Die achte Auflage
Montag, 19. November 2012, 10:37 Uhr
Als wir uns von der Helme an den Tiber sehnten, schrieb Wilhelm von Humboldt in einem Brief an seine Frau Caroline, eine Geborene von Dacheröden. Dieser besonders auch in Erfurt sehr angesehenen Familie gehörten mehrere Güter, eines davon war das in Auleben. Dort hielt sich die heranwachsende Caroline in ihrer Kindheit und Jugend regelmäßig auf...
Als sie den Juristen Wilhelm von Humboldt geheiratet hatte und dieser vorerst als Privatier leben wollte, um seine Welterfahrung zu erweitern, zog die junge Familie 1792 für mehrere Monate auf das Schlößchen in Auleben mit ihrer Erstgeborenen, die nach der Mutter benannt worden war. An dieses intensive Zusammenleben in relativer Zurückgezogenheit erinnerten sich die Eheleute Zeit ihres Lebens gern.
Immer wieder einmal führte sie auch später der Weg in dieses Goldene-Aue-Dorf. Hier besuchte sie 1792 zur Weihnachtszeit der moderne Altertumsforscher Friedrich August Wolf, aus Hainrode gebürtig. Er hatte auch mehrere prägende Jahre in Nordhausen gewohnt. Nach Auleben reiste er von Halle an, wo er an der Universität ein sehr angesehener Gelehrter war. Für die Humboldts war er in Auleben vor allem als Kenner der Griechischen Sprache und der Antike wichtig. Es war ein Griechischtreiben den ganzen Tag, denn auch Caroline erlernte diese wichtige europäische Kultursprache.
Griechische Dichter wie Homer waren in Auleben ständige Lektüre. Auch das antike Staatsleben wurde nach Vorbildhaften durchforscht. Insbesondere nach diesen Monaten in Auleben wünschten sich die Humboldts, in nicht allzulanger Zeit nach Italien und Griechenland zu reisen. Sie schmiedeten in Briefen an die Schillers bereits Reisepläne. Als sie dann in Jena lebten, sich ihre Familie vergrößerte und sie enge Verbindungen zu den Dichtern Goethe und Schiller hielten, war die umfassende klassichen Bildung ein Anliegen dieser Freunde.
1797 wollten die Humboldts nach Stationen in Dresden, Prag und Wien, wo man vor allem Kunstgalerien und Bibliotheken besuchte, nach Italien aufbrechen. Jedoch der erfolgreiche Italienfeldzug Napoleon Bonapartes, der in den Jahren 1796 und 1797 innerhalb des ersten Koalitionskrieges stattfand, verhinderte dies. Die Humbolstsche Familie hielt sich nun in Paris, Spanien und Deutschland auf, immer das Sehnsuchtsland Italien im Gedächtnis. 1802 war es dann soweit. König Friedrich Wilhelm III. hatte Wilhelm von Humboldt am 25. Mai 1802 zum Preußischen Residenten am Hofe des Papstes Pius VII. ernannt. Das bedeutet, dass er sich der kirchenpolitischen Fragen zwischen Preußen und dem Vatikan annehmen muss, dabei darauf bedacht, die Souveränität des preußischen Königshauses zu wahren, die Angelegenheiten der dort lebenden preußischen katholischen Untertanen zu vertreten. Gleichfalls hat er sich um alle Preußen in Rom zu kümmern, die staatlichen Beistandes bedürfen. In Humboldts Gesandtschaftsberichten an das Außenministerium Preußens findet man bald nach Beginn seiner Tätigkeit zu seinen kirchenpolitischen Nachrichten auch solche zu den allgemeinen politischen Gegebenheiten und es gibt von ihm mehr und mehr Mitteilungen über die sich in der Stadt aufhaltenden deutschen Künstler. Der intensive Kontakt beider Humboldts zu ihnen prädestiniert ihn dazu.
Wie wir uns 1802 nach Italien verpflanzten, bleibt für für die Familie unvergessen. Am 14. September war man in der Frühe in Tegel gestartet, am 25. November rollen die beiden Wagen der Familie in der ewigen Stadt ein. Die Humboldts siedeln sich in Rom oberhalb der Spanischen Treppe an. Zuerst lebt man in der Villa Malta. Zu Beginn des Jahres 1803 ziehen sie in eine größere Wohnung um, in den Palazzo Tomati in der Via Gregoriana 42. Dem Vater in Erfurt wird über die Stadt mitgeteilt: Rom nimmt sich von weitem wegen der unsäglichen Menge von Türmen sehr prächtig aus.
Allein, wenn man hineinkommt, findet man sich nicht von Rom befriedigt, wenn man es als moderne Stadt betrachtet. Der Korso und einige Plätze ausgenommen, fällt nichts in die Augen, sogar die prächtigsten Paläste stehen entweder in Winkeln und haben schlechte Eingänge ... Der Schmutz auf den Straßen ist auch meistenteils schuld, daß einem Rom mißfällt. Gottfried Schweighäuser, in Paris Lehrer der Kinder gewesen, erfährt im Januar 1803 von Caroline: In Rom bin ich nun, wohin mir die ersten Gedanken seit meiner frühesten Jugend standen, da bin ich nun endlich in der Wirklichkeit ... Es heißt gewöhnlich, Rom liegt in keiner schönen Gegend, ich finde sie eine der schönsten, die man sehen kann ... Das ist überhaupt der Charakter der italienischen Gegenden. Sie sind groß und lieblich zugleich und durch diese seltene Mischung atmet eine Stille, die ich mich nie entsinne, je in einer anderen Natur so tief und groß empfunden zu haben. Es herrscht milde, fast warme Luft. Der Platz, den das hohe Colosseum umschließt, ist eine frische grüne Wiese, alle Gärten sind grün und voller Blumen. Das ist sehr viel, ist aber nicht alles. Die Stadt, als moderne Stadt, ist unangenehm, die Gassen sind schmutzig ... Die schönen Häuser stehen meist versteckt ... Nur zwei oder drei Straßen sind eigentlich schöne Straßen und erwecken die Idee einer volkreichen Stadt ... Italien hat andere schönere Städte. Allein die wunderbarste ist es wohl ... Die nahe Verbindung eines großen und imposanten Altertums mit dem Bedürfnis des Tages tritt einem nie so unter die Augen ... Von einem ... schmutzigen, mit elenden Häusern bebauten und verbauten Platz erblicken sie die Vorhalle des Pantheon. Sie treten hinein und ich will den Menschen von Sinn und Gefühl sehen, den die Harmonie dieses einzig schönen Gebäudes, der lichte Glanz, der durch die geöffnete Kuppel hineinfällt, nicht in ein stilles Staunen versetzt. So ist alles in Rom. Dicht an die übriggebliebenen Spuren menschlicher Größe drängt sich auch das letzte und niedrigste Bedürfnis der Notwendigkeit ... .
Wer mehr wissen möchte über das abwechslungsreiche spannende Leben der Familie Wilhelm und Caroline von Humboldt in Italien, besonders in Rom, erfährt davon während der 8. Auleber Kulturtage am Mittwoch, dem 21. November, ab 14. 30 Uhr von Heidelore Kneffel im Lutherraum des Pfarramtes.
Autor: nnzAls sie den Juristen Wilhelm von Humboldt geheiratet hatte und dieser vorerst als Privatier leben wollte, um seine Welterfahrung zu erweitern, zog die junge Familie 1792 für mehrere Monate auf das Schlößchen in Auleben mit ihrer Erstgeborenen, die nach der Mutter benannt worden war. An dieses intensive Zusammenleben in relativer Zurückgezogenheit erinnerten sich die Eheleute Zeit ihres Lebens gern.
Immer wieder einmal führte sie auch später der Weg in dieses Goldene-Aue-Dorf. Hier besuchte sie 1792 zur Weihnachtszeit der moderne Altertumsforscher Friedrich August Wolf, aus Hainrode gebürtig. Er hatte auch mehrere prägende Jahre in Nordhausen gewohnt. Nach Auleben reiste er von Halle an, wo er an der Universität ein sehr angesehener Gelehrter war. Für die Humboldts war er in Auleben vor allem als Kenner der Griechischen Sprache und der Antike wichtig. Es war ein Griechischtreiben den ganzen Tag, denn auch Caroline erlernte diese wichtige europäische Kultursprache.
Griechische Dichter wie Homer waren in Auleben ständige Lektüre. Auch das antike Staatsleben wurde nach Vorbildhaften durchforscht. Insbesondere nach diesen Monaten in Auleben wünschten sich die Humboldts, in nicht allzulanger Zeit nach Italien und Griechenland zu reisen. Sie schmiedeten in Briefen an die Schillers bereits Reisepläne. Als sie dann in Jena lebten, sich ihre Familie vergrößerte und sie enge Verbindungen zu den Dichtern Goethe und Schiller hielten, war die umfassende klassichen Bildung ein Anliegen dieser Freunde.
1797 wollten die Humboldts nach Stationen in Dresden, Prag und Wien, wo man vor allem Kunstgalerien und Bibliotheken besuchte, nach Italien aufbrechen. Jedoch der erfolgreiche Italienfeldzug Napoleon Bonapartes, der in den Jahren 1796 und 1797 innerhalb des ersten Koalitionskrieges stattfand, verhinderte dies. Die Humbolstsche Familie hielt sich nun in Paris, Spanien und Deutschland auf, immer das Sehnsuchtsland Italien im Gedächtnis. 1802 war es dann soweit. König Friedrich Wilhelm III. hatte Wilhelm von Humboldt am 25. Mai 1802 zum Preußischen Residenten am Hofe des Papstes Pius VII. ernannt. Das bedeutet, dass er sich der kirchenpolitischen Fragen zwischen Preußen und dem Vatikan annehmen muss, dabei darauf bedacht, die Souveränität des preußischen Königshauses zu wahren, die Angelegenheiten der dort lebenden preußischen katholischen Untertanen zu vertreten. Gleichfalls hat er sich um alle Preußen in Rom zu kümmern, die staatlichen Beistandes bedürfen. In Humboldts Gesandtschaftsberichten an das Außenministerium Preußens findet man bald nach Beginn seiner Tätigkeit zu seinen kirchenpolitischen Nachrichten auch solche zu den allgemeinen politischen Gegebenheiten und es gibt von ihm mehr und mehr Mitteilungen über die sich in der Stadt aufhaltenden deutschen Künstler. Der intensive Kontakt beider Humboldts zu ihnen prädestiniert ihn dazu.
Wie wir uns 1802 nach Italien verpflanzten, bleibt für für die Familie unvergessen. Am 14. September war man in der Frühe in Tegel gestartet, am 25. November rollen die beiden Wagen der Familie in der ewigen Stadt ein. Die Humboldts siedeln sich in Rom oberhalb der Spanischen Treppe an. Zuerst lebt man in der Villa Malta. Zu Beginn des Jahres 1803 ziehen sie in eine größere Wohnung um, in den Palazzo Tomati in der Via Gregoriana 42. Dem Vater in Erfurt wird über die Stadt mitgeteilt: Rom nimmt sich von weitem wegen der unsäglichen Menge von Türmen sehr prächtig aus.
Allein, wenn man hineinkommt, findet man sich nicht von Rom befriedigt, wenn man es als moderne Stadt betrachtet. Der Korso und einige Plätze ausgenommen, fällt nichts in die Augen, sogar die prächtigsten Paläste stehen entweder in Winkeln und haben schlechte Eingänge ... Der Schmutz auf den Straßen ist auch meistenteils schuld, daß einem Rom mißfällt. Gottfried Schweighäuser, in Paris Lehrer der Kinder gewesen, erfährt im Januar 1803 von Caroline: In Rom bin ich nun, wohin mir die ersten Gedanken seit meiner frühesten Jugend standen, da bin ich nun endlich in der Wirklichkeit ... Es heißt gewöhnlich, Rom liegt in keiner schönen Gegend, ich finde sie eine der schönsten, die man sehen kann ... Das ist überhaupt der Charakter der italienischen Gegenden. Sie sind groß und lieblich zugleich und durch diese seltene Mischung atmet eine Stille, die ich mich nie entsinne, je in einer anderen Natur so tief und groß empfunden zu haben. Es herrscht milde, fast warme Luft. Der Platz, den das hohe Colosseum umschließt, ist eine frische grüne Wiese, alle Gärten sind grün und voller Blumen. Das ist sehr viel, ist aber nicht alles. Die Stadt, als moderne Stadt, ist unangenehm, die Gassen sind schmutzig ... Die schönen Häuser stehen meist versteckt ... Nur zwei oder drei Straßen sind eigentlich schöne Straßen und erwecken die Idee einer volkreichen Stadt ... Italien hat andere schönere Städte. Allein die wunderbarste ist es wohl ... Die nahe Verbindung eines großen und imposanten Altertums mit dem Bedürfnis des Tages tritt einem nie so unter die Augen ... Von einem ... schmutzigen, mit elenden Häusern bebauten und verbauten Platz erblicken sie die Vorhalle des Pantheon. Sie treten hinein und ich will den Menschen von Sinn und Gefühl sehen, den die Harmonie dieses einzig schönen Gebäudes, der lichte Glanz, der durch die geöffnete Kuppel hineinfällt, nicht in ein stilles Staunen versetzt. So ist alles in Rom. Dicht an die übriggebliebenen Spuren menschlicher Größe drängt sich auch das letzte und niedrigste Bedürfnis der Notwendigkeit ... .
Wer mehr wissen möchte über das abwechslungsreiche spannende Leben der Familie Wilhelm und Caroline von Humboldt in Italien, besonders in Rom, erfährt davon während der 8. Auleber Kulturtage am Mittwoch, dem 21. November, ab 14. 30 Uhr von Heidelore Kneffel im Lutherraum des Pfarramtes.



