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Ecclesia semper reformanda

Donnerstag, 01. November 2012, 09:39 Uhr
Alt ist sie, sehr alt und sehr schön: Die eisenbeschlagene Tür, vor der der Blockflötenkreis der Kirchengemeinde am Reformationstag „Ein´ feste Burg ist unser Gott“ intoniert und der Pfarrer das Evangelium im Wechsel mit einem Lektor verliest. Eine „Thesen-Tür“ ist es aber trotzdem nicht und das Bild stammt auch nicht aus Wittenberg, sondern aus Bleicherode...

Gottesdienst zum Reformationstag (Foto: E. Seifert) Gottesdienst zum Reformationstag (Foto: E. Seifert)

Die Tür hatte einst ihre Funktion, die eine Tür nun eben mal hat, an einem Eingang an der Südseite der St. Marien-Kirche. Jetzt ist sie ein fest verankertes Schmuckelement im Inneren der Kirche. Doch wer weiß? Vielleicht werden ja auch künftig noch einmal schöne Kirchentüren für den Anschlag von Thesen gebraucht, denn: „ecclesia semper reformanda“; da waren sich der Mönch des 16. Jahrhunderts, die calvinistischen Theologen des 17. Jahrhunderts und das römische Konzil des 20. Jahrhunderts ausnahmsweise einmal völlig einig.

Nur wenn der unterschiedliche Erkenntnisstand mitunter Jahrhunderte erfordert, sind manchmal eben auch Aktionen wie jene von 1517 nötig und hilfreich. Der Reformations-Festgottesdienst in Bleicherode machte jedenfalls dem Jahresthema 2012 der Luther-Dekade „Reformation und Musik“ nicht nur mit dem Blockflötenkreis alle Ehre, auch wenn wegen umfangreicher Restaurierungsarbeiten die „große“ Orgel noch einige weitere Monate schweigt. Beim anschließenden „Kirchenkaffee“ konnte man dann die Lutherrose – original aus Wittenberg – auch noch „verinnerlichen“, nachdem Pfarrer Blasczyk deren Symbolik und Bedeutung in der Predigt ausführlich gewürdigt hatte.
Eduard Seifert
Autor: nnz

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