Von Nordhausen nach Halle zu Fuß
Montag, 29. Oktober 2012, 20:11 Uhr
Auch wenn man die Strecke von Nordhausen nach Halle oder umgekehrt schon so oft unter den Füßen hatte, wie einige von uns Langstrecklern: Jede dieser Touren hat einen ganz eigenen Charakter. Dieser wird natürlich in erster Linie durch die Teilnehmer, deren Mentalität, Lust und Laune aber natürlich auch durch das Wetter und die Verpflegung bestimmt...
Das Wetter beim 14. Südharz-Hunderter war überwiegend wanderfreundlich – abgesehen von einem kurzen Graupelschauer niederschlagsfrei, leicht windig und relativ kühl. Der Wind, verbunden mit einer offenbar relativ hohen Luftfeuchtigkeit, ließ die meisten von uns Mütze und Handschuhe tragen.
Fünf der sieben Teilnehmer waren alte Hasen, also kampf-erprobte Hundertkilometerwanderer, ein Vater, der beim eisigen 13. Südharz-Hunderter Halle-Nordhausen im Februar in deren exklusive Reihen aufgenommen werden konnte, brachte diesmal seinen Sohn mit. Beide beendeten die Wanderung gegen 4:40 Sommerzeit bzw. nach 69 km in Lutherstadt Eisleben, da es dem Jungen doch zunehmend schwer gefallen war, die lange Strecke durchzustehen. Die Wanderer kamen aus Nordhausen (leider nur der Wanderleiter), aus Berlin, Leipzig, Wallhausen, Nauendorf (Saalekreis bei Halle) und Schirgiswalde (Oberlausitz).
Dennoch nutzen wir ab und zu die Gelegenheit, unterwegs zusätzlich und unangemeldet noch das ein oder andere, schnelle Wanderbier zu trinken. Dies taten wir auch schon mehrfach in der Kalkhütte. Auch diesmal traten wir dort ein. Leider hat sich das der den Alten Stolberg abbauenden Firma Knauf gehörende Haus nach dessen Modernisierung noch weiter von einer gediegenen Einkehrmöglichkeit für Wanderer entfernt. Die bauliche Nobless der einstigen Ausflugsgaststätte hat nichts mehr mit der ursprünglichen Kalkhütte zu tun. Die eventuell verdreckten Schuhe eines Wanderers stehen im Widerspruch zur Einrichtung mit weißen Tischdecken und einer vollautomatischen Gastraumtür wie in Raumschiff Enterprise.
Aber all das wäre ja noch zu verkraften gewesen, wenn wir doch wenigstens ein Bier im Stehen hätten kaufen können. Die Gaststätte war geöffnet, mehrere Tische waren eingedeckt und ein junger Mann stand hinter dem Tresen. Er könne uns kein Bier geben, weil er keinen Kassenzugang habe. Wir hätten ihm ja das Geld trotzdem auf seinen Tresen legen können. Aber auch das lehnte er ab. An der Tür sei zudem auf die Anwesenheit einer geschlossenen Gesellschaft verwiesen worden. Aber zu der wollten wir uns nach erst 12 von 100 gewanderten Kilometern ganz gewiss nicht setzen. Für ein schnelles Bier benötigt man einige Sekunden bis einige Minuten – wenn es sein muss, auch im Stehen.
Ich teilte dem jungen Mann unser Unverständnis mit und auch, dass man über die eigentümlichen Veränderungen in Knaufs Kalkhütte mal ein paar Worte schreiben sollte, was ich hiermit tue. Den einzigen Vorteil des mit Geld aus Gipsabbau finanzierten Gebäudes sehe ich z.Z. jedenfalls nur darin, dass Knauf die Fläche, auf der es steht, möglicherweise nicht von seinem Steinbruch zerstören lassen wird, ganz im Gegensatz zur Karstlandschaft von weiten Teilen des Alten Stolberg ringsum.
In dem hohen Tempo sehe ich vor allem für 100-km-Aspiranten ein Problem. Sie werden abgeschreckt und starten meist niemals wieder auf einem so langen Kanten. Ich vermute sogar, dass der später ausgestiegene junge Mann eine Chance auf seine ersten 100 gehabt hätte. Denn er lag mit seiner persönlichen Geschwindigkeit noch im Durchschnitt. Hier offenbart sich das Dilemma des Wanderleiters bei einer geführten Tour: Die schnelle und trainierte Mehrzahl der Teilnehmer permanent durch nette Bitten im Interesse langsamerer Wanderer zu bremsen, funktioniert meist nur kurzzeitig. Und andererseits ist das Hinterherlaufen für die Langsameren demoralisierend – bis sie psychisch physisch nicht mehr können. Der Kopf entscheidet bei einem Hunderter fast allein.
Von daher halte ich es für sinnvoll, dass sich Neueinsteiger nicht sofort auf die Gesamtdistanz stürzen. Viele überschätzen ihre Fähigkeiten. Das ist eine häufige Beobachtung. 50 Kilometer als das Ziel dreier Teilnahmen wäre mein Tipp: Beim vierten Mal steht man die 100!
Mittlerweile freuen sich einige Teilnehmer fast mehr auf das dortige Frühstücksbuffet, als auf die Wanderung selbst. Auch ich persönlich habe kaum mal ein leckereres und wohlgestalteteres erlebt. Sicher kommt dazu, dass ein Kaffee und ein Marmeladenbrötchen nach einer durchwanderten Nacht ganz besonders gut munden.
Zwischen 8:15 und 11:45 bewältigten wir verbliebenen Fünf die letzten 20 Kilometer, über Seeburg, entlang des jetzt einzigartig gefärbten Laubes der Weinberge bei Rollsdorf nach Langenbogen, durch das Salzatal weiter nach Köllme und dann durch die Dölauer Heide nach Halle-Nietleben. Während sich drei Teilnehmer gleich verabschiedeten, wanderten Oliver aus der Oberlausitz und ich weiter durch Halle-Neustadt, inkl. Dönerbudeneinkehr, ein Stück entlang der Saale und über den Rannischen Platz weiter zum Hauptbahnhof. Die Wanderung Nordhausen Hbf-Halle (Saale) Hbf war damit beendet. Erstmals wurden beide Bahnhöfe durch eine Fußwanderung in einem Stück miteinander verbunden. Wie ich schrieb: Jeder Hunderter hat seinen eigenen Charakter.
Teilstrecken sind möglich und werden Einsteigern dringend empfohlen. Nähere Informationen rechtzeitig in der nnz.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzDas Wetter beim 14. Südharz-Hunderter war überwiegend wanderfreundlich – abgesehen von einem kurzen Graupelschauer niederschlagsfrei, leicht windig und relativ kühl. Der Wind, verbunden mit einer offenbar relativ hohen Luftfeuchtigkeit, ließ die meisten von uns Mütze und Handschuhe tragen.
Fünf der sieben Teilnehmer waren alte Hasen, also kampf-erprobte Hundertkilometerwanderer, ein Vater, der beim eisigen 13. Südharz-Hunderter Halle-Nordhausen im Februar in deren exklusive Reihen aufgenommen werden konnte, brachte diesmal seinen Sohn mit. Beide beendeten die Wanderung gegen 4:40 Sommerzeit bzw. nach 69 km in Lutherstadt Eisleben, da es dem Jungen doch zunehmend schwer gefallen war, die lange Strecke durchzustehen. Die Wanderer kamen aus Nordhausen (leider nur der Wanderleiter), aus Berlin, Leipzig, Wallhausen, Nauendorf (Saalekreis bei Halle) und Schirgiswalde (Oberlausitz).
Kein Bier in der Kalkhütte
Normalerweise sind wir in drei Gaststätten angemeldet (Thyrafuchs/Uftrungen, km 19, Harzer Erlebnishof /Grillenberg, km 49 und Strand-Hotel /Aseleben am Süßen See, km 80.Dennoch nutzen wir ab und zu die Gelegenheit, unterwegs zusätzlich und unangemeldet noch das ein oder andere, schnelle Wanderbier zu trinken. Dies taten wir auch schon mehrfach in der Kalkhütte. Auch diesmal traten wir dort ein. Leider hat sich das der den Alten Stolberg abbauenden Firma Knauf gehörende Haus nach dessen Modernisierung noch weiter von einer gediegenen Einkehrmöglichkeit für Wanderer entfernt. Die bauliche Nobless der einstigen Ausflugsgaststätte hat nichts mehr mit der ursprünglichen Kalkhütte zu tun. Die eventuell verdreckten Schuhe eines Wanderers stehen im Widerspruch zur Einrichtung mit weißen Tischdecken und einer vollautomatischen Gastraumtür wie in Raumschiff Enterprise.
Aber all das wäre ja noch zu verkraften gewesen, wenn wir doch wenigstens ein Bier im Stehen hätten kaufen können. Die Gaststätte war geöffnet, mehrere Tische waren eingedeckt und ein junger Mann stand hinter dem Tresen. Er könne uns kein Bier geben, weil er keinen Kassenzugang habe. Wir hätten ihm ja das Geld trotzdem auf seinen Tresen legen können. Aber auch das lehnte er ab. An der Tür sei zudem auf die Anwesenheit einer geschlossenen Gesellschaft verwiesen worden. Aber zu der wollten wir uns nach erst 12 von 100 gewanderten Kilometern ganz gewiss nicht setzen. Für ein schnelles Bier benötigt man einige Sekunden bis einige Minuten – wenn es sein muss, auch im Stehen.
Ich teilte dem jungen Mann unser Unverständnis mit und auch, dass man über die eigentümlichen Veränderungen in Knaufs Kalkhütte mal ein paar Worte schreiben sollte, was ich hiermit tue. Den einzigen Vorteil des mit Geld aus Gipsabbau finanzierten Gebäudes sehe ich z.Z. jedenfalls nur darin, dass Knauf die Fläche, auf der es steht, möglicherweise nicht von seinem Steinbruch zerstören lassen wird, ganz im Gegensatz zur Karstlandschaft von weiten Teilen des Alten Stolberg ringsum.
Ein schneller Hunderter
Wir waren am vergangenen Sonnabend um 11:45 am Hauptbahnhof Nordhausen gestartet, erreichten die Kalkhütte um 13:30 und trafen bereits 14:40, und damit 20 Minuten früher als geplant, zur ersten großen Pause im Thyrafuchs ein. Dieses Tempo von rund 6 km/h sollte die Wanderung stellenweise auch weiter prägen. So kehrten wir zusätzlich noch für rund 45 Minuten ungeplant in Questenberg ein (km 30) und erreichten trotzdem pünktlich unsere Nachtgaststätte gegen 22:40 in Grillenberg (km 49).In dem hohen Tempo sehe ich vor allem für 100-km-Aspiranten ein Problem. Sie werden abgeschreckt und starten meist niemals wieder auf einem so langen Kanten. Ich vermute sogar, dass der später ausgestiegene junge Mann eine Chance auf seine ersten 100 gehabt hätte. Denn er lag mit seiner persönlichen Geschwindigkeit noch im Durchschnitt. Hier offenbart sich das Dilemma des Wanderleiters bei einer geführten Tour: Die schnelle und trainierte Mehrzahl der Teilnehmer permanent durch nette Bitten im Interesse langsamerer Wanderer zu bremsen, funktioniert meist nur kurzzeitig. Und andererseits ist das Hinterherlaufen für die Langsameren demoralisierend – bis sie psychisch physisch nicht mehr können. Der Kopf entscheidet bei einem Hunderter fast allein.
Von daher halte ich es für sinnvoll, dass sich Neueinsteiger nicht sofort auf die Gesamtdistanz stürzen. Viele überschätzen ihre Fähigkeiten. Das ist eine häufige Beobachtung. 50 Kilometer als das Ziel dreier Teilnahmen wäre mein Tipp: Beim vierten Mal steht man die 100!
Ein besonderer Wunsch
Mein Berliner Teilnehmer Detlef (62, wanderte seit 1979 256 Hunderter), war am Sonnabend statt in Nordhausen, in Halle gestartet, um allein bis nach Grillenberg (gelegen zwischen Sangerhausen und Wippra) zu wandern. Von dort ging es dann mit der in Nordhausen gestarteten Gruppe zurück nach Halle. Als Beweis für die von ihm gewanderte Strecke präsentierte er mir zwei Gaststättenrechnungen. Schule machen sollte dieses Beispiel nicht. Ausnahmen bestätigen aber die Regel!Zeitumstellung in einer Bank!
Bedingt durch die Zeitumstellung nutzten wir den Vorraum einer Bank in Eisleben für eine längere Pause am frühen Morgen. Denn vor 6:30 Winterzeit durften wir nicht zum Frühstück im Strandhotel Aseleben eintreffen.Mittlerweile freuen sich einige Teilnehmer fast mehr auf das dortige Frühstücksbuffet, als auf die Wanderung selbst. Auch ich persönlich habe kaum mal ein leckereres und wohlgestalteteres erlebt. Sicher kommt dazu, dass ein Kaffee und ein Marmeladenbrötchen nach einer durchwanderten Nacht ganz besonders gut munden.
Zwischen 8:15 und 11:45 bewältigten wir verbliebenen Fünf die letzten 20 Kilometer, über Seeburg, entlang des jetzt einzigartig gefärbten Laubes der Weinberge bei Rollsdorf nach Langenbogen, durch das Salzatal weiter nach Köllme und dann durch die Dölauer Heide nach Halle-Nietleben. Während sich drei Teilnehmer gleich verabschiedeten, wanderten Oliver aus der Oberlausitz und ich weiter durch Halle-Neustadt, inkl. Dönerbudeneinkehr, ein Stück entlang der Saale und über den Rannischen Platz weiter zum Hauptbahnhof. Die Wanderung Nordhausen Hbf-Halle (Saale) Hbf war damit beendet. Erstmals wurden beide Bahnhöfe durch eine Fußwanderung in einem Stück miteinander verbunden. Wie ich schrieb: Jeder Hunderter hat seinen eigenen Charakter.
15. Südharz-Hunderter am 2. Advent
Wer den weihnachtlich geschmückten Südharzrand zu Fuß auf einer sportlich geführten Wanderung erleben möchte, der sei schon jetzt zur Rücktour von Halle nach Nordhausen eingeladen, diesmal, wie schon der verschneite 10. Südharz-Hunderter, ausnahmsweise auch im Dezember.Teilstrecken sind möglich und werden Einsteigern dringend empfohlen. Nähere Informationen rechtzeitig in der nnz.
Bodo Schwarzberg





















