Vernichtet durch Gipsabbau (4)
Montag, 24. September 2012, 06:37 Uhr
In der Reihe Vernichtet durch Gipsabbau möchte Bodo Schwarzberg einige Pflanzenarten vorstellen, deren Standorte durch den Gipsabbau zerstört wurden. Das Ziel dieser Beiträge ist es vor allem, aufzuzeigen, was uns bereits an Vielfalt durch den Bergbau verloren ging und was noch verloren gehen könnte...
Die meisten anderen Ursachen, die zum Verlust von Standorten führten oder führen, wie zum Beispiel fehlende Beweidung, lassen sich durch bestimmte Erhaltungsmaßnahmen anderweitig auffangen. Die Zerstörungen durch den Gipsabbau aber waren und sind dermaßen nachhaltig, dass viele Arten keine geeigneten Lebensbedingungen mehr finden können. Eine Jahrmillionen alte Landschaft und ihre Zerstörung ist nicht ausgleichbar, auch wenn sich der Mensch, resp. die Gipsindustrie, gern andere Behauptungen anmaßt.
In diesem Zusammenhang stören mich vor allem der opportunistische Umgang vieler Verantwortlicher mit dem Thema Gipsabbau und die Versuche, öffentliche Äußerungen dazu in gewisser Weise zu unterbinden, wie ich selbst erfahren musste. Lesen Sie heute ein kleines Porträt des
Gewöhnlichen Nadelröschen (Fumana procumbens)
Sonnige Hügel, auf Gyps oder Kalk, schrieben die Botaniker VOCKE & ANGELRODT 1886 in ihrer Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend, zu den von Nadelröschen bevorzugten Standorten. Und gleich dahinter steht: Nordseite des Kohnstein, in der Mergelkule, selten. Die zur Familie der Cistrosengewächse gehörende Art siedelt heute a noch stellenweise im Alten Stolberg und im Raum Woffleben. Früher war sie laut Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens von KORSCH, WESTHUS & ZÜNDORF 2002 im Gebiet weiter verbreitet.
Der Kyffhäuser bildet mit seinen besonderen klimatischen und geologischen Verhältnissen auch gegenwärtig noch ein wichtiges deutsches Verbreitungszentrum. Dort ist sie zerstreut anzutreffen.
Dass die laut floraweb.de zentraleuropaweit gefährdete Art heute an der Nordseite des Kohnstein nicht mehr vorkommen kann, ist aus Richtung Niedersachswerfen oder Woffleben auch für Laien unschwer zu erkennen. Der Gipsabbau hat auch einen Standort dieser Art auf dem Gewissen. Der Nordhang des Kohnsteins gehörte noch vor etwa einem halben Jahrhundert zu den artenreichsten Landschaftsausschnitten im Landkreis.
Das Gewöhnliche Sonnenröschen ist den wenigen Zwergsträuchern unserer Florazu zurechnen, verfügt also über dünne, aber doch verholzte Zweige. Diese liegen dem Boden mitunter fast an oder steigen etwas auf, ohne der Pflanze jedoch die Physiognomie eines typischen, mehr oder weniger senkrecht stehenden, üblichen Strauches zu geben. Die Beblätterung ist nadelförmig, was wohl als Anpassung an die von der Art bevorzugten, sehr trockenen Standorte gewertet werden kann.
Die wunderschönen fünfzähligen Blüten öffnen sich meist nur bei sonnigem Wetter und leuchten in einem auffallend grellen Gelb, das mich persönlich immer etwas an die Blütenfarbe des Frühlings-Adonisröschens erinnert. Allerdings sind sie mit einem Durchmesser von vielleicht 2-2,5 cm bedeutend kleiner.
Außerhalb der von Juni bis August währenden Blütezeit ist das Sonnenröschen an seinen Standorten, lückige, stets südexponierte Trockenrasen und Felsfluren, eher unscheinbar. Es gilt, wie bereits beschrieben, als Trockenheits- bis Starktrockenheitszeiger (floraweb.de), benötigt zum optimalen Gedeihen volle, das heißt möglichst ganztägig Sonnenexposition und zeigt ausgesprochen stickstoffarme Standorte an. Daraus ergeben sich die Gefährungsursachen: Durch den zunehmenden Stickstoffeintrag werden höhere, konkurrenzstarke Arten gefördert, die das Nadelröschen sprichwörtlich in den Schatten stellen. Fehlt dann auch noch an ihren Standorten, wie heute oft gegeben, die Beweidung, werden dem Nadelröschen schnell die Existenzmöglichkeiten entzogen. Empfindlich reagiert es auch auf zu starkes Betreten und Befahren.
Das Verbreitungsgebiet des Nadelröschens ist mit 100.000 bis 1 Mio. Quadratkilometern (floraweb.de) nicht all zu groß. Es erstreckt sich laut Flora Thüringen (ZÜNDORF und andere 2006) über Süd- und Mitteleuropa sowie den Kaukasus. In Deutschland befindet sich die Art als Vorposten an der Nordgrenze ihres Areals.
In Deutschland gilt sie als gefährdet (siehe floraweb.de) mit regional stärkerer Gefährdung, in der Mehrzahl der sieben Bundesländern, in denen sie nachgewiesen wurde, als stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht (Thüringen: stark gefährdet (KORSCH & WESTHUS 2010,, Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens, erschienen im Naturschutzreport 26/2011).
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzDie meisten anderen Ursachen, die zum Verlust von Standorten führten oder führen, wie zum Beispiel fehlende Beweidung, lassen sich durch bestimmte Erhaltungsmaßnahmen anderweitig auffangen. Die Zerstörungen durch den Gipsabbau aber waren und sind dermaßen nachhaltig, dass viele Arten keine geeigneten Lebensbedingungen mehr finden können. Eine Jahrmillionen alte Landschaft und ihre Zerstörung ist nicht ausgleichbar, auch wenn sich der Mensch, resp. die Gipsindustrie, gern andere Behauptungen anmaßt.
In diesem Zusammenhang stören mich vor allem der opportunistische Umgang vieler Verantwortlicher mit dem Thema Gipsabbau und die Versuche, öffentliche Äußerungen dazu in gewisser Weise zu unterbinden, wie ich selbst erfahren musste. Lesen Sie heute ein kleines Porträt des
Gewöhnlichen Nadelröschen (Fumana procumbens)
Sonnige Hügel, auf Gyps oder Kalk, schrieben die Botaniker VOCKE & ANGELRODT 1886 in ihrer Flora von Nordhausen und der weiteren Umgegend, zu den von Nadelröschen bevorzugten Standorten. Und gleich dahinter steht: Nordseite des Kohnstein, in der Mergelkule, selten. Die zur Familie der Cistrosengewächse gehörende Art siedelt heute a noch stellenweise im Alten Stolberg und im Raum Woffleben. Früher war sie laut Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens von KORSCH, WESTHUS & ZÜNDORF 2002 im Gebiet weiter verbreitet.
Der Kyffhäuser bildet mit seinen besonderen klimatischen und geologischen Verhältnissen auch gegenwärtig noch ein wichtiges deutsches Verbreitungszentrum. Dort ist sie zerstreut anzutreffen.
Dass die laut floraweb.de zentraleuropaweit gefährdete Art heute an der Nordseite des Kohnstein nicht mehr vorkommen kann, ist aus Richtung Niedersachswerfen oder Woffleben auch für Laien unschwer zu erkennen. Der Gipsabbau hat auch einen Standort dieser Art auf dem Gewissen. Der Nordhang des Kohnsteins gehörte noch vor etwa einem halben Jahrhundert zu den artenreichsten Landschaftsausschnitten im Landkreis.
Das Gewöhnliche Sonnenröschen ist den wenigen Zwergsträuchern unserer Florazu zurechnen, verfügt also über dünne, aber doch verholzte Zweige. Diese liegen dem Boden mitunter fast an oder steigen etwas auf, ohne der Pflanze jedoch die Physiognomie eines typischen, mehr oder weniger senkrecht stehenden, üblichen Strauches zu geben. Die Beblätterung ist nadelförmig, was wohl als Anpassung an die von der Art bevorzugten, sehr trockenen Standorte gewertet werden kann.
Die wunderschönen fünfzähligen Blüten öffnen sich meist nur bei sonnigem Wetter und leuchten in einem auffallend grellen Gelb, das mich persönlich immer etwas an die Blütenfarbe des Frühlings-Adonisröschens erinnert. Allerdings sind sie mit einem Durchmesser von vielleicht 2-2,5 cm bedeutend kleiner.
Außerhalb der von Juni bis August währenden Blütezeit ist das Sonnenröschen an seinen Standorten, lückige, stets südexponierte Trockenrasen und Felsfluren, eher unscheinbar. Es gilt, wie bereits beschrieben, als Trockenheits- bis Starktrockenheitszeiger (floraweb.de), benötigt zum optimalen Gedeihen volle, das heißt möglichst ganztägig Sonnenexposition und zeigt ausgesprochen stickstoffarme Standorte an. Daraus ergeben sich die Gefährungsursachen: Durch den zunehmenden Stickstoffeintrag werden höhere, konkurrenzstarke Arten gefördert, die das Nadelröschen sprichwörtlich in den Schatten stellen. Fehlt dann auch noch an ihren Standorten, wie heute oft gegeben, die Beweidung, werden dem Nadelröschen schnell die Existenzmöglichkeiten entzogen. Empfindlich reagiert es auch auf zu starkes Betreten und Befahren.
Das Verbreitungsgebiet des Nadelröschens ist mit 100.000 bis 1 Mio. Quadratkilometern (floraweb.de) nicht all zu groß. Es erstreckt sich laut Flora Thüringen (ZÜNDORF und andere 2006) über Süd- und Mitteleuropa sowie den Kaukasus. In Deutschland befindet sich die Art als Vorposten an der Nordgrenze ihres Areals.
In Deutschland gilt sie als gefährdet (siehe floraweb.de) mit regional stärkerer Gefährdung, in der Mehrzahl der sieben Bundesländern, in denen sie nachgewiesen wurde, als stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht (Thüringen: stark gefährdet (KORSCH & WESTHUS 2010,, Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens, erschienen im Naturschutzreport 26/2011).
Bodo Schwarzberg


