nnz-online

Minister als Altenpfleger

Samstag, 17. Januar 2004, 15:54 Uhr
Nordhausen (nnz). Ein Sozialminister der mit dem Pflegedienst unterwegs ist, das erscheint ungewöhnlich. Hat der Politiker umgeschult, weil ihm seine Arbeit zu langweilig geworden war? nnz hat nachgefragt.


Sozialminister unterwegs

Kaffee machen könnte er schon, meint Sozialminister Klaus Zeh (CDU), aber die anderen Handgriffe seien ihm doch sehr fremd. Wie anstrengend und gleichzeitig verantwortungsvoll die häusliche Pflege alter und kranker Menschen ist, konnte er live erleben. Unterwegs war er mit Schwester Nadine, die auf ihrer morgendlichen Tour 8 Patienten zu versorgen hat. Sie will keine "Pflegemaschine" sein, sondern bemüht sich individuell um jeden Menschen.

Auch die über 90 Jährige Wally Hake freute sich über die ungewohnte Abwechslung. Leider kann sie kaum noch sehen und hören, aber ihre Pflegerinnen kennt sie trotzdem alle. Die Versorgung im familiären Umfeld sei ein Idealfall, so der Sozialminister. Leider aber selten.

Wally Hake jedoch wird liebevoll von Tochter und Schwiegersohn betreut. "Sie hat es sich verdient" sagt die Tochter und erzählt aus dem bewegten Leben ihrer Mutter, die beide Weltkriege erleben mußte und eine schlimme Schußverletzung davontrug. Nach dem Krieg habe sie als Trümmerfrau körperlich schwere Arbeiten verrichten müssen, was sich im Alter natürlich auch bemerkbar macht. Den aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Mann hatte sie über zwanzig Jahre gepflegt. Seit 1990 benötigt sie nach mehreren Schlaganfällen selber Hilfe.

Der Pflegedienst der Diakonie Sozialstation erschien dem Ehepaar Pantel geeignet. Sehr zufrieden über die Betreuung äußerten sie sich auch gegenüber Dr. Zeh. Daß sich der Minister persönlich ein Bild von der Welt außerhalb der Plenarsäle machen möchte, finden sie sehr gut. Das sollten alle Politiker mal tun, damit sie wissen, wie es den Menschen wirklich geht, sagten sie.

Auch von ihrer erst im Dezember bezogenen, sanierten Wohnung sind sie begeistert. Sogar einen Fahrstuhl gibt es jetzt. Dann kann die kranke Mutter auch mal im Rollstuhl raus gebracht werden und an der frischen Luft unterwegs sein. So viel Zeit hat die Tochter natürlich nur, weil sie selbst schon Rentnerin ist.

Anderen geht es nicht so gut. Sie sind besonders froh, daß es den Pflegedienst gibt. Die Stammschwester, die sich um ihre alten und kranken Patienten kümmert, ist manchmal der einzige Draht nach außen. Am Wochenende oder in den Ferien kommen Vertretungspfleger, aber nach Möglichkeit immer die selben, denn eine persönlich Beziehung ist sehr wichtig.

Daß nur qualifiziertes Personal unterwegs ist, ist für Pfleger Falko selbstverständlich. Er war extra mitgekommen, um Klaus Zeh ausführlich zu informieren. Der Minister möchte die ambulante Versorgung gern weiter ausbauen. Betreuung daheim sei doch viel angenehmer als aus der gewohnten Umgebung herausgerissen zu werden.

Die Diakonie ermöglicht jedenfalls rund 200 alten und kranken Menschen in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Daß das Konzept sinnvoll ist, hat der Minister erleben dürfen. Wenn die Pflegeversicherung nun nach sieben Jahren einmal generalüberholt wird, dann können vielleicht noch mehr Menschen so einen ruhigen Lebensabend verbringen wie Wally Hake, wünscht sich Sozialminister Klaus Zeh.
Autor: wf

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de