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nnz-Forum: Wo ist "vor Ort"?

Donnerstag, 13. September 2012, 12:04 Uhr
Christoph Schneider ist nicht nur ein aufmerksamer Leser der nnz, sondern auch öfter mit dem Fahrrad unterwegs. Am Sonntag radelte der Mann an den Kiesteichen entlang und machte eine unangenehme Entdeckung...

Liegt vermutlich auch heute noch dort. (Foto: privat) Liegt vermutlich auch heute noch dort. (Foto: privat)

Als ich am Sonntag (9. September) mit dem Fahrrad entlang der Bahnlinie an den Kiesteichen spazieren fuhr, fiel mir auf Höhe Berbisleben, illegal entsorgter Müll auf. Dort hatte sich wohl jemand seines Kühlschrank´s, sowie Farbdosen, einer Badewanne, Hausmüll und Bauschutt entsorgt. So etwas muss doch gemeldet werden, dachte ich! Nur bei wem?

Mein erster Gedanke war das Nordhäuser Ordnungsamt! Gesagt getan, gleich am nächsten Morgen, am Montag (10. September) rief ich bei dieser Behörde an. Nachdem das Telefon fast zwei Minuten klingelte, ging doch tatsächlich jemand dran um mich weiter zu verbinden. Nun an der richtigen Stelle dachte ich und schilderte kurz mein Anliegen. Doch was musste ich hören? Mein Gesprächspartner, eine "freundliche" Frau, teilte mir in einem ebenso "freundlichen" Ton mit: "Ich weiss gar nicht, wo das sein soll, da müssen sie sich an den Kreis oder die zuständige Stadt wenden. Wir sind es nicht!".

Das nenne ich ja mal nett, Knöllchen verteilen ist eben einfacher. Nach dieser Pleite versuchte ich die Zentrale des Landratsamtes zu erreichen, doch da wollte wohl niemand ans Telefon gehen. Weder 9:03 Uhr, noch 9:42 Uhr, und auch nicht 10:05 Uhr. Vielleicht hatten sie ja Frühstückspause!? Danach rief ich das Ordnungsamt in Heringen an und siehe da, man ging an den Apparat.

Dieser nette Mitarbeiter sagte mir, daß man von dieser Mülldeponie bereits wüßte und diese Sache vor einem Monat an Frau Engmann vom Landratsamt übergeben wurde. Vor einem Monat? Dieser Mitarbeiter konnte auch die Stelle und die Art des Mülls gut beschreiben. Also ließ ich mir die Durchwahl geben und rief erneut beim Landratsamt an. Nach langem Warten meldete sich dann eine Dame am anderen Ende der Leitung und sagte mir, dass sie mich verbinden wolle. Nach drei Versuchen hatte ich dann zwar nicht Frau Engmann am Hörer, aber einen Ihren Kollegen. Dieser teilte mir mit, daß sie gerade nicht im Hause wäre, sondern bei einer Beräumung. Aber man hätte ihn bereits gewarnt, daß ich anrufe.

Man hat ihn gewarnt?! Was soll das denn heißen? Nun schilderte ich also ihm mein Anliegen und er antworte: "Ja, wir wissen von dieser Deponie und den Täter haben wir schon ermittelt. Frau Engmann ist gerade vor Ort bei der Beräumung dieses Müllberges!". Aha, was für ein Zufall! "… wir sind natürlich froh darüber, daß es aufmerksame Bürger gibt und Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, das geht alles seinen Gang.".

Das war mir allerdings etwas zu wenig, denn vier Wochen seit der Anzeige bis zur Beräumung, finde wohl nicht nur ich ganz schön lang! "Na, das müssen sie verstehen, das geht nicht von jetzt auf gleich, da muss erst ein Fahrzeug besorgt werden und wir brauchen auch Anzüge, denn man weiß ja nicht was da alles dabei ist." Aha! Nach diesem Gespräch war ich im guten Glauben das dieser Berg Müll fachgerecht entsorgt wird, denn "Frau Engmann ist ja vor Ort".

Also ich dann, am 11. September, wieder mit dem Rad unterwegs war, auf der gleichen Strecke, musste ich leider feststellen, daß sich hier nichts, aber auch gar nichts getan hat. Wo nur war Frau Engmann? Die Frau, die sich doch eigentlich "vor Ort befand". Wahrscheinlich werden wir es nie erfahren!
Christoph Schneider
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Autor: nnz

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