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Es stimmte einfach alles

Dienstag, 02. Oktober 2012, 06:23 Uhr
Das Eröffnungskonzert der neuen Spielzeit mit dem Loh- Orchester, das in der Blasii-Kirche zu Nordhausen ausgetragen wurde, endete mit lang anhaltendem, stürmischem Beifall des zutiefst bewegten und überwältigten Publikums. Zu Recht wird es sich noch lange an dieses Konzert erinnern. Es war ein Konzert der Superlative, weil einfach alles stimmte. Eine Rezension von Christel Laude...


Das zeigte sich bereits in der Auswahl der Werke, die unter dem Motto „Religioso“ inhaltlich und musikalisch feinsinnig aufeinander abgestimmt waren. Vom feierlich-würdevollen Erklingen des Lutherchorals „Ein feste Burg ist unser Gott“ aus der Ouvertüre zu Giacomo Meyerbeers Oper „Die Hugenotten“ am Beginn des Konzertes bis hin zum grandiosen Finale der so genannten Orgelsinfonie von Camille Saint- Saëns überzeugte das Orchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Markus L. Frank und zeigte sich allen Schwierigkeiten gewachsen. Mit Samuel Kummer, Organist an der Frauenbergkirche in Dresden, konnte das Nordhäuser Publikum einen hochkarätigen Gast bewundern, der dem Instrument, vor allem in den tiefen Registern, unglaublich weiche, insgesamt aber auch überaus virtuose Klänge zu entlocken vermochte.

Franz Liszt war nicht nur der große Europäer, er fühlte sich auch durch sein Wirken in Weimar und sogar in Sondershausen Thüringen eng verbunden. Ganz nahe der Wartburg wusste er um die Bedeutung Luthers für die Musik. Auch er verarbeitete den bekannten Choral in seinen Werken, und bewunderte die legendäre, aus seiner Heimat Ungarn stammende, Elisabeth. In seinem Oratorium „Die Legenden von der heiligen Elisabeth“ setzte er ihr ein musikalisches Denkmal.

Im Sinfoniekonzert konnte das Publikum drei instrumentale Ausschnitte daraus kennen lernen. Zwischen dem zweiten „Die Kreuzritter“ und dritten „Die feierliche Bestattung der Elisabeth“ erklang, gewissermaßen als Hommage an Franz Liszt, der selbst ein begnadeter Organist war, sein Präludium und Fuge über den Namen B-A-C-H für Orgel. Brillant gespielt von Samuel Kummer, fügte sich das Werk in das Oratorium ein, als ob es dahin gehöre. Es war aber ein genialer dramaturgischer Einfall von Markus L. Frank.

Filigran gewobene Fäden führten schließlich zum bereits erwähnten letzten Werk. Der Anfang des gregorianischen „Dies irae“ der Totenmesse durchzieht nach dem Vorbild einer Sonate von Franz Liszt als Hauptthema das gesamte Werk.

Diese Orgelsinfonie war kein Konzert für Orgel und Orchester, sondern die Orgel war in das Werk, abgesehen von einigen solistischen Passagen, ähnlich später auch das Klavier, in das Orchester integriert. Klanggewaltig verstärkte sich damit noch einmal die hohe emotionale Wirkung.

Auf Grund der großen räumlichen Distanz zwischen Orgel und Orchester, das Orchester spielte im Altarraum, bedurfte es genauer akustischer und optischer Absprachen zwischen Dirigent und Organist. Auch dieses Problem wurde dank Technik perfekt gelöst.
Die altehrwürdigen Mauern der Blasii- Kirche als Austragungsort des Konzertes, schienen geradezu unter den Klängen dieser genialen Musik zu erzittern. Diese Raumerfahrung als solche, ja die gesamte Atmosphäre im Kirchenschiff potenzierten das Klangerlebnis.
Das alles zusammen machte das Konzert so einmalig
Christel Laude
Autor: nnz

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