nnz-Forum: Gespräch mit den Wirten
Samstag, 22. September 2012, 08:41 Uhr
nnz-Autor Bodo Schwarzberg ist in diesen Tagen wieder viel unterwegs. Er bereitet die Herausgabe seines neuen Buches vor. Von einer Begegnung mit einem besonderen Gastwirt und einem besonderen Ort berichtet Schwarzberg heute...
Als großer Freund der Harzer Gastronomie habe ich im Rahmen meiner Gespräche für die Buchreihe "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" schon eine ganze Anzahl traditionsreicher Gaststätten und Pensionen aufgesucht, so das Braunsteinhaus, das Hufhaus, den Burggasthof Hohnstein, die Ziegenalm und den Braunen Hirsch in Sophienhof und das Gasthaus Zur Sägemühle im Landkreis Nordhausen (Auswahl).
Für den im Spätherbst 2013 erscheinenden zweiten Band führe ich gegenwärtig, dem Titel des Buches entsprechend, auch Gespräche im sachsen-anhaltischen Harz. Zu Wort kommen sollen darin natürlich auch der legendäre Brocken-Benno und der vielleicht beklannteste Harzer Gastronom, der Brocken-Wirt.
Bei ihm weilte ich in dieser Woche: Im Hotel Brockenscheideck traf ich mich mit Hans Steinhoff und seinem Sohn Daniel. Mir persönlich war dieses Treffen aus mehreren Gründen wichtig: Der Brocken eint mit seiner Strahlkraft in gewisser Weise den in drei Bundesländer zerschnittenen Harz. Zweitens hatten die Brockenwirte schon immer einen Sonderstatus, ja einen Markencharakter. Ganze 13 gab es übrigens bisher, bezogen auf mehrere Jahrhunderte. Drittens: Der Brocken ist literarisch, also auf Grund von Goethes "Faust" und Heines "Harzreise" der vielleicht deutscheste aller deutschen Berge und wegen seiner exponierten Lage meteorologisch, geografisch und biologisch gesehen ein Unikat.
Und das auch historisch gesehen: Auf dem Berg war die deutsche Teilung wohl mindestens ebenso schmerzlich spürbar, wie in Berlin. Der Berggipfel erlebte am 3.12.1989, seiner Bedeutung entsprechend, seinen eigenen, volksbewegten Mauerfall.
Mein Großvater schwärmte von den urigen Silvesterfeiern der 50er Jahre auf dem Brocken und von denen, die damals dort gastronomisch das Zepter führten. Die von ihm erzählten Geschichten mischten sich im Gespräch mit dem Wissen und den Erfahrungen der Steinhoffs - Erfahrungen einer alten und vor allem neuen Zeit.
Der Brocken und seine Geschichte soll im zweiten Band der Reihe "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" möglicherweise einen Schwerpunkt bilden. Ich möchte Menschen kennenlernen, deren Leben in irgendeiner Weise mit dem Berg und seiner bunt-dramatischen Vergangenheit verbunden ist - unabhängig von ihrer politischen Vergangenheit.
Nach dem zweistündigen Interview zog es mich selbst noch einmal hinauf. Denn was ist ein Gespräch mit Brockenwirten ohne den Brocken! Obwohl ich keinerlei Wanderausrüstung bei mir hatte, stieg ich gegen 17:25 kurzentschlossen los, um Strecke zu sparen über den ehemaligen Kabellweg. Nur drei Minuten weilte ich auf dem Gipfel und war nach weniger als zwei Stunden, unter Begehung des Eckerloches, schon wieder in Schierke - noch vor dem Sonnenuntergang um 19:16.
Die Zeit war gut gewählt: Ganze sechs Wanderer traf ich unterwegs. Und ein Teil der Brockengastronomie, eine der wohl letzten deutschen Bahnhofsgaststätten, eben jene auf dem Brocken, schießt um 17 Uhr. Der Berg ohne Brockenwirte (außer im Brockenhotel) - leergefegt (siehe Bild).
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzAls großer Freund der Harzer Gastronomie habe ich im Rahmen meiner Gespräche für die Buchreihe "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" schon eine ganze Anzahl traditionsreicher Gaststätten und Pensionen aufgesucht, so das Braunsteinhaus, das Hufhaus, den Burggasthof Hohnstein, die Ziegenalm und den Braunen Hirsch in Sophienhof und das Gasthaus Zur Sägemühle im Landkreis Nordhausen (Auswahl).
Für den im Spätherbst 2013 erscheinenden zweiten Band führe ich gegenwärtig, dem Titel des Buches entsprechend, auch Gespräche im sachsen-anhaltischen Harz. Zu Wort kommen sollen darin natürlich auch der legendäre Brocken-Benno und der vielleicht beklannteste Harzer Gastronom, der Brocken-Wirt.
Bei ihm weilte ich in dieser Woche: Im Hotel Brockenscheideck traf ich mich mit Hans Steinhoff und seinem Sohn Daniel. Mir persönlich war dieses Treffen aus mehreren Gründen wichtig: Der Brocken eint mit seiner Strahlkraft in gewisser Weise den in drei Bundesländer zerschnittenen Harz. Zweitens hatten die Brockenwirte schon immer einen Sonderstatus, ja einen Markencharakter. Ganze 13 gab es übrigens bisher, bezogen auf mehrere Jahrhunderte. Drittens: Der Brocken ist literarisch, also auf Grund von Goethes "Faust" und Heines "Harzreise" der vielleicht deutscheste aller deutschen Berge und wegen seiner exponierten Lage meteorologisch, geografisch und biologisch gesehen ein Unikat.
Und das auch historisch gesehen: Auf dem Berg war die deutsche Teilung wohl mindestens ebenso schmerzlich spürbar, wie in Berlin. Der Berggipfel erlebte am 3.12.1989, seiner Bedeutung entsprechend, seinen eigenen, volksbewegten Mauerfall.
Mein Großvater schwärmte von den urigen Silvesterfeiern der 50er Jahre auf dem Brocken und von denen, die damals dort gastronomisch das Zepter führten. Die von ihm erzählten Geschichten mischten sich im Gespräch mit dem Wissen und den Erfahrungen der Steinhoffs - Erfahrungen einer alten und vor allem neuen Zeit.
Der Brocken und seine Geschichte soll im zweiten Band der Reihe "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" möglicherweise einen Schwerpunkt bilden. Ich möchte Menschen kennenlernen, deren Leben in irgendeiner Weise mit dem Berg und seiner bunt-dramatischen Vergangenheit verbunden ist - unabhängig von ihrer politischen Vergangenheit.
Nach dem zweistündigen Interview zog es mich selbst noch einmal hinauf. Denn was ist ein Gespräch mit Brockenwirten ohne den Brocken! Obwohl ich keinerlei Wanderausrüstung bei mir hatte, stieg ich gegen 17:25 kurzentschlossen los, um Strecke zu sparen über den ehemaligen Kabellweg. Nur drei Minuten weilte ich auf dem Gipfel und war nach weniger als zwei Stunden, unter Begehung des Eckerloches, schon wieder in Schierke - noch vor dem Sonnenuntergang um 19:16.
Die Zeit war gut gewählt: Ganze sechs Wanderer traf ich unterwegs. Und ein Teil der Brockengastronomie, eine der wohl letzten deutschen Bahnhofsgaststätten, eben jene auf dem Brocken, schießt um 17 Uhr. Der Berg ohne Brockenwirte (außer im Brockenhotel) - leergefegt (siehe Bild).
Bodo Schwarzberg

