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Besuch in Einbeck

Mittwoch, 17. Oktober 2012, 06:44 Uhr
Am Montag dieser Woche fand die Besichtigung einer Biogasanlage, organisiert durch die EVN, mit fünf Stadträten von CDU, Linke, Grüne und FDP, mit den Geschäftsführern der EVN, mit sechs weiteren Mitarbeitern der Stadt und acht interessierten Bürgern der Stadt Nordhausen in Einbeck statt. Der Besuchsbericht aus Sicht der Bürgerinitiative...


Das Wetter war nicht gerade für eine Busfahrt geeignet, aber nach Ankunft in Einbeck hat der Regen aufgehört und man konnte mit der Besichtigung der Biogasanlage beginnen. Herr Deupmann von der E.ON Bioerdgas GmbH und Herr Westphal, Leiter des Anlage in Einbeck, begrüßten alle Anwesenden und erklärten sehr ausführlich die im Jahr 2009 gebaute Anlage.

Die Anlage arbeitet vollautomatisch. 3,6 Arbeitskräfte überwachen die gesamte Organisation von der Anlieferung der Erntemenge von über 50 Landwirten aus der Region im Umkreis von 20 km über die Biogaserzeugung in den Fermentern, die Gasaufbereitung über die Gärproduktlager und Nachgärer bis hin zur Substratpumpe, Hackschnitzelleitung und Aminwäsche, wo CO2 gebunden und das Methangas rausgefiltert und weitergeleitet wird. Die Anlage ist allerdings mit der geplanten Anlage in Nordhausen nicht vergleichbar, setzt sie zu 80% Maissilage und als Rest Gras- Zuckerrüben- und Roggensilage zur Gasgewinnung ein. Im Jahr werden über 50Tausend Tonnen dieser Substrate verarbeitet und über 1.000Nm3/h Biogas erzeugt!

Natürlich wurde seitens der interessierten Bürger, aber auch von den anderen anwesenden Personen viele Fragen gestellt. Die Betreiber der Anlage gaben zu jeder Frage auch eine ehrliche Antwort! So wurde über die derzeitige politische Diskussion und dem in die Kritik geratenen EEG in Verbindung mit den Förderungen solcher Anlagen gesprochen, über die geplante Lebensdauer einer solchen Anlage von 20 Jahren und deren vermutlichen Abriss danach diskutiert, als auch über die Standortfrage und den Verkehrsbeschränkungen und -lärm, die eine solche Anlage mit sich bringt.

Deutliche Worte hörte man von den E.ON Mitarbeitern bei der Standortfrage und auch beim gesamten Verkehrs- und Wegenetz, die bereits in der Planungsphase von den Verantwortlichen mit den Bürgern der Stadt Einbeck gemeinsam beraten und entschieden wurden. Nur so konnte eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden und Proteste verhindert werden. Herr Deupmann würde neben seiner Haustür weder eine Biogasanlage noch den hohen Verkehrslärm und die damit verbundenen Belästigungen dulden wollen. „Die Anlage wurde zwar auf fruchtbarsten Boden errichtet“, so der Leiter der Anlage Herr Westphal, „aber weiter oben auf dem Berg ging es nicht“. Und auch er hat sich durchringen müssen, wohnt er als Landwirt mit seinem Grundstück als einziger Anwohner nur knapp 400 Meter von dieser Anlage entfernt, aber Wohnhäuser sind weit und breit nicht weiter zu sehen.

Straßen mussten gebaut und der gesamte Verkehrsfluss geordnet werden. Die Anfuhr der Ausgangsstoffe durch die Landwirte erfolgt ausschließlich auf festgelegten Verkehrswegen und nicht annähernd an bzw. durch Wohngebiete hindurch! „Das kann und wollte man den Anwohnern auch nicht zumuten“ so Herr Deupmann. Er brachte bei den vielen Fragen deutlich zum Ausdruck, dass man beim Bau einer solchen Biogasanlage immer auch die Meinung der Bürger berücksichtigen muss, denn „sonst baut man keine Anlage mehr!“

Deutliche Worte, die auch die Stadträte, die Verantwortlichen der EVN und auch die Mitarbeiter der Stadt zur Kenntnis nehmen mussten. Ehrliche, unabhängige Worte von Betreibern einer Biogasanlage, mit denen die Mitglieder der Bürgerinitiative so nicht erwartet haben, aber Ehrlichkeit zahlt sich aus und so wurde es zumindest für alle Teilnehmer keine „Kaffeefahrt“ wie zunächst vermutet, sondern die Fahrt endete mit sehr sehr wichtigen Erkenntnissen für alle Beteiligten und man kann nur hoffen, dass diese Ergebnisse, Erfahrungen und Feststellungen berücksichtigt und die Bürger bei diesen Planungen von Anfang an mit einbezogen werden!
BI "Stoppt Biogas in Nordhausen
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Autor: nnz

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