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Alles für die Bibliothek

Freitag, 09. November 2012, 09:30 Uhr
Der Bau der KulturBibliothek wird teurer als 2009 in einer Kostenrechnung veranschlagt. Trotz bereits erfolgter Einsparungen bei der Planung und auch beim Ausbau erhöht sich der Eigenmittelanteil der Stadt Nordhausen um rund 800.000 Euro...


In der gestrigen Sitzung des Stadtrates wurde deshalb eine Einzahlung in Höhe von 973.000 Euro und eine Auszahlung in Höhe von rund 1.8 Millionen Euro Euro für die „Kulturbibliothek“ beschlossen. Das entspricht dem erhöhten Eigenmittelanteil von rund 800.000 Euro.

„Mit den Bewilligungsbescheiden aus dem Förderprogramm vom März 2009 wurden 11,1 Millionen Euro Gesamtkosten und 9,9 Millionen Euro zuwendungsfähige Kosten bewilligt. Im Laufe der Ausführungsplanung, die bis zum Sommer des Jahres 2010 erarbeitet wurde, zeichnete sich ab, dass vor dem Hintergrund der Baupreisentwicklung das avisierte Kostenziel nicht zu erreichen war, heißt es in der Begründung der Beschlusstextes.

Aus diesem Grund sei bereits zum damaligen Zeitpunkt nach Einsparpotentialen gesucht worden und Teile der Bibliothek wurden neu geplant. Eine überproportionale Erhöhung der Baupreise sei vor allem in stahlintensiven Gewerken, wie Spezialtiefbau, Rohbau und für Fassadenbauarbeiten vorhersehbar gewesen. Deshalb sei im August 2010 durch den Auftraggeber und den Auftragnehmer die Entscheidung getroffen worden, einen Teil der Tiefgarage entfallen zu lassen, statisch anspruchsvolle Gebäudeauskragungen zu minimieren und aufwändige Stahlverbundträger-konstruktionen durch kostengünstigere Baukonstruktionen zu ersetzen.

Trotz dieser Bemühungen konnte das Kostenziel der Kostenberechnung auf Grund der konjunkturellen Entwicklung der Baupreise im Zeitraum von 2009 bis zur Fertigstellung der Bibliothek und aufgrund notwendiger Zusatzleistungen jedoch nicht erreicht werden. Deshalb wurde bereits ein weiterer Bewilligungsantrag beim Thüringer Landesverwaltungsamt gestellt. Es wird eine Förderung der aus den Zusatzkosten entstandenen zuwendungsfähigen Kosten angestrebt. Eine Förderung aus dem neuen Programmrahmen 2012 wurde bereits signalisiert.

Die Kostenberechnung auf der Basis der aktuellen Informationen sieht Ausgaben für die Herstellung des Gebäudes und der Freianlagen sowie die Ausstattung in Höhe von nunmehr rund 13 Millionen Euro. Die Kosten für die Freianlagen werden für 2013 geplant. Die Mehrkosten für den Bau sollen finanziert werden aus Mitteln der Städtebauförderung in Höhe von 8.390.000,00 Euro. Bisher waren das 6.928.775,00 Euro.

Die Finanzierung des Eigenanteils von rund 800.000 Euro Euro solle zum einen durch die Aufhebung der erlassenen Haushaltssperre, und zum anderen "durch Minderausgaben in anderen investiven Maßnahmen erfolgen", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung.

Anmerkungen eines Beobachters

Minderausgaben, das ist das Verwaltungsdeutsch Synonym für Einsparungen oder Reduzierungen. Zum Beispiel bei:
  • Grundschule Albert Kuntz - 150.000 Euro
  • Grundschule Petersdorf 160.000 Euro
  • Grimmelbrücke 29.000 Euro
  • Straßenbau - 100.000 Euro oder
  • Neue Beleuchtung im Stadtgebiet
Die Nordhäuser Stadträte winkten das gestern alles diskussionslos durch. Vermutlich hatte man sich in den nichtöffentlichen Ausschusssitzungen "intensiv" damit beschäftigt. Wer da welche oder überhaupt eine Meinung vertrat, das wird sich dem Wähler nicht erschließen.

Letztlich aber ist das alles auch verständlich, denn mit der Kulturbibliothek bekommen die Stadträte auch einen hochmodernen Sitzungssaal. Ach ja, und einen Lesesaal für die vielen künftigen neue Nutzer, die dann regelmäßig aus Sangerhausen herkommen, wie es einst Barbara Rinke ausführte, die unter anderem mit einer Delegation der Stadtverwaltung bis nach Berlin reiste, um sich dort die Wirkung der Fassadegestaltung an einem anderen Bauwerk anzusehen.

Vergessen hätten wir ja beinahe noch die Tatsache, dass gestern auch noch eine außerplanmäßige Zahlung für die Ausstattung der Kulturbibliothek beschlossen wurde. Die 500.000 Euro wurde vermutlich bei den Erstplanungen auch übersehen, denn hier können sich die Baupreise nicht so auswirken wie beim Rohbau.

Unterm Strich also alles wie immer: Koste es, was es wolle. Und alle machen mit.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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