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Auch eine Frage der Überzeugung

Donnerstag, 15. Januar 2004, 12:01 Uhr
Nordhausen (nnz). Die nnz hatte am vergangenen Freitag den Mitgliederrückgang bei den Gewerkschaften zum Thema gemacht und sich dabei auf das Institut der Deutschen Wirtschaft bezogen. Das findet der Nordhäuser DGB schon fast rührend...


Es ist schon fast rührend, wie sich das Institut der Deutschen Wirtschaft um Probleme des Deutschen Gewerkschaftsbundes sorgt, so der DGB Regionsvorsitzende Hannemann(siehe nnz-Beitrag vom 9. 1. 04). „Als wenn wir nicht selber wüssten, warum und mit welcher Begründung Kolleginnen und Kollegen den DGB-Gewerkschaften den Rücken kehren. Bereits ein Gegenüberstellen der Sozialversicherungsbeschäftigten in der Bauwirtschaft, der Landwirtschaft und der Nahrungsgüterwirtschaft im Jahre 1993 und im Jahre 2003 würde einiges zur Klarheit beitragen“, meint Hannemann und zählt auf:

„Hatten wir in Thüringen 1993 noch 861.210 sozialversichert Beschäftigte, so waren es im März 2003 lediglich 735.143. Arbeitslosigkeit ist in der Regel kein Grund, aus den Gewerkschaften auszutreten. Jedoch dies gepaart mit Entscheidungen der Politik, die wir als Gewerkschaften speziell im Hinblick auf die Agenda 2010 heftigst in Frage stellen, wird für viele Menschen in Thüringen ausschließlich das finanzielle Kalkulieren handlungsbestimmend. Verständlich, jedoch auch mit der Konsequenz, dass massenhaftes Aufbegehren und Protest gegen arbeitnehmerfeindliche Entscheidungen der Politik komplizierter werden. Die Ergebnisse solcher Politik, von einem großen Teil der Bevölkerung bisher ignoriert, werden jetzt ganz konkret im Geldbeutel spürbar.“

Gewerkschaften seien mehr als Selbsthilfeorganisationen abhängig Beschäftigter. Sie hätten sich den rasant ändernden Rahmenbedingungen in der Gesellschaft, im Widerspruch zur Aussage des IW in Köln, sehr wohl angepasst. Wenn die Wirtschaftsweisen damit meinten, die Tarifautonomie aufzugeben, werden sie in den Gewerkschaften natürlich keinen Ansprechpartner finden. Gewerkschafter sein, heißt für Ulrich Hannemann auch nicht nur Beitragszahler zu sein, sondern aktiv lebender Teil dieser Gesellschaft, mit den für sie bereitgestellten Dienstleistungen. Gewerkschafter im DGB zu sein, heiße letztlich auch, solidarisch zu handeln. „Da sind Hinweise des Institutes auf Spezialverbände alles andere als hilfreich“, so der Regionsvorsitzende des DGB Nordthüringen.
Autor: nnz

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