Felixmüller und Burghardt im Kunsthaus
Freitag, 07. September 2012, 11:16 Uhr
Wohl dem, der sich 2001 den Kunstkatalog der Stadt Nordhausen kaufte, in dem die zahlreichen Künstler, die in der Ilsetraut-Glock-Grabe-Stiftung versammelt sind, mit ihren Werken vorgestellt werden, einige auch mit Reproduktionen ihrer Bilder. Aktuelle Anmerkungen von nnz-Autorin Heidelore Kneffel...
Damals wurden die Kunstwerke in einer umfänglichen Ausstellung im Beisein von Ilsetraut Glock in der Galerie Flohburg gezeigt. Die noch bis zum 16.9.2012 im Kunsthaus Meyenburg dargebotenen Werke aus der Stiftung und deren Schöpfer kann man sich als Besucher nicht in ihrer Gesamtheit einprägen, selbst, wenn man in der Kunst nicht unvorgebildet ist. Da wäre schon eine Liste der Künstler mit ihrem gezeigten Werk hilfreich, denn zu Hause könnte man sich weiter damit beschäftigen.
In einem der oberen Räume im Kunsthaus sieht man Köpfe. Zwei davon sollen genauer vorgestellt werden. Da ist der große Holzschnitt von Conrad Felixmüller, sein Selbstbildnis mit Zeichenstift, 1927 entstanden, das dem Betrachter so manches über den Künstler mitteilt - die Staffelei, die Palette mit den Pinseln und der frisch gespitzte Bleistift in der rechten Hand dokumentieren die Künstlerschaft. Die Stirn furcht sich in drei Wellen, der Blick durch die Brillengläser ist forschend.
Werbung am Kunsthaus Meyenburg (Foto: H. Kneffel)
Der Künstler wurde 1897 in Dresden geboren, studierte dort Kunst. 1915 verlässt Felixmüller die Akademie und ist als freischaffender Künstler in Dresden tätig, hält sich aber öfter in Berlin auf. Er arbeitet an mehreren Zeitschriften mit. Sein Schaffen ist in der Frühphase vom Expressionismus geprägt, den er im sozialkritischen Sinn versteht und bald zum expressiven Realismus entwickelt. Um 1930 wandelt sich seine Art der Darstellung. Vom Thema her wendet er sich mehr dem erzählenden Bildaufbau zu, von der Form her entsteht eine ruhigere Bildsprache.
1933 wird er mit 40 Arbeiten in der Dresdner Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt. 1934 siedelt er, auf freiere Arbeitsmöglichkeiten hoffend, nach Berlin-Charlottenburg über, 1941 wird das Berliner Domizil durch Bomben zerstört, die Familie findet Aufnahme in Damsdorf in der Mark. 1944 zieht man nach Tautenhain in Sachsen. Noch im selben Jahr wird er zum Kriegsdienst einberufen, kommt kurz in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrt 1945 nach Tautenhain bei Leipzig zurück.
Zu Felixmüllers Gesamtwerk gehört die Zeichnung, die Druckgrafik in fast allen Techniken, die Malerei, es gibt auch wenige Plastiken. In seinen Werken bildet der Mensch das Hauptmotiv. Felixmüller verstand sich als sozialkritischer Künstler, viele seiner Bilder bilden Szenen des alltäglichen Lebens ab. Hohe Anerkennung fanden auch seine Porträts. So hielt er Persönlichkeiten wie Otto Dix, Friedrich Wolf, Franz Werfel oder Arnold Schönberg fest. Charakteristisches Merkmal seiner Bildnisse sind die hervorgehobene Stirn und die großen Augen, wie wir es in seinem gezeigten Selbstbildnis erkennen, in dem es keine expressive Übersteigerung seiner früheren Jahre mehr gibt.
Als Gesamtwerk hinterließ er rund 2.500 Arbeiten. In den Jahren von 1949 bis 1962 war er Professor an der Martin-Luther-Universität in Halle/Saale. Nach der Eremitierung siedelte er 1967 nach Westberlin über. Dort starb er 1977.
Mit Nordhausen verbindet der Künstler ein Briefwechsel mit dem Nordhäuser Schriftsteller Alfred Scheer (1897-1984). Unter dem Titel: Der Freund des Wortes grüßt den Meister der Farbe … erschien im 12. Jahrbuch 2005 ein Beitrag darüber. Der Briefkontakt dauerte von 1946 bis 1969 und enthält neben den privaten Mitteilungen vieles über die Zeit und ihre Kulturpolitik in Ost und West.
Im II. Teil wird der Künstler Toni Burghardt (1928-2008) aus Nürnberg mit seinem Dürerporträt vorgestellt. Die größte Dürerausstellung in Deutschland seit 40 Jahren fand bis zum 2. September 2012 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg statt. 120 Werke des Meisters waren unter dem Titel Der frühe Dürer versammelt. Mehr als 280.000 Besucher sahen die Bilderschau, die in ihren letzten Tagen Wartezeiten von bis zu fünf Stunden aufwies.
Heidelore Kneffel
Autor: nnzDamals wurden die Kunstwerke in einer umfänglichen Ausstellung im Beisein von Ilsetraut Glock in der Galerie Flohburg gezeigt. Die noch bis zum 16.9.2012 im Kunsthaus Meyenburg dargebotenen Werke aus der Stiftung und deren Schöpfer kann man sich als Besucher nicht in ihrer Gesamtheit einprägen, selbst, wenn man in der Kunst nicht unvorgebildet ist. Da wäre schon eine Liste der Künstler mit ihrem gezeigten Werk hilfreich, denn zu Hause könnte man sich weiter damit beschäftigen.
In einem der oberen Räume im Kunsthaus sieht man Köpfe. Zwei davon sollen genauer vorgestellt werden. Da ist der große Holzschnitt von Conrad Felixmüller, sein Selbstbildnis mit Zeichenstift, 1927 entstanden, das dem Betrachter so manches über den Künstler mitteilt - die Staffelei, die Palette mit den Pinseln und der frisch gespitzte Bleistift in der rechten Hand dokumentieren die Künstlerschaft. Die Stirn furcht sich in drei Wellen, der Blick durch die Brillengläser ist forschend.
Werbung am Kunsthaus Meyenburg (Foto: H. Kneffel)
Der Künstler wurde 1897 in Dresden geboren, studierte dort Kunst. 1915 verlässt Felixmüller die Akademie und ist als freischaffender Künstler in Dresden tätig, hält sich aber öfter in Berlin auf. Er arbeitet an mehreren Zeitschriften mit. Sein Schaffen ist in der Frühphase vom Expressionismus geprägt, den er im sozialkritischen Sinn versteht und bald zum expressiven Realismus entwickelt. Um 1930 wandelt sich seine Art der Darstellung. Vom Thema her wendet er sich mehr dem erzählenden Bildaufbau zu, von der Form her entsteht eine ruhigere Bildsprache. 1933 wird er mit 40 Arbeiten in der Dresdner Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt. 1934 siedelt er, auf freiere Arbeitsmöglichkeiten hoffend, nach Berlin-Charlottenburg über, 1941 wird das Berliner Domizil durch Bomben zerstört, die Familie findet Aufnahme in Damsdorf in der Mark. 1944 zieht man nach Tautenhain in Sachsen. Noch im selben Jahr wird er zum Kriegsdienst einberufen, kommt kurz in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrt 1945 nach Tautenhain bei Leipzig zurück.
Zu Felixmüllers Gesamtwerk gehört die Zeichnung, die Druckgrafik in fast allen Techniken, die Malerei, es gibt auch wenige Plastiken. In seinen Werken bildet der Mensch das Hauptmotiv. Felixmüller verstand sich als sozialkritischer Künstler, viele seiner Bilder bilden Szenen des alltäglichen Lebens ab. Hohe Anerkennung fanden auch seine Porträts. So hielt er Persönlichkeiten wie Otto Dix, Friedrich Wolf, Franz Werfel oder Arnold Schönberg fest. Charakteristisches Merkmal seiner Bildnisse sind die hervorgehobene Stirn und die großen Augen, wie wir es in seinem gezeigten Selbstbildnis erkennen, in dem es keine expressive Übersteigerung seiner früheren Jahre mehr gibt.
Als Gesamtwerk hinterließ er rund 2.500 Arbeiten. In den Jahren von 1949 bis 1962 war er Professor an der Martin-Luther-Universität in Halle/Saale. Nach der Eremitierung siedelte er 1967 nach Westberlin über. Dort starb er 1977.
Mit Nordhausen verbindet der Künstler ein Briefwechsel mit dem Nordhäuser Schriftsteller Alfred Scheer (1897-1984). Unter dem Titel: Der Freund des Wortes grüßt den Meister der Farbe … erschien im 12. Jahrbuch 2005 ein Beitrag darüber. Der Briefkontakt dauerte von 1946 bis 1969 und enthält neben den privaten Mitteilungen vieles über die Zeit und ihre Kulturpolitik in Ost und West.
Im II. Teil wird der Künstler Toni Burghardt (1928-2008) aus Nürnberg mit seinem Dürerporträt vorgestellt. Die größte Dürerausstellung in Deutschland seit 40 Jahren fand bis zum 2. September 2012 im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg statt. 120 Werke des Meisters waren unter dem Titel Der frühe Dürer versammelt. Mehr als 280.000 Besucher sahen die Bilderschau, die in ihren letzten Tagen Wartezeiten von bis zu fünf Stunden aufwies.
Heidelore Kneffel

