Menschenbilder (45)
Mittwoch, 26. September 2012, 06:27 Uhr
Im Spätherbst 2013 veröffentlicht der Nordhäuser Autor Bodo Schwarzberg den zweiten Band der Buchreihe "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" - wiederum mit rund 200 Texten über Zeitzeugen unserer jüngeren Geschichte...
Mit der Zahl 60.000 ist für Jürgen-Otto Kurkiewicz das unternehmerische Glück seines Lebens verbunden. Aber nicht etwa 60.000 D-Mark, Euro oder Dollar, sondern 60.000 Büchsen von Kukki’s Original Erbsensuppe aus Elend im Harz. Anfang der 90er Jahre hatte der am 21.11.1941 in Groß-Quenstädt geborene Geschäftsmann gegenüber einem Fernsehsender von einem Vertragsabschluss über eben diese Anzahl an Büchsen berichtet, die er in Kürze an den deutschen Spezialitätenhändler Stuhlmüller nach Los Angeles/USA liefern würde. Bereits seit Ostern 1991 verkaufte er zu diesem Zeitpunkt seine Erbsensuppe aus einer an der Straße Elend-Königshütte stationierten Gulaschkanone.
Kaum war die Meldung über den real gar nicht bestehenden Vertragsabschluss über die 60.000 Büchsen in der Welt, sagte sich das ZDF in Elend an, um live von dem Suppenkoch und seinem großen Deal zu berichten. Kukki geriet damit in gewisse Schwierigkeiten, verfügte er doch zum damaligen Zeitpunkt nur über gerade einmal drei Gulaschkanonen und noch nicht einmal über eine für die Massenproduktion von 60.000 Büchsen geeignete Großküche. Schnell kaufte er 15 Gulaschkanonen zusammen, baute sich aus mehreren Garagen eine Küche auf und erhielt erst jetzt die Zusage von dem tatsächlich existierenden Geschäftspartner in Palm Springs über die Abnahme von 60.000 Büchsen von Kukki’s Original Erbsensuppe.
Den Amerikaner hatte Kukki 1992 während einer Reise nach Honduras kennengelernt. Das ZDF-Team kam, blendete eine am Broadway installierte Werbetafel für die Suppe ein und machte das Markenprodukt aus Elend auf einen Schlag weltbekannt.
Das, was einst mit einer einzigen Gulaschkanone begann, ist heute ein florierendes Unternehmen mit mehreren, 365 Tage im Jahr betriebenen Gulaschkanonen (so an der Straße Elend-Braunlage und in Drei Annen Hohne) sowie einem Großversand an Abnehmer in Deutschland, Europa und Übersee. Kukki und seine 15 ausschließlich gut bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind stolz darauf, dass die verwendeten Erbsen in der Region (Harsleben) angebaut, dass sie eingeweicht und vor Ort in Elend gekocht werden – ohne Konservierungsstoffe, aber mit natürlichen Gewürzen.
Kukkis Lebensgeschichte indes hatte vor der Wende eher wenig mit Erbsensuppe denn mit den DDR-Grenztruppen und vor allem mit Musik zu tun – aber stets auch mit einem Geschäftssinn, der ihm offenbar in die Wiege gelegt worden war:
Seine Familie väterlicherseits stammt aus Polen. Kukki bezeichnet seinen Großvater Johann Kurkiewicz als alten polnischen Landadel. Sein Vater Otto Kurkiewicz fiel 1944 mit gerade einmal 34 Jahren bei Königsberg. Kukki wuchs bei seiner Oma auf, kellnerte bereits als Junge in einer benachbarten Gaststätte und verdiente sich durch den Verkauf von mit eigenen Fallen gefangenen Hamstern schon damals ein erkleckliches Taschengeld.
Bis zu 200 Hamster am Tag, das Stück für 2 Mark, führte er der Volkswirtschaft zu und handelte außerdem mit dem hochwertigen, von den Hamstern in ihren Bauen gebunkerten Getreide, ja auch mit Erbsen, die er bei ihnen fand. Als 13-jähriger widmete er sich bei Lok Halberstadt vor allem dem Wintersport und trat in Harsleben in eine Jodlergruppe ein – ein sehr zukunftsweisender Schritt, wie sich alsbald zeigen sollte. Im RAW Halberstadt absolvierte Kukki von 1956 bis 1959 auf Wunsch seiner Mutter eine Lehre zum Betriebsschlosser und ging anschließend freiwillig zur Deutschen Grenzpolizei, den späteren DDR-Grenztruppen.
Im Zuge dessen kam er 1959 als 17-jähriger Soldat nach Elend, wo er bis heute der wohl bekannteste Einwohner ist. Lauscht man Kukkis Erzählungen, dann standen die folgenden Jahrzehnte bis zur Wende bei ihm weniger im Zeichen des Schutzes des einstigen antifaschistischen Schutzwalls, als vielmehr der Musik und unzähliger Auftritte vor Soldaten und höchsten militärischen und politischen Vertretern der Staatsmacht.
Bereits als Offiziersschüler in Plauen lernte er das Gitarrespielen, trat in einen Soldatenchor ein und verzauberte als junger Grenzer gemeinsam mit einem Kameraden die Urlauber in den Ferienheimen rund um Elend und Schierke unter Darbietung von nicht immer staatskonformen Gesangstiteln. Gerade diese haben die Leute aber besonders gern gehört, schmunzelt er, - nur eben die oftmals höheren Offiziere nicht, die sich ebenfalls oft in den Ferienheimen aufhielten.
Nach einer Strafversetzung zum Ilsenburger Standort der Grenztruppen gründete er dort die Suental-Combo, wegen einer weiteren Strafversetzung infolge musikbedingter Abwesenheit vom Dienst in Blankenburg eine weitere und bis zum Ablegen der Uniform 1984 sage und schreibe insgesamt 30 Bands.
Für DDR-weites Aufsehen sorgte Kukki insbesondere mit seinem Singeklub Rhythmus X, den er im Vorfeld der X. Weltfestspiele 1972 in Berlin gegründet hatte. Mit bis zu zehn Soldaten und mehreren gesangs- und tanzfreudigen Ilsenburger Mädels errang er bei einem Wettbewerb den Titel Bester Singeklub der Grenztruppen. Erst gaben wir stets ein einstudiertes Programm zum Besten und dann spielten wir Tanzmusik, sagt er. Da Rhythmus X jedoch nicht immer zu offiziellen Anlässen bzw. auf Befehl sondern mit viel Eigeninitiative auftrat, wurde Kukki und seinem Singeklub 1973 ein absolutes Spielverbot erteilt. Darauf gründete er die zivile Band Tarantella.
Der damaligen Politbürokandidatin Inge Lange hatte er es schließlich zu verdanken, dass der beliebte Singeklub schon bald wieder auferstehen konnte. Sie hatte Kukki und seine Mitstreiter bei einem Besuch in Ilsenburg gehört und setzte ihren Wunsch bei der widerstrebenden Generalität durch. Damit wurde ein noch größerer Höhenflug für Rhythmus X eingeläutet: Auftritte bei Staatsjagten vor höchsten Parteichargen und sogar gemeinsam mit der Gruppe Electra in der Kongresshalle folgten. Für besonderes Aufsehen sorgten insbesondere die Auftritte in alten preußischen Ulanen-Uniformen.
Ab 1976 war Kukki Kulturoffizier beim Grenzausbildungsregiment Halberstadt und trat mit fünf Soldaten landauf, landab vor Dutzenden Truppenteilen der Grenzer auf.
Nach seinem militärischen Abschied im Range eines Majors 1984 war er zwei Jahre lang im Organisationsbüro zur Vorbereitung und Durchführung der Arbeiterfestspiele 1986 in Wernigerode tätig und machte sich 1987 als Taxiunternehmer selbstständiig. Zu diesem Zeitpunkt führte er bereits seit drei Jahren die Band Galaxis, die mit der Sonderstufe, und damit in der höchstmöglichen Qualitätskategorie spielte und zudem als Hervorragendes Tanzorchester der DDR ausgezeichnet wurde. Mit dieser Band verdienten wir richtig Geld. Ich konnte viele Beziehungen aufbauen und hatte keine Probleme, auch an damals rare Produkte heranzukommen, denkt Kukki zurück.
Nach dem Fall der Mauer war der spätere Erbsensuppenkönig der erste Taxifahrer Elends mit einem Mercedes und Funkausrüstung und sollte dafür wegen geschäftsschädigenden Verhaltens aus der Wernigeröder Taxigenossenschaft ausgeschlossen werden.
Mit dem Verschenken von vier Taxikonzessionen seiner eigenen, anschließend ebenfalls in Wernigerode gegründeten Taxigenossenschaft und dem Aufbau eines Kiosks am Elender Waldbad, trat Kukki schließlich in eine für ihn ganz neue Ära ein. Denn von nun an bestimmte die Gastronomie sein Leben. Als erster im damaligen Landkreis erhielt er einen Kredit über sage und schreibe 90.000 DM und erzeugte mit den Produkten aus einer ersten richtigen Fritteuse unglaubliche Menschenschlangen.
Im November jenen Jahres setzte der findige Unternehmer mit der Eröffnung der Gaststätte Waldbadschenke in seinem Heimatort wiederum neue gastronomische Maßstäbe. Seit 2000 befindet sie sich im Besitz von Kukkis Tochter Anett.
Der Idee zum Einsatz der ersten Gulaschkanone liegt ein spektakulärer Verkehrsunfall zugrunde: Auf einer Fahrt von Braunlage nach Elend überfuhr der Unternehmer einen Hirsch, den er schließlich kaufte und zu vermarkten trachtete. So bestand die erste Füllung von Kukkis Gulaschlanone aus Hochharzer Hirschgulasch, den er in Elend ganz direkt auf Tellern zur damaligen Jagdtrophäenschau 1991 verkaufte.
Auf den April des Jahres 1991 datiert die erste in seiner Gaststätte aus frischen Zutaten gekochte Erbsensuppe, die er aus einer an der Straße nach Königshütte aufgestellten Gulaschkanone an hungrige Autofahrer und Wanderer austeilte. Damit war die legendäre Kukki’s Original Erbsensuppe geboren.
Der Bedarf wuchs übrigens derart schnell, dass sich Kukki genötigt sah, vom ehemaligen Hubschrauberlandeplatz Nordhausen zwei armeegrüne LO‘s mit je einer weiteren Gulaschkanone im Schlepptau zu organisieren: Da dachten die Leute hier doch glatt, ich wollte die Elender Grenzkompanie wieder aufbauen, lacht er.
Seit 1992 müssen auch die Besucher Drei-Annen-Hohnes und die Nutzer der Straße Elend-Braunlage nicht mehr auf Kukkis Erbsensuppe verzichten. 365 Tage im Jahr stehen dort Gulaschkanonen aus Elend unter Dampf.
Insgesamt bereiten die zehn festangestellten Kukkijaner in zehn Gulaschkanonen Erbsensuppe für die Befüllung von Büchsen und in zwei für den Straßenverkauf. Dabei kann der Kunde zwischen Einliter- und Fünfliter (Party-)büchsen wählen. Während des Sommers betreibt Kukki sogar einen exklusiven Lieferservice für Grill- und Gartenpartys aller Art im Umkreis von rund 100 Kilometern. Nicht zuletzt gehört das schmackhafte Elender Elixier seit Jahren zum festen Warensortiment der Ketten Edeka, NP, Rewe, Real und Metro – übrigens auch im Landkreis Nordhausen.
Der Elender Unternehmer, der 1996 von Wernigerode in das Harzstädtchen zog, macht auch überhaupt keinen Hehl daraus, dass seine Erbsensuppe üblicherweise die teuerste in den Regalen ist. Aber auf Grund ihrer traditionellen Herstellung und Qualität die meist verkaufteste!, ergänzt er. Neben diesem wichtigsten Produkt aus dem Hause Kukki können sich die Kunden übrigens auch Wildgulasch, geräucherten Fisch, Bockwurst und Knacker munden lassen. Für den Gulasch holt der Elender mehrmals pro Jahr höchstpersönlich Original-Zutaten aus Ungarn in den Harz.
Seit einigen Jahren führt der Sohn des Firmeninhabers René die Geschäfte.
Wer denkt, Kukki sei mit alldem ausgelastet, der irrt: Denn auch die Pension Harzhaus in Elend gehört zu seinem Unternehmen. Und nicht zuletzt ist der seit 1964 mit Heidemarie Kurkiewicz verheiratete Unternehmer Organisator der Walpurgisfeier, des Osterfeuers, des Waldbadfestes und des von ihm initiierten Skikjörings in dem Harzort. Bei letzterem Gaudi können sich Skifahrer wahlweise u.a. von Geländewagen, Motorschlitten und anderem ziehen lassen.
Zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen des 70-jährigen zählt übrigens das Reisen in ferne Länder. Tahiti, Mittelamerika, Mauritius….Kukki hat schon viel von der Welt gesehen. Übrigens ließ der Elender Unternehmer einst den Kapitän des Kreuzfahrtschiffes Hanseatic seine Erbsensuppe kosten. Sie mundete dem Seefahrer so sehr, dass er beschloss, seinen Urlaub im Harzhaus der Familie zu verbringen, zum einen, um den Hexenstieg zu erwandern, aber natürlich auch, um täglich die einzigartige Erbsensuppe aus Elend genießen zu können. Die Prominenten, die schon meine Suppe gegessen haben, bekomme ich auf die Schnelle gar nicht zusammen!, schmunzelt Kukki.
Seinen Spitznamen erhielt er übrigens vor Jahrzehnten von den Fans seiner musikalischen Auftritte. Kukki ist ebenso wie der Lederhut mein Markenzeichen, Kukki war ich, bin ich und so werde ich am liebsten angesprochen, sagt er.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzKukki’s Orginal Erbsensuppe
38875 Elend / Harz; Internet: www.kukki.deMit der Zahl 60.000 ist für Jürgen-Otto Kurkiewicz das unternehmerische Glück seines Lebens verbunden. Aber nicht etwa 60.000 D-Mark, Euro oder Dollar, sondern 60.000 Büchsen von Kukki’s Original Erbsensuppe aus Elend im Harz. Anfang der 90er Jahre hatte der am 21.11.1941 in Groß-Quenstädt geborene Geschäftsmann gegenüber einem Fernsehsender von einem Vertragsabschluss über eben diese Anzahl an Büchsen berichtet, die er in Kürze an den deutschen Spezialitätenhändler Stuhlmüller nach Los Angeles/USA liefern würde. Bereits seit Ostern 1991 verkaufte er zu diesem Zeitpunkt seine Erbsensuppe aus einer an der Straße Elend-Königshütte stationierten Gulaschkanone.
Kaum war die Meldung über den real gar nicht bestehenden Vertragsabschluss über die 60.000 Büchsen in der Welt, sagte sich das ZDF in Elend an, um live von dem Suppenkoch und seinem großen Deal zu berichten. Kukki geriet damit in gewisse Schwierigkeiten, verfügte er doch zum damaligen Zeitpunkt nur über gerade einmal drei Gulaschkanonen und noch nicht einmal über eine für die Massenproduktion von 60.000 Büchsen geeignete Großküche. Schnell kaufte er 15 Gulaschkanonen zusammen, baute sich aus mehreren Garagen eine Küche auf und erhielt erst jetzt die Zusage von dem tatsächlich existierenden Geschäftspartner in Palm Springs über die Abnahme von 60.000 Büchsen von Kukki’s Original Erbsensuppe.
Den Amerikaner hatte Kukki 1992 während einer Reise nach Honduras kennengelernt. Das ZDF-Team kam, blendete eine am Broadway installierte Werbetafel für die Suppe ein und machte das Markenprodukt aus Elend auf einen Schlag weltbekannt.
Das, was einst mit einer einzigen Gulaschkanone begann, ist heute ein florierendes Unternehmen mit mehreren, 365 Tage im Jahr betriebenen Gulaschkanonen (so an der Straße Elend-Braunlage und in Drei Annen Hohne) sowie einem Großversand an Abnehmer in Deutschland, Europa und Übersee. Kukki und seine 15 ausschließlich gut bezahlten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind stolz darauf, dass die verwendeten Erbsen in der Region (Harsleben) angebaut, dass sie eingeweicht und vor Ort in Elend gekocht werden – ohne Konservierungsstoffe, aber mit natürlichen Gewürzen.
Kukkis Lebensgeschichte indes hatte vor der Wende eher wenig mit Erbsensuppe denn mit den DDR-Grenztruppen und vor allem mit Musik zu tun – aber stets auch mit einem Geschäftssinn, der ihm offenbar in die Wiege gelegt worden war:
Seine Familie väterlicherseits stammt aus Polen. Kukki bezeichnet seinen Großvater Johann Kurkiewicz als alten polnischen Landadel. Sein Vater Otto Kurkiewicz fiel 1944 mit gerade einmal 34 Jahren bei Königsberg. Kukki wuchs bei seiner Oma auf, kellnerte bereits als Junge in einer benachbarten Gaststätte und verdiente sich durch den Verkauf von mit eigenen Fallen gefangenen Hamstern schon damals ein erkleckliches Taschengeld.
Bis zu 200 Hamster am Tag, das Stück für 2 Mark, führte er der Volkswirtschaft zu und handelte außerdem mit dem hochwertigen, von den Hamstern in ihren Bauen gebunkerten Getreide, ja auch mit Erbsen, die er bei ihnen fand. Als 13-jähriger widmete er sich bei Lok Halberstadt vor allem dem Wintersport und trat in Harsleben in eine Jodlergruppe ein – ein sehr zukunftsweisender Schritt, wie sich alsbald zeigen sollte. Im RAW Halberstadt absolvierte Kukki von 1956 bis 1959 auf Wunsch seiner Mutter eine Lehre zum Betriebsschlosser und ging anschließend freiwillig zur Deutschen Grenzpolizei, den späteren DDR-Grenztruppen.
Im Zuge dessen kam er 1959 als 17-jähriger Soldat nach Elend, wo er bis heute der wohl bekannteste Einwohner ist. Lauscht man Kukkis Erzählungen, dann standen die folgenden Jahrzehnte bis zur Wende bei ihm weniger im Zeichen des Schutzes des einstigen antifaschistischen Schutzwalls, als vielmehr der Musik und unzähliger Auftritte vor Soldaten und höchsten militärischen und politischen Vertretern der Staatsmacht.
Bereits als Offiziersschüler in Plauen lernte er das Gitarrespielen, trat in einen Soldatenchor ein und verzauberte als junger Grenzer gemeinsam mit einem Kameraden die Urlauber in den Ferienheimen rund um Elend und Schierke unter Darbietung von nicht immer staatskonformen Gesangstiteln. Gerade diese haben die Leute aber besonders gern gehört, schmunzelt er, - nur eben die oftmals höheren Offiziere nicht, die sich ebenfalls oft in den Ferienheimen aufhielten.
Nach einer Strafversetzung zum Ilsenburger Standort der Grenztruppen gründete er dort die Suental-Combo, wegen einer weiteren Strafversetzung infolge musikbedingter Abwesenheit vom Dienst in Blankenburg eine weitere und bis zum Ablegen der Uniform 1984 sage und schreibe insgesamt 30 Bands.
Für DDR-weites Aufsehen sorgte Kukki insbesondere mit seinem Singeklub Rhythmus X, den er im Vorfeld der X. Weltfestspiele 1972 in Berlin gegründet hatte. Mit bis zu zehn Soldaten und mehreren gesangs- und tanzfreudigen Ilsenburger Mädels errang er bei einem Wettbewerb den Titel Bester Singeklub der Grenztruppen. Erst gaben wir stets ein einstudiertes Programm zum Besten und dann spielten wir Tanzmusik, sagt er. Da Rhythmus X jedoch nicht immer zu offiziellen Anlässen bzw. auf Befehl sondern mit viel Eigeninitiative auftrat, wurde Kukki und seinem Singeklub 1973 ein absolutes Spielverbot erteilt. Darauf gründete er die zivile Band Tarantella.
Der damaligen Politbürokandidatin Inge Lange hatte er es schließlich zu verdanken, dass der beliebte Singeklub schon bald wieder auferstehen konnte. Sie hatte Kukki und seine Mitstreiter bei einem Besuch in Ilsenburg gehört und setzte ihren Wunsch bei der widerstrebenden Generalität durch. Damit wurde ein noch größerer Höhenflug für Rhythmus X eingeläutet: Auftritte bei Staatsjagten vor höchsten Parteichargen und sogar gemeinsam mit der Gruppe Electra in der Kongresshalle folgten. Für besonderes Aufsehen sorgten insbesondere die Auftritte in alten preußischen Ulanen-Uniformen.
Ab 1976 war Kukki Kulturoffizier beim Grenzausbildungsregiment Halberstadt und trat mit fünf Soldaten landauf, landab vor Dutzenden Truppenteilen der Grenzer auf.
Nach seinem militärischen Abschied im Range eines Majors 1984 war er zwei Jahre lang im Organisationsbüro zur Vorbereitung und Durchführung der Arbeiterfestspiele 1986 in Wernigerode tätig und machte sich 1987 als Taxiunternehmer selbstständiig. Zu diesem Zeitpunkt führte er bereits seit drei Jahren die Band Galaxis, die mit der Sonderstufe, und damit in der höchstmöglichen Qualitätskategorie spielte und zudem als Hervorragendes Tanzorchester der DDR ausgezeichnet wurde. Mit dieser Band verdienten wir richtig Geld. Ich konnte viele Beziehungen aufbauen und hatte keine Probleme, auch an damals rare Produkte heranzukommen, denkt Kukki zurück.
Nach dem Fall der Mauer war der spätere Erbsensuppenkönig der erste Taxifahrer Elends mit einem Mercedes und Funkausrüstung und sollte dafür wegen geschäftsschädigenden Verhaltens aus der Wernigeröder Taxigenossenschaft ausgeschlossen werden.
Mit dem Verschenken von vier Taxikonzessionen seiner eigenen, anschließend ebenfalls in Wernigerode gegründeten Taxigenossenschaft und dem Aufbau eines Kiosks am Elender Waldbad, trat Kukki schließlich in eine für ihn ganz neue Ära ein. Denn von nun an bestimmte die Gastronomie sein Leben. Als erster im damaligen Landkreis erhielt er einen Kredit über sage und schreibe 90.000 DM und erzeugte mit den Produkten aus einer ersten richtigen Fritteuse unglaubliche Menschenschlangen.
Im November jenen Jahres setzte der findige Unternehmer mit der Eröffnung der Gaststätte Waldbadschenke in seinem Heimatort wiederum neue gastronomische Maßstäbe. Seit 2000 befindet sie sich im Besitz von Kukkis Tochter Anett.
Der Idee zum Einsatz der ersten Gulaschkanone liegt ein spektakulärer Verkehrsunfall zugrunde: Auf einer Fahrt von Braunlage nach Elend überfuhr der Unternehmer einen Hirsch, den er schließlich kaufte und zu vermarkten trachtete. So bestand die erste Füllung von Kukkis Gulaschlanone aus Hochharzer Hirschgulasch, den er in Elend ganz direkt auf Tellern zur damaligen Jagdtrophäenschau 1991 verkaufte.
Auf den April des Jahres 1991 datiert die erste in seiner Gaststätte aus frischen Zutaten gekochte Erbsensuppe, die er aus einer an der Straße nach Königshütte aufgestellten Gulaschkanone an hungrige Autofahrer und Wanderer austeilte. Damit war die legendäre Kukki’s Original Erbsensuppe geboren.
Der Bedarf wuchs übrigens derart schnell, dass sich Kukki genötigt sah, vom ehemaligen Hubschrauberlandeplatz Nordhausen zwei armeegrüne LO‘s mit je einer weiteren Gulaschkanone im Schlepptau zu organisieren: Da dachten die Leute hier doch glatt, ich wollte die Elender Grenzkompanie wieder aufbauen, lacht er.
Seit 1992 müssen auch die Besucher Drei-Annen-Hohnes und die Nutzer der Straße Elend-Braunlage nicht mehr auf Kukkis Erbsensuppe verzichten. 365 Tage im Jahr stehen dort Gulaschkanonen aus Elend unter Dampf.
Insgesamt bereiten die zehn festangestellten Kukkijaner in zehn Gulaschkanonen Erbsensuppe für die Befüllung von Büchsen und in zwei für den Straßenverkauf. Dabei kann der Kunde zwischen Einliter- und Fünfliter (Party-)büchsen wählen. Während des Sommers betreibt Kukki sogar einen exklusiven Lieferservice für Grill- und Gartenpartys aller Art im Umkreis von rund 100 Kilometern. Nicht zuletzt gehört das schmackhafte Elender Elixier seit Jahren zum festen Warensortiment der Ketten Edeka, NP, Rewe, Real und Metro – übrigens auch im Landkreis Nordhausen.
Der Elender Unternehmer, der 1996 von Wernigerode in das Harzstädtchen zog, macht auch überhaupt keinen Hehl daraus, dass seine Erbsensuppe üblicherweise die teuerste in den Regalen ist. Aber auf Grund ihrer traditionellen Herstellung und Qualität die meist verkaufteste!, ergänzt er. Neben diesem wichtigsten Produkt aus dem Hause Kukki können sich die Kunden übrigens auch Wildgulasch, geräucherten Fisch, Bockwurst und Knacker munden lassen. Für den Gulasch holt der Elender mehrmals pro Jahr höchstpersönlich Original-Zutaten aus Ungarn in den Harz.
Seit einigen Jahren führt der Sohn des Firmeninhabers René die Geschäfte.
Wer denkt, Kukki sei mit alldem ausgelastet, der irrt: Denn auch die Pension Harzhaus in Elend gehört zu seinem Unternehmen. Und nicht zuletzt ist der seit 1964 mit Heidemarie Kurkiewicz verheiratete Unternehmer Organisator der Walpurgisfeier, des Osterfeuers, des Waldbadfestes und des von ihm initiierten Skikjörings in dem Harzort. Bei letzterem Gaudi können sich Skifahrer wahlweise u.a. von Geländewagen, Motorschlitten und anderem ziehen lassen.
Zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen des 70-jährigen zählt übrigens das Reisen in ferne Länder. Tahiti, Mittelamerika, Mauritius….Kukki hat schon viel von der Welt gesehen. Übrigens ließ der Elender Unternehmer einst den Kapitän des Kreuzfahrtschiffes Hanseatic seine Erbsensuppe kosten. Sie mundete dem Seefahrer so sehr, dass er beschloss, seinen Urlaub im Harzhaus der Familie zu verbringen, zum einen, um den Hexenstieg zu erwandern, aber natürlich auch, um täglich die einzigartige Erbsensuppe aus Elend genießen zu können. Die Prominenten, die schon meine Suppe gegessen haben, bekomme ich auf die Schnelle gar nicht zusammen!, schmunzelt Kukki.
Seinen Spitznamen erhielt er übrigens vor Jahrzehnten von den Fans seiner musikalischen Auftritte. Kukki ist ebenso wie der Lederhut mein Markenzeichen, Kukki war ich, bin ich und so werde ich am liebsten angesprochen, sagt er.
Bodo Schwarzberg
