nnz-Forum: Klimawandel nicht verdrängen
Mittwoch, 26. September 2012, 07:14 Uhr
Immer mal wieder schreibt Bodo Schwarzberg in der nnz sprichwörtlich gegen Windmühlenflügel an, wenn es um unsere Umwelt geht. Er findet es spannend und zugleich dramatisch, wie sehr ein Teil der nnz-Leserschaft Tatsachen ignoriert, kleinredet bzw. diese offensichtlich nicht sehen will, also verdrängt...
Entdeckt am Hühnerberg: Orchis militaris (Foto: B. Schwarzberg)
Schon oft habe ich in diesem Zusammenhang das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Pik zitiert oder zumindest als Quelle genannt, wenn es um die Klimaproblematik geht. Gestern fand ich Informationen zu einer Pik-Studie in der Onlineausgabe der Mainpost, die, allen "nnz-Anti-Kommentatoren" zum Trotz, hier von mir dargebrachte Positionen untermauert. Z.B. die immer mal von mir wieder geäußerte Kritik an der Zubetonierung der Nordhäuser Innenstadt mit einer so genannten Kulturbibliothek und einem xten Einkaufstempel.
Hier nur einige Zitate: "Bei Hitzewellen verdoppelt sich die Sterblichkeit", sagt (der Klimaforscher- B.S.) Endlicher. Es müsse mehr Gesundheitsvorsorge für alte Menschen geben - und es werde (2030-B.S.) dazu noch deutlich mehr alte Menschen geben als heute. «Das ist alles noch nicht in unseren Köpfen drin», ergänzt er. Auch Straßenbäume und grüne Lungen bekämen ein ganz neues Gewicht. «Wir dürfen in den Innenstädten nicht alles zubauen.»
Ja, das spricht mir aus der Seele: Doch manche nnz-Kommentare zeigen eine fragwürdige Ignoranz der tausenden zusätzlichen europäischen Hitzetoten des Jahres 2003. Und schon mehrfach schrieb ich zu den logischerweise dramatischen Folgen des "Wohlstandbürgerkonsums" bzw. CO2-Ausstoßes für unsere Biosphäre, auch im Landkreis. Ein im Sommer immer trockeneres und heißeres Klima dürfte für den wertvollsten und prägensten Baum des Südharzes, für die der Rot-Buche also, das Ende bedeuten:
Aus der Pik-Studie: "Auch in deutschen Wäldern müssen Forstwirte demnach weiter vorausdenken als heute. Denn für Buchenwälder tauge das neue Klima wenig."
Vergessen wir nicht, liebe nnz-Leser: Die Fichte als beim Forst beliebte Baumart mit kurzen Umtriebszeiten, verliert auf Grund ihrer Wärme- und Trockenheitsempfindlichkeit, im Harz und anderswo immer mehr Flächen. Was aber machen wir, wenn ihr die Buche, der Stolz des Naturparkes Südharz und des Nationalpares Hainich, in kürzester Zeit folgt und mit ihr zahlreiche Lebensgemeinschaften mit hunderten, wenn nicht tausenden Arten?
Weiter:"Wir brauchen erheblich mehr Investitionen für Anpassungen, besonders im Osten", sagt (der Forscher-B.S.) Gerstengarbe. Das Problem seien nicht nur Dürreperioden, sondern auch Hochwasser im Winter. "Die letzte Elbeflut hat zehn Milliarden Euro gekostet", ergänzt der Wissenschaftler. "Wenn das viermal hintereinander passiert, geht auch Deutschland in die Knie."
Haben wir richtig gelesen, liebe nnz-Leserinnen und -leser? Zehn Milliarden Euro? Und das Ganze gerademal im winzigen Mitteldeutschland? Erst vor einigen Tagen schrieb ich als Entgegnung auf einen Kommentar von "Lachen", dass die Wirtschaft am Ende draufzahlt, wenn sie die Erhaltung Biosphäre nicht zum obersten Gebot erklärt. Die Klimaforscher bestätigen meine, hier so oft kritisierten Worte. Denn all zu oft werden die Kosten zur Beseitigung menschgemachter Umweltkatastrophen in die Gesamtrechnung nicht einbezogen. Das aber ist betriebswirtschaftlich nicht wirklich korrekt, weil auch jene Mittel erwirtschaftet werden müssen.
Immer wieder wird nachdenklichen Naturschützern (das sollten wir alle sein), Wirtschaftsfeindlichkeit vorgeworfen: Dabei ist eine global tatsächlich umweltschonende Wirtschaftsweise eine mittel- und lanfristig besonders effiziente Wirtschaftspolitik, die Millairdensummen spart und damit Arbeitsplätze und materiellen Wohlstand sichern hilft. Das sagen und schreiben nicht nur Klimaforscher, sondern weltweit anerkannte Ökonomen. Googeln Sie mal!
Auch das ist, um den obigen Klimaforscher zu zitieren "nicht in unseren Köpfen drin". Genau deswegen wird der Bürger wird im schlimmsten Fall schmerzlich lernen müssen, den Begriff des "Wohlstandes" anders, als bisher zu definieren. Das Sein bestimmt nach Marx ddas Bewusstsein. Ganz bestimmt und hoffentlich noch rechtzeitig und mitunter ganz besonders schmerzlich:
Das mussten z.B. die in Saus und Braus lebenden Pompeijaner erfahren, jene Bewohner des Römischen Reiches also, die vom Ausbruch des Vesuvs (ich glaube im Jahre 79) "überrascht" und dabei massenhaft von Asche erstickt wurden. Heute ist nachgewiesen, dass sie um die Gefahr aus dem Wissen um frühere Ausbrüche sehr wohl wussten, diese aber dennoch ignorierten. Ein vor sich hinbröckelnder, grüner und so friedlicher Berg, was sollte von ihm schon für eine Gefahr ausgehen? Viel wichtiger als die Sicherung ihres Lebens waren ihnen die ganz unmittelbaren "Freuden", wofür sie, wie wir heute wissen, sehr teuer bezahlten und zu Tausenden starben.
Pompeij sollte uns Symbol und Warnung sein. Wobei der Vesuv ja noch einen Vorteil hat: Wenn er ausbricht, weiß man heute, was im schlimmsten Fall passieren kann. Das menschliche Experiment, in nur 150 Jahren das fein austarierte Weltklima durcheinander zu bringen, aber ist hinsichtlich seiner endgültigen Tragweite, eine unbekannte Größe. Und das nicht nur für eine winzige Menschengruppe, wie die Bewohner von Pompeij im Jahre 79.
Die Fotos zeigen ein Exemplar der Orchidee Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) im Dürrefrühjahr 2007 an einem Standort im Landkreis Nordhausen. Derartige Verkrüppelungen beobachtete ich in den vergangenen Jahren immer häufiger. Im Vergleich dazu zeigt ein Foto aus dem relativ niederschlagsreichen Frühjahr 2010 intakte Pflanzen des Helm-Knabenkrautes vom selben Standort.
Bodo Schwarzberg
Entdeckt am Hühnerberg: Orchis militaris (Foto: B. Schwarzberg)
Schon oft habe ich in diesem Zusammenhang das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung Pik zitiert oder zumindest als Quelle genannt, wenn es um die Klimaproblematik geht. Gestern fand ich Informationen zu einer Pik-Studie in der Onlineausgabe der Mainpost, die, allen "nnz-Anti-Kommentatoren" zum Trotz, hier von mir dargebrachte Positionen untermauert. Z.B. die immer mal von mir wieder geäußerte Kritik an der Zubetonierung der Nordhäuser Innenstadt mit einer so genannten Kulturbibliothek und einem xten Einkaufstempel. Hier nur einige Zitate: "Bei Hitzewellen verdoppelt sich die Sterblichkeit", sagt (der Klimaforscher- B.S.) Endlicher. Es müsse mehr Gesundheitsvorsorge für alte Menschen geben - und es werde (2030-B.S.) dazu noch deutlich mehr alte Menschen geben als heute. «Das ist alles noch nicht in unseren Köpfen drin», ergänzt er. Auch Straßenbäume und grüne Lungen bekämen ein ganz neues Gewicht. «Wir dürfen in den Innenstädten nicht alles zubauen.»
Ja, das spricht mir aus der Seele: Doch manche nnz-Kommentare zeigen eine fragwürdige Ignoranz der tausenden zusätzlichen europäischen Hitzetoten des Jahres 2003. Und schon mehrfach schrieb ich zu den logischerweise dramatischen Folgen des "Wohlstandbürgerkonsums" bzw. CO2-Ausstoßes für unsere Biosphäre, auch im Landkreis. Ein im Sommer immer trockeneres und heißeres Klima dürfte für den wertvollsten und prägensten Baum des Südharzes, für die der Rot-Buche also, das Ende bedeuten:
Aus der Pik-Studie: "Auch in deutschen Wäldern müssen Forstwirte demnach weiter vorausdenken als heute. Denn für Buchenwälder tauge das neue Klima wenig."
Vergessen wir nicht, liebe nnz-Leser: Die Fichte als beim Forst beliebte Baumart mit kurzen Umtriebszeiten, verliert auf Grund ihrer Wärme- und Trockenheitsempfindlichkeit, im Harz und anderswo immer mehr Flächen. Was aber machen wir, wenn ihr die Buche, der Stolz des Naturparkes Südharz und des Nationalpares Hainich, in kürzester Zeit folgt und mit ihr zahlreiche Lebensgemeinschaften mit hunderten, wenn nicht tausenden Arten?
Weiter:"Wir brauchen erheblich mehr Investitionen für Anpassungen, besonders im Osten", sagt (der Forscher-B.S.) Gerstengarbe. Das Problem seien nicht nur Dürreperioden, sondern auch Hochwasser im Winter. "Die letzte Elbeflut hat zehn Milliarden Euro gekostet", ergänzt der Wissenschaftler. "Wenn das viermal hintereinander passiert, geht auch Deutschland in die Knie."
Haben wir richtig gelesen, liebe nnz-Leserinnen und -leser? Zehn Milliarden Euro? Und das Ganze gerademal im winzigen Mitteldeutschland? Erst vor einigen Tagen schrieb ich als Entgegnung auf einen Kommentar von "Lachen", dass die Wirtschaft am Ende draufzahlt, wenn sie die Erhaltung Biosphäre nicht zum obersten Gebot erklärt. Die Klimaforscher bestätigen meine, hier so oft kritisierten Worte. Denn all zu oft werden die Kosten zur Beseitigung menschgemachter Umweltkatastrophen in die Gesamtrechnung nicht einbezogen. Das aber ist betriebswirtschaftlich nicht wirklich korrekt, weil auch jene Mittel erwirtschaftet werden müssen.
Immer wieder wird nachdenklichen Naturschützern (das sollten wir alle sein), Wirtschaftsfeindlichkeit vorgeworfen: Dabei ist eine global tatsächlich umweltschonende Wirtschaftsweise eine mittel- und lanfristig besonders effiziente Wirtschaftspolitik, die Millairdensummen spart und damit Arbeitsplätze und materiellen Wohlstand sichern hilft. Das sagen und schreiben nicht nur Klimaforscher, sondern weltweit anerkannte Ökonomen. Googeln Sie mal!
Auch das ist, um den obigen Klimaforscher zu zitieren "nicht in unseren Köpfen drin". Genau deswegen wird der Bürger wird im schlimmsten Fall schmerzlich lernen müssen, den Begriff des "Wohlstandes" anders, als bisher zu definieren. Das Sein bestimmt nach Marx ddas Bewusstsein. Ganz bestimmt und hoffentlich noch rechtzeitig und mitunter ganz besonders schmerzlich:
Das mussten z.B. die in Saus und Braus lebenden Pompeijaner erfahren, jene Bewohner des Römischen Reiches also, die vom Ausbruch des Vesuvs (ich glaube im Jahre 79) "überrascht" und dabei massenhaft von Asche erstickt wurden. Heute ist nachgewiesen, dass sie um die Gefahr aus dem Wissen um frühere Ausbrüche sehr wohl wussten, diese aber dennoch ignorierten. Ein vor sich hinbröckelnder, grüner und so friedlicher Berg, was sollte von ihm schon für eine Gefahr ausgehen? Viel wichtiger als die Sicherung ihres Lebens waren ihnen die ganz unmittelbaren "Freuden", wofür sie, wie wir heute wissen, sehr teuer bezahlten und zu Tausenden starben.
Pompeij sollte uns Symbol und Warnung sein. Wobei der Vesuv ja noch einen Vorteil hat: Wenn er ausbricht, weiß man heute, was im schlimmsten Fall passieren kann. Das menschliche Experiment, in nur 150 Jahren das fein austarierte Weltklima durcheinander zu bringen, aber ist hinsichtlich seiner endgültigen Tragweite, eine unbekannte Größe. Und das nicht nur für eine winzige Menschengruppe, wie die Bewohner von Pompeij im Jahre 79.
Die Fotos zeigen ein Exemplar der Orchidee Helm-Knabenkraut (Orchis militaris) im Dürrefrühjahr 2007 an einem Standort im Landkreis Nordhausen. Derartige Verkrüppelungen beobachtete ich in den vergangenen Jahren immer häufiger. Im Vergleich dazu zeigt ein Foto aus dem relativ niederschlagsreichen Frühjahr 2010 intakte Pflanzen des Helm-Knabenkrautes vom selben Standort.
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnzDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.

