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„Schwarz-Weiß" und dazwischen

Mittwoch, 17. Dezember 2003, 13:54 Uhr
Nordhausen/Sondershausen (nnz). Wenn Heinz Scharr ausstellt, so ist das ein besonderes Ereignis. So verwundert es nicht, dass der Blaue Saal im Schloss in Sondershausen zur Ausstellungseröffnung "Schwarz-Weiß/Zeichnung und
Skulptur" gestern gut gefüllt war.


Landrat Peter Hengstermann, Bürgermeister Joachim Kreyer waren gekommen, auch aus Nordhausen eine ansehnliche Anhängerschar, unter ihnen die Verantwortlichen für Kultur in der Stadt Nordhausen, Dr. Cornelia Klose, und für den Landkreis, Heidelore Kneffel. Dass Scharr, der am 1. Juli 2004 achtzig Jahre wird, jetzt in Sondershausen im Schloss ausstellt, kommt daher, dass im nächsten Jahr die Schlossräume für die große Thüringer Residenzenschau reserviert sind. Aber die Sondershäuser wollten es sich nicht nehmen lassen, Scharr mit dieser Ausstellung zu ehren. In Nordhausen stellt der Künstler im Juni/Juli 2004 in der Kreissparkasse aus.

Bis zum 29. Februar 2004 haben jung und alt nun Gelegenheit, sich auf interessante Entdeckungen in die graphische und plastische Gestaltungswelt Heinz Scharrs einzulassen. In mehreren Schlossräumen begegnet man Radierungen, aber vor allem den neuesten Handzeichnungen Scharrs, die mit den Plastiken aus Metall und Holz korrespondieren, entweder im Gleichklang oder in Spannung. Der Auftakt des Eröffnungsabends konnte nicht passender sein: Dan Sucin, Solopauker am Lohorchester, hatte sich von den Plastiken und Zeichnungen Scharrs inspirieren lassen und zwei Kompositionen geschaffen, die uraufgeführt wurden.

Das erste Stück, den Plastiken gewidmet, erklang auf
zwei Becken. Mit seinen Händen, mit Holzschlägern, mit Besen, mit dem Kontrabassbogen entlockte der Musiker seinem Instrument variantenreiche Klänge von klarster Durchsichtigkeit bis hin zu kompakter Festigkeit. Das zweite Musikstück, auf Trommeln vorgeführt, begann hart und prägnant, wurde dumpf , um dann schneller, heller, vibrierender zu werden. Sich steigernd in immer höhere Höhen, wurde es leiser und leiser, bis es verhallte. Das war ganz im Sinne Scharrs, ganz im Sinne des Publikums. Der Applaus zeigte es deutlich.

Die Laudatio auf Heinz Scharr und seine Kunst hielt Dr. Karl-Heinz Hänel vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Beide Männer kennen sich seit Jahrzehnten, und so wundert es nicht, dass der Laudator über den Künstler mit seiner Unverwechselbarkeit sehr genau und überzeugend sprach. Der Titel "Schwarz-Weiß" bedeutet ja ganz und gar nicht, dass da eine Schwarzweiß-Malerei vom Leben mit den Mitteln der Kunst geschieht. Im Gegenteil, in dieser edlen Beschränkung liegt die Vielfalt.

Man nimmt mit Erstaunen, innerer Bewegung und Hochachtung zur Kenntnis, was für eine Welt Scharr in dieser Spanne von Schwarz und Weiß zu erschaffen vermag. Seiner Phantasie und gleichzeitig seiner Gegenwärtigkeit kann man sich nicht entziehen. Unverkennbar zeigen die Grafiken und Plastiken die Intensität, mit der Scharr seine Außenwelt wahrnimmt und wie er sie nuancenreich in seine verzaubernde Formensprache bringt.
Autor: nnz

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