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Der Park Hohenrode – damals in der DDR

Sonntag, 18. November 2012, 19:11 Uhr
Ein dendrologisches Kleinod macht in Nordhausen seit dem Sommer 2005 wieder verstärkt von sich reden: Der Park Hohenrode. Die inzwischen auf 400 angewachsene Zahl von Mitgliedern des gleichnamigen Fördervereins haben sich seiner angenommen und seither ein mannigfaltiges Engagement zur Erhaltung dieses Villenparks an den Tag gelegt. Doch wie war es um die 1970er/1980er Jahre – also zu DDR-Zeiten – um den Park bestellt? nnz-Autor Hans-Georg Backhaus weiß Näheres...


Zeitungsbeitrag (Foto: Autor) Zeitungsbeitrag (Foto: Autor) Angeregt durch zahlreiche Pressebericht über die Aktivitäten im Nordhäuser Park Hohenrode, erinnerte ich mich an einen Zeitungsartikel, den ich etwa Ende der 1970er Jahre in einer Wochenendbeilage der Thüringischen Landeszeitung (TLZ – Treffpunkt) gelesen und archiviert hatte. Die Überschrift des Beitrages lautete:

Ein Park sucht einen Paten

Darin steht zu lesen, dass es auf Betreiben des TLZ-Journalisten Albrecht Brömel zu jener Zeit zu einer Ortsbesichtigung und anschließender Beratung über die Zukunft des Parks kam. Zugegen war u.a. auch der damalige Stadtrat Karl Kuhlemann, in dessen Ressort auch Fragen des Umweltschutzes fielen. Der bedankte sich zunächst bei der Bezirksleitung Erfurt des Kulturbundes der DDR und bei der Zeitung für den Anstoß für weitere Aktivitäten. 60.000 Mark, so erfahren wir aus dem Beitrag, wurden für Pflegearbeiten innerhalb von drei Jahren aufgewendet. Doch eine kontinuierliche Betreuung durch das Dienstleistungskombinat Nordhausen (DLK) konnte auf Grund der kritischen Arbeitskräftesituation nicht gewährleistet werden. Lobende Worte gab es stattdessen für die Rentnerbrigade um Hans Jähde.

Aufschlussreich ist auch der Umstand, dass dem Beitrag zufolge das Hauptproblem damals – wie auch in der Nachwendezeit – in den Besitzverhältnissen bestand. Die zum damaligen Zeitpunkt in der alten BRD lebenden Nachkommen der Besitzerfamilie C. Kneiff wurden von einem aus Nordhausen vertreten, der wenig Interesse an einem wie es heißt „akzeptablen Kaufvertrag“ zeigte und somit auch in der Folgezeit nie ein Vertrag zustande kam.

Obwohl bekanntlich Eigentum auch verpflichtet und dies sogar im Grundgesetz für die BRD verankert ist, ignorierten die Eigentümer diese Verpflichtung bis in unsere Zeit. Der Park Hohenrode befand sich demnach während der gesamten Zeit des Bestehens der DDR in westlichen Privatbesitz, war niemals volkseigen – wie es in einem Pressebeitrag fälschlicherweise dargestellt wurde. Um überhaupt weiter zu kommen, wurde verständlicherweise die problematische Rechtsfrage ausgeklammert.

Stattdessen brachte der Sekretär der Erfurter Bezirksleitung des Kulturbundes, Horst Köhne, Überlegungen ins Spiel, wie der Park im Rahmen des „Mach-mit!“ – Wettbewerbs der Nationalen Front (Nationale Front - Dachorganisation für Parteien und Massenorgani-sationen in der DDR) eingegliedert werden kann und künftige Aufgaben einer noch zu gründenden Interessengemeinschaft unter dem Dach des Kulturbundes (IGs und Fachgruppen sind etwa vergleichbar mit heutigen Vereinen) zu übertragen. Es sollte – wie es in der DDR-Zeit bezeichnet wurde – ein „Parkaktiv“ ins Leben gerufen werden, welches künftig nach Partnern (heute würde man von Sponsoren sprechen) Ausschau halten und für die Aufgabenverteilung verantwortlich zeichnen sollte.

Vom Rat des Kreises (so hieß die damalige Kreisverwaltung) kam die Forderung, einen Patenbetrieb zu finden und Pflegeverträge mit Bildungseinrichtungen abzuschließen bzw. schon bestehende zu erweitern. Einig waren sich die Teilnehmer darüber, dass Pflegearbeiten nur unter fachlicher Anleitung ausgeführt werden dürften.

Auf die außerordentliche Bedeutung des Parks verwies auch Prof. Hugo Namslauer, Diplom-Gartenarchitekt und Hauptkonservator beim Institut für Denkmalpflege Berlin. Er vertrat die aus heutiger Sicht allerdings äußerst umstrittene Auffassung, dass „die Kriterien für ein Denkmal im Fall Hohenrode nur bedingt vorhanden sind“. Immerhin schätzte er zurecht ein, dass „die wissenschaftliche Bedeutung jedoch einmalig für die gesamte Republik ist“. Zudem sei eine kontinuierliche Arbeit mit hoher fachlicher Akribie dringend geboten und unter Anleitung des Bezirksparkaktivs müsse eine örtliche Interessengemeinschaft das weitere Geschick von Hohenrode stärker in den Vordergrund rücken.

In dem Bericht wird auch auf eine Studie der TU Dresden zur Entwicklung des Parks verwiesen, die von den Teilnehmern jedoch lediglich als „Fernziel“ betrachtet wurde. Als eher realisierbar erschien zunächst die Aufgabe, die seltenen Gehölze aus der Umklammerung von Wildwuchs zu befreien und fehlende Arten durch Neuanpflanzungen zu ersetzen. Ein noch aufzustellender Maßnahmeplan sollte für die Zukunft sicherstellen, dass ein „planmäßiges Vorgehen (bei Absicherung der Arbeitskräfte, Termine und finanzielle Mittel) sowie die fachliche Anleitung garantieren“.

Trotz des Umstandes, dass es bei der hier beschriebenen Zusammenkunft keine Beschlüsse gegeben hat, zieht der Journalist am Ende seines Artikels ein positives Resümee, verknüpft dies jedoch mit der Erwartung, dass die Interessengemeinschaft nun auch praktisch wirken müsse und dem Rechtsträger (Rat der Stadt Nordhausen) die Verantwortung damit nicht abgenommen werde.

In den 1980er Jahren sah man des öfteren Studentinnen und Studenten des Instituts für Lehrerbildung (IfL) Nordhausen, hin und wieder auch Schulklassen bei Pflegearbeiten, die meines Wissens zu meist auch unter fachlicher Anleitung ausgeführt wurden.

Dieser Beitrag verfolgt keineswegs die Absicht, die seit Gründung des Fördervereins an den Tag gelegten und für jedermann deutlich sichtbaren Veränderungen im Bereich des Villenparks zu schmälern. Vielmehr soll er insbesondere den heute lebenden jungen Leuten die Kenntnis vermitteln, dass es auch schon in den 1970er und 1980er Jahren – also zu Zeiten der DDR – Heimat- und Naturschützer, Journalisten und kommunale Vertreter gab, denen trotz manch widriger Umstände der Erhalt und die Pflege dieses einmaligen dendrologischen Parks am Herzen lag.
Hans-Georg Backhaus, Nordhausen
Autor: nnz

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