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nnz-Forum: Argumente

Samstag, 13. Oktober 2012, 14:40 Uhr
Liebe nnz-Leserinnen und –leser, immer wieder wurde hier über Äußerungen eines FH-Professors zur Biogasanlage und über ein Leopoldina-Gutachten diskutiert. Hier möchte Bodo Schwarzberg beides noch einmal in Kürze und ohne den Anspruch auf Vollständigkeit hinsichtlich einiger Aussagen betrachten...


... und zugleich die weltweite negative Bedeutung, also die globalen negativen Einflüsse des Einsatzes von Bioenergie darstellen, auch das aber ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

13.07.2012 nnz: „Professor Wesselak hat anhand von wissenschaftlich abgesicherten Daten erläutert, dass wir uns mit dem Maisbedarf der Biomethananlage deutlich unterhalb der Grenze zur Nahrungsmittelkonkurrenz befinden. Mit Blick auf die unmittelbare doppelte Strom-Wärme-Verwertung des Biomethans in unserer Blockheizkraftwerken sprach Professor Wesselak von einer "Traumkonstellation" hinsichtlich der Co-2-Bilanzzum Beispiel Raps habe“, so Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh im Anschluss an die Diskussion. "Auch die Verwendung von Mais als einer der beiden Grundstoffe neben der Nordbrand-Schlempe sei eine gute Wahl, da er aufgrund seiner hohen Energieausbeute u.a. einen deutlich geringeren Flächenbedarf als z.B. Raps habe.“

Alles ist also gut, könnte man meinen. Gott sei Dank Mais und kein Raps, Traumkonstellation. Alles öko also mit der geplanten Nordhäuser Biomethananlage. -Manchmal habe ich den Eindruck, man traut der Bevölkerung nicht zu, tiefer denken zu können.

Hier kurze Auszüge aus dem Leopoldina-Gutachten (nnz vom 27.07.12): http://www.nnz-online.de/_daten/mm_objekte/2012/07/162205_0727_13800537.pdf)

„Um den Verbrauch von fossilen Brennstoffen und die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren, sollte Deutschland nicht den weiteren Ausbau von Bioenergie anstreben….Vielmehr sollte sich Deutschland auf andere erneuerbare Energieressourcen konzentrieren wie Photovoltaik, Solarthermie und Windenergie, deren Flächeneffizienz, Treibhausgas-Emissionen und andere Umweltbeeinträchtigungen niedriger sind, als die von Bioenergie. Die Einsparung von Energie und die Verbesserung der Energieeffizienz sollte Vorranghaben.“

Dr. Zeh hat übrigens früher ganz im Gegenteil die Biomethananlage als hervorragende Möglichkeit beworben, die Treibhausgasemissionen zu senken! Eigenartige Widersprüche, finde ich. Weiter unten lehnen die Autoren die Verwendung von Bioenergie u.a. ab, sofern sie „keinen größeren negativen Einfluss auf Ökosysteme und Biodiversität haben…“

Allein schon hier zeigt sich im Vergleich mit den Äußerungen von Prof. Wesselak von der FH (laut nnz) eine Beschönigung aus dessen Munde durch Weglassen: Denn ein Maisacker gehört zu den intensivsten landwirtschaftlichen Kulturen, die wir kennen: mit einem besonders hohen Wasser- und Chemikalienverbrauch. Schauen Sie sich einen solchen Maisacker nur einmal genauer an: Etwas anderes als Mais wächst dort im Allgemeinen nicht mehr. Die Biodiversität geht gegen 0.

Auch das Wesselaksche Wort von „unterhalb der Grenze zur Nahrungsmittelkonkurrenz“ zeigt, dass hier nicht global gedacht wurde und den Leuten ein X für ein U vorgemacht werden soll. Natürlich ist es so, dass eine einzelne Biomethananlage keinen großen Einfluss auf Nahrungsmittelpreise und auf die Armut in der Welt hat. In Deutschland wurden in den vergangenen Jahren aber bereits Hunderte dieser Anlagen gebaut. In der Summe, lieber Herr Professor, ist die „Grenze zur Nahrungsmittelkonkurrenz“ dann sehr wohl überschritten, wie zum Beispiel der BUND auf seiner Seite darlegt.

Und weiter: Deutschland exportiert immer mehr Fleisch, führt immer mehr Soja zur Mästung der Rinder aus Ländern ein, die dafür immer größere Regenwaldflächen einschlagen (auch für europäischen ‚Biosprit“ übrigens!) und nutzt nun auch noch eigene landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Energiepflanzen für Biogasanlagen, statt hier bei uns Futtermittel für die Nutztiere anzubauen! Alles zusammen treibt die Regenwaldabholzung voran, an der wir also mit schuldig sind und es treibt die Nahrungsmittelpreise nach oben, zu Lasten vor allem der Ärmsten der Armen, für die die dicken Mitteleuropäer dann immer zu Weihnachten spenden.

Nicht zu vergessen sind die aus diesen unsäglichen Verhältnissen resultierenden zusätzlichen CO2-Emmissionen: jene der Schiffe z.B., die Soja nach Europa bringen, jene aus den abgeholzten Wäldern, soweit ich weiß, sind diese die drittgrößten Emittenten überhaupt. Hat Prof. Wesselak eine umfassende Öko-Bilanz aufgestellt, die all das berücksichtigt? Wohl kaum. Denn das würde „unsere“ Biomethananlage in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Werden es davon immer mehr, dreht sich die angegebene Spirale immer schneller.

Erkennen Sie, liebe Leser, nun die Absurdität, dieser Anlagen und erkennen Sie, dass uns hier von Seiten einiger ein gewaltiger Bär aufgebunden werden soll?

Noch in keinem Beitrag der Möchtegernbiomethananlagenbauer habe ich auch etwas zu den tausenden LKW-Fahrten gelesen, die zu einer solchen Anlage notwendig werden, von der durch sie erzeugten, Ruß-, Co2 und Lärmbelastung, nichts von der notwendigen weiteren Flächenversiegelung und nichts davon, dass solche Anlagen meist weitere Ansiedlungen nach sich ziehen. Auch das fehlt in den bisherigen offizielle verlautbarten FH-Äußerungen.

Und nicht zuletzt: Herr Dr. Zeh möchte die Anlage und beauftragt einen FH-Professor. Können Sie sich wirklich vorstellen, dass der Herrn Dr. Zeh im Regen stehen lässt und eine solche Anlage ablehnt?
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: nnz

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