nnz-Bücherkiste: Elfenheim
Donnerstag, 22. Januar 2004, 13:48 Uhr
Nordhausen (nnz). Über ungewöhnliche Beobachtungen und das Verstreichen der Zeit erzählt der Musiker und Autor Frank Körber in seinem neuen Roman. nnz hat ihn für Sie schon einmal gelesen.Myriels kleine Welt
Myriel kämpft um ihren Lebensraum. Muss darum kämpfen, egal ob es ihr gefällt oder nicht. Wenn sie nicht kämpft, wird sie von der so genannten Zivilisation mit ihren High-Tech-Segnungen vernichtet.
Myriel ist aber keine Widerstandskämpferin in einem Entwicklungsland der dritten Welt nein, Myriel ist eine kleine Waldelfe in einer südniedersächsischen Moorlandschaft. Gemeinsam mit ihren Artgenossen, den Moorelfen und der Schamanin Lena-Viviane nimmt sie den Kampf gegen einen Mobilfunksendeturm auf, dessen Strahlung das kleine Volk zu zerstören droht.
Ein Märchen? Wenn überhaupt, dann nur teilweise. Dem Göttinger Schriftsteller und Musiker Frank Körber gelingt es in seinem Roman Elfenheim meisterhaft Fiktion und Realität zu verknüpfen, sie so miteinander zu verweben, dass der Leser bald keine Fiktion mehr erkennt.
Mit klaren, eindringlichen Worten malt der Autor die Szenerie und weckt unser Interesse an den scheinbaren Fabelwesen. Oder sollte ich besser sagen: an den durchscheinenden Fabelwesen, die um und neben uns existieren?
Körber ist davon überzeugt, dass es sie gibt. Sein Buch ist ein Plädoyer für einen sorgsamen und verantwortungsbewussten Umgang mit der Schöpfung, egal ob Flora oder Fauna.
Und er fordert uns auf inne zu halten, Zeit zu erfahren. Frank Körber lässt sich nicht hetzen, sondern erzählt ruhig und ausführlich seine Elfengeschichte. Nur wenn wir lernen mit der Zeit umzugehen, sie zu beobachten, sie zu empfinden, nur dann können wir vielleicht irgendwann im Abendrot die Elfen sehen, wie sie uns umflattern und der Natur helfen.
Olaf Schulze
Frank Körber, "Elfenheim", Roman (Rotblatt im Iris Kater Verlag) ISBN 3-937221-18-2
