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"Blind Date" potentieller Partner

Samstag, 17. Januar 2004, 16:00 Uhr
Nordhausen (nnz). Innovation ist momentan ein Lieblingswort der Politiker. Aber wo findet Innovation wirklich statt? Beim Tag der offenen Tür hat die nnz ein gutes Beispiel entdeckt und sich dort umgesehen.


Solarzelle Die Eröffnung beginnt mal wieder zu spät, genau 10 Minuten. "Das ist vollkommen in Ordnung" lacht Rektor Professor Dr. Christian C. Juckenack." Das akademische Viertel gönnen wir uns als Zeichen der geistigen Freiheit."

Worauf sie sich einlassen, wenn sie hier anfangen, das könnten die jungen Menschen heute herausfinden, aber auch die Hochschule wüßte gern, wer hier einmal lernen wird. So ein Tag der offenen Tür sei ein wenig ein "Blind Date" zweier potentieller Partner, meinte der Rektor in seiner Eröffnungsrede.

In einer jungen Fachhochschule zu studieren und sich praxisnah Wissen anzueignen, das kann sich für Schulabgänger nur lohnen. Beim Blick in die Labore und Hörsäle werden andere Unis vielleicht sogar ein wenig neidisch. Computer und andere Gerätschaften sind noch neu und auf der Höhe der Zeit.

Wer wollte, konnte einen Einblick in Fachkabinette für Naturwissenschaften, Sprachlabore und Hörsäle nehmen. Es gab Kurzvorträge der Professoren und viele Experimente zum mitmachen. Studentenrat und Studentenklub stellten ihr Programm vor. In der Mensa konnte man sich überzeugen lassen, daß Uni-Essen alles andere als "Fraß" ist.

Nicht nur bekannte Studiengänge wie Betriebswirtschaft finden sich im Angebot der Nordhäuser Fachhochschule. Neue Berufsfelder werden durch Sozialmanagement und Gesundheits- und Sozialwesen, sowie Flächen- und Stoffrecycling und technische Informatik erschlossen. Ganz neu dazu gekommen sind zum Wintersemester Regenerative Energietechnik und öffentliche Betriebswirtschaft. Auf diese Vielseitigkeit ist der Rektor zu Recht stolz.

Sprachlabor Aber was nutzt eine gute Ausbildung mit Zeugnissen, die in einer immer kleineren Welt nicht anerkannt werden? Für die Abschaffung der Diplome und die neu entstehenden europäischen Abschlüsse ist man bestens gerüstet. Public Management wird bereits als Bachelor Studiengang in Zusammenarbeit mit der Verwaltungsfachhochschule Gotha angeboten, mit gleichzeitiger Laufbahnbefähigung, die deutschlandweite Anerkennung findet. Das ist eine absolute Neuheit.

Rund 80 % der Studenten kommen aus der Region. Durch die zentrale Lage in der Mitte Deutschlands müssen das nicht nur Nordthüringer sein. Auch aus Niedersachsen kommen zahlreiche junge Menschen zum Lernen in den Südharz. Kooperationen entstehen auch mit den Unis in Kassel und Göttingen, weil Nordhausen einfach ideale Bedingungen bietet.

Der Nähe zur Heimat und der Nähe der Gebäude auf dem Campus steht die internationale Ausrichtung der Fachhochschule gegenüber. Partnerhochschulen habe man vor allem in Ländern gesucht, die noch nicht so häufig von den bestehenden Universitäten kontaktiert wurden. Mit Finnland und den Osteuropäern gäbe es sehr gute Kontakte.

Es ist auch möglich, ein Semester im Ausland zu studieren. Mit dem in Nordhausen vermittelten Wissen sei das laut Juckenack kein Problem. Unterstützend wirkt hier auch der in allen Semestern stattfindende Sprachunterricht. Nicht nur Englisch und Französisch stehen auf dem Programm, wer möchte kann z.B. auch Polnisch lernen. Ausländische Gastdozenten bereichern regelmäßig das Wissensangebot.

Noch wichtiger sind Forschungs- und Entwicklungsaufträge aus der Region und darüber hinaus. Mit innovativen Firmen, unter anderem Feuer Powertrain, ist eine Zusammenarbeit für alle lohnenswert.

Die Frage nach einem späteren Arbeitsplatz ist wichtig. "Viele Akademiker sitzen in Taxen", meint Juckenack. "Aber unsere Absolventen haben gute Chancen". Und Studentenproteste sind hier auch kein wirkliches Thema. Kein Wunder, denn auf eine Lehrkraft kommen nur rund 30 Studenten. Hier finden sich moderne Bildungskonzepte, die richtig Lust auf ein Studium machen. Politiker, die immer von Innovationen reden, können hier welche sehen. Und mit Sicherheit noch was dazu lernen.
Autor: wf

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