungewöhnlich ist. Es geht um die erstaunliche und beklemmende Geschichte einer Schweizer Familie in den 50er Jahren, deren Mitglieder sich im Spannungsfeld von Loyalität und Rebellion, Selbstbehauptung und Selbstverrat bewegen.
Simon weiß selbst nicht genau, wie ihm geschieht, als er im Alter von achtzehn Jahren für den Verlobten einer Freundin Feuer fängt. Er weiß nur eins: Recht ist es nicht, und das Foto mit dem Umschwärmten hätte er auch nicht in sein Portemonnaie stecken sollen. Hin- und hergerissen zwischen Leidenschaft und bürgerlicher Moral entscheidet sich Simon für das letztere, malocht in einer Fabrik, gründet eine Familie, zeugt zwei Kinder. Und wird zunehmend verbittert. Als er dann aber noch die Bekanntschaft mit den Schriften einer Lebensreformbewegung macht, die durch Verzicht totale Gesundheit verspricht, hat seine Familie überhaupt nichts mehr zu lachen.
Simon leitet seine sexuelle Frustration in asketischen und krankhaften Vegetarismus um und zwingt der Familie kompromisslos seine Regeln auf. Ida lebt abgeschottet gegen alle "verderblichen" Einflüsse, ist dem Spott der Mitschüler ausgesetzt, schwankt zwischen Liebe und Hass gegenüber ihrem Vater und weiß sich nicht anders zu helfen, als Gott zu bitten, den Vater doch endlich fortzunehmen...
Ursula Fricker, 1965 in Schaffhausen geboren, zog 1992 nach Berlin. Nach acht Jahren siedelte sie aufs platte Land in die Uckermark um und arbeitet dort als freie Autorin. 1997 erhielt sie das Alfred Döblin-Stipendium der Akademie der Künste Berlin. Fliehende Wasser wurde mit einem Förderbeitrag von Stadt und Kanton Schaffhausen ausgezeichnet.
Fliehende Wasser ist im Pendo-Verlag erschienen.
