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nnz-Forum: Das Klagen der Ärzte

Freitag, 07. September 2012, 18:06 Uhr
Ein Leser der nnz schildert im Forum seine Erkenntnisse und Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem im allgemeinen und der kassenärztlichen Versorgung im Besonderen. Und er stellt Fragen...


Als Montagearbeiter war ich diese Woche bei einem Allgemeinmediziner am Arbeitsort wegen Schmerzen im Rücken-/Nierenbereich. Eine beginnende Nierenbeckenentzündung wurde festgestellt - das war Donnerstag. Der Arzt empfahl mir die Vorstellung beim Hausarzt in der Heimat und die Kontrolle der Blut-/Urinwerte sowie weitere Verordnung von Antibiotika.

Also bin ich am Freitag mit meinen Kollegen heim gefahren. Natürlich waren wir erst nach dem Mittag in Nordhausen und somit mein Hausarzt nicht mehr da. Dafür gibt es eben die Sprechstunde der Kassenärztlichen Vereinigung, die sich außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten um Patienten kümmert. Jeweils zwei Ärzte von allen niedergelassenen Ärzten im Landkreis haben dort Dienst, das kann mal ein HNO-Arzt, mal ein Kinderarzt, mal ein Allgemeinmediziner sein. Einer hat Sprechzeiten bekommt dafür einen Raum im Südharzkrankenhaus zur Verfügung gestellt, der andere fährt Hausbesuche. Ich als Nordhäuser also kurz vor 16 Uhr ins Krankenhaus, um mir ein Rezept zu holen und Blutbefunde eventuell kontrollieren zu lassen durch den KV-Dienst.

Das Wartezimmer füllte sich, doch kein Arzt kam. Die Schwester versuchte telefonisch jemanden zu erreichen. Nach zwei Stunden war noch keiner da. Was ich so mitbekam, Patienten sind wieder gegangen, teilweise wurde die Schwester beschimpft, obwohl sie den Arzt ja auch nicht erreichen konnte. Ich habe gehört, das auch der Verantwortliche im Landkreis, Dr.Spiller, nicht erreichbar war und wohl auch über die Leitstelle kein Entscheidungsträger erreicht wurde.

Einige Patienten, welchen es schlecht ging, haben sie dann in der Notaufnahme behandelt, obwohl die meisten gar nicht ins Krankenhaus wollten sondern nur ein Rezept und nach Hause. Rezepte darf aber die Klinik nicht ausstellen, sagte die Schwester, deshalb ja eigentlich diese Notfallsprechstunde. Andere Patienten entschieden sich wieder zu gehen und eben einen Hausbesuch anzumelden, obwohl sie ja beweglich waren. Wieder andere meinten, "ruf einfach 112 und dann kommt der Krankenwagen und fährt dich zur Notaufnahme das geht schneller und da ist wenigstens ein Arzt".

Wo sind wir in Deutschland hingekommen? Wer organisiert so ein System und wer ist verantwortlich? Kann einfach ein Arzt seinen Dienst nicht machen und dann ganz aktuell in der Presse über seine geringen Bezüge klagen?
Klaus Müller, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
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Autor: nnz

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