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Ausbildungskapazität derzeit ausgeschöpft

Donnerstag, 06. September 2012, 06:31 Uhr
Am 1. August 2012 begann mit der Vereidigung von drei Anwärtern das nunmehr achte Jahr der Realisierung des Vorbereitungsdienstes am Herder-Gymnasium in Nordhausen. Ein Bericht von Heike Roeder...

Lehramtsanwärter (Foto: H. Roeder) Lehramtsanwärter (Foto: H. Roeder)
Die derzeit am Herder-Gymnasium wirkenden Lehramtsanwärter. vorn: Stefan Kleinschmidt (Sp/Geo), Matthias Widner (D/Ge), Yves Michaelis (WR/GEO); Mitte: Michael Janke (Ma/Ph), Sarah Dornieden (Eng/Sp), Katja Scheel (D/Eng): hinten: Jochen Werner (Ge/Eng), Marita Hampel (Bio/Geo)

Seit dem Sommer 2005 wird diese „Zweite Phase der Lehrerausbildung“ hier angeboten und fußt auf dem im Jahre 2004 entwickelten und genehmigten Konzept zur „Eigenverantwortlichen und integrativen Lehrerausbildung an einer Seminarschule“. Mit dem Schuljahr 2005/06 konnten die ersten sechs Lehramtsanwärter/innen im Haus begrüßt werden. Inzwischen haben 22 junge Lehrer ihre Zweite Staatsprüfung am Herder-Gymnasium mit Erfolg abgeschlossen.

Derzeit absolvieren neun Lehramtsanwärter ihren Vorbereitungsdienst in vier Jahrgängen: einer verlässt die Seminarschule zum Halbjahr, drei werden im Mai ihr Staatsexamen ablegen, zwei zu Jahresbeginn 2014 und drei haben gerade ihre 24monatige Ausbildung begonnen. Diese unterschiedlichen Abschlusstermine sind einerseits den Zuweisungen bzw. dem Beginn der Zweiten Phase im August oder Februar eines Schuljahres, andererseits der in Abhängigkeit von der Studiengestaltung von 24 auf 18 Monate zu kürzende Ausbildungszeitraum.

Holger Barsch (Foto: H. Roeder) Holger Barsch (Foto: H. Roeder)
Holger Barsch, beauftragter Seminarleiter am Herder-Gymnasium, ist überzeugt davon, dass die Lehrerausbildung für das Gymnasium selbst auch einen Innovationsschub darstellt

Für ihre Lehrbeauftragung zur fachlichen Ausbildung der Anwärter setzten sich zahlreiche Lehrer des Gymnasiums selbst noch einmal auf die Studienbank und bilden sich zudem regelmäßig weiter. Darüber hinaus sind es aber noch über 20 weitere Kollegen, die sich an der unterrichtspraktischen Betreuung der jungen Leute als fachbegleitende Lehrkräfte oder Mentoren aktiv beteiligen und zugleich neue Impulse für ihre eigene Arbeit erhalten. Zudem gilt das Prinzip der kurzen Wege, da Ausbildungs- und Seminarschule einen Standort darstellen und Fragen und Probleme effizient besprochen und gelöst werden können.

In den gut sieben Jahren wurden Lehramtsanwärter/innen in 11 Fächern ausgebildet: in Englisch, Deutsch, Geschichte, Geographie, Sport, Biologie, Mathematik, Kunst, Französisch, Wirtschaft/Recht, Physik. Außerdem wurden parallel dazu eine Vielzahl von Praktikanten betreut und – zu beiderseitigem Nutzen – in die Ausbildungsveranstaltungen partiell integriert sowie ein sechsmonatiger Anpassungslehrgang für eine Kollegin mit einem ausländischen Lehrerabschluss organisiert. Zur Koordinierung von Schulbildung und Lehrerausbildung am Gymnasium wurde das Amt einer Verantwortlichen für Ausbildung gebildet.

Die durch das Kultusministerium 2004 übertragene Verantwortlichkeit sieht die Seminarschule auch als Potenzial für die eigene Schulentwicklung an. Gerade der Kontakt mit modernen didaktischen Ansätzen und methodischen Konzepten, die Bereitschaft zur Öffnung von Unterricht und die verstärkte Zusammenarbeit der Lehrkräfte gilt als Innovationsschub für die Entwicklung von Schule und Unterricht, so Holger Barsch, beauftragter Seminarleiter.

Die in dieser Zeit umgesetzten, unzähligen Ideen und Anregungen, die durch Lehramtsanwärter/innen entwickelt wurden und in die Schulwirklichkeit Einzug gehalten haben, sprechen dafür. Dazu zählen das Methodenlernen in Klasse 5, die Alpinen Ski-Lager in Klasse 7, erste bilinguale Unterrichtsprojekte in verschiedenen Klassenstufen, verschiedene Arbeitsgemeinschaften – z.B. in Sport, Biologie, Englisch, Französisch oder Geschichte –, spezielle Förderangebote zur Begabungsförderung oder zum Erlernen von Deutsch als Zweitsprache, thematische Nachmittags- und Abendveranstaltungen, wie z.B. Sportwettkämpfe, Lesenächte, Schülerdiskos, Exkursionen, Spiel- und Quiznachmittage u.v.a.m.

Gemeinsame Ausbildung (Foto: H. Roeder) Gemeinsame Ausbildung (Foto: H. Roeder)
Gemeinsam macht Ausbildung Spaß: Lehramtsanwärter am Herder-Gymnasium in ihrem Seminarraum bei einer Fallbesprechung

Die Lehramtsanwärter/innen unterstützen außerdem stets aktiv alle sportlichen Aktivitäten an der Schule, die Veranstaltungen der Reihe „Herder liest“, v.a. beim Auftreten von ausländischen Autoren, sind an der Organisation und Durchführung von Studienfahrten und Exkursionen beteiligt und brachten sich in den Jahren 2009 bis 2011 engagiert in das COMENIUS-Projekt „Support and Motivate Interactive Learning of English“ (SMILE) ein, in dem das Herder-Gymnasium koordinierende Schule für die Zusammenarbeit mit vier europäischen Partnereinrichtungen war.

Zentrales Anliegen des Vorbereitungsdienstes ist die „theoriegeleitete Praxisreflexion“, das heißt die Lehramtsanwärter/innen sollen auf der Basis ihrer theoretischen Kenntnisse das eigene praktische Erleben im Schulalltag konstruktiv und kritisch verarbeiten und so eigenverantwortlich an ihrer weiteren Professionalisierung arbeiten. Dazu haben sie über 300 Stunden Seminare und über 700 Stunden eigenen Unterrichts – davon ca. 500 Stunden den Bedarf deckend – zu absolvieren. Das bedeutet, dass sie auch für den Lehrereinsatz an der Schule eine wichtige Rolle spielen.

Da sie sowohl in den unteren Klassen als auch in der Mittelstufe und in den Kursen der Thüringer Oberstufe Erfahrungen sammeln müssen, gilt es, diese unterrichtspraktischen Teile der Ausbildung gut zu planen. Zu Beginn des jeweils neuen Schuljahres – also nach sechs oder zwölf Monaten Ausbildung – werden sie auch bevorzugt in den fünften und sechsten Klassen eingesetzt. Zurzeit machen die Lehramtsanwärter/innen immerhin 12 Prozent des Lehrpersonals am Herder-Gymnasium aus.

Sowohl die positiven Erfahrungen als auch die guten Ausbildungsergebnisse und nicht zuletzt die Tatsache, dass Lehrernachwuchs dringend gebraucht wird, bestärken Holger Barsch und seine Kollegen in der Überzeugung, diese Arbeit fortzusetzen und ihre Qualität immer weiter zu steigern. Um auch die Ausbildungskapazitäten, die Flexibilität bezüglich der benötigten Fächerkombinationen und letztlich die Effektivität der Ausbildertätigkeit weiter zu erhöhen, ist eine Kooperation mit anderen Gymnasien der Region geplant und in Vorbereitung.
H. Roeder



Bild 23: Gemeinsam macht Ausbildung Spaß: Lehramtsanwärter am Herder-Gymnasium in ihrem Seminarraum bei einer Fallbesprechung
Bild 31: Die derzeit am Herder-Gymnasium wirkenden Lehramtsanwärter:
vorn: Stefan Kleinschmidt (Sp/Geo), Matthias Widner (D/Ge), Yves Michaelis (WR/GEO)
Mitte: Michael Janke (Ma/Ph), Sarah Dornieden (Eng/Sp), Katja Scheel (D/Eng)
hinten: Jochen Werner (Ge/Eng), Marita Hampel (Bio/Geo)
Bild 26: Holger Barsch, beauftragter Seminarleiter am Herder-Gymnasium, ist überzeugt davon, dass die Lehrerausbildung für das Gymnasium selbst auch einen Innovationsschub darstellt
Autor: nnz

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