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Reichsschwert geht auf Reise

Mittwoch, 17. Dezember 2003, 11:54 Uhr
Nordhausen (nnz). Das Reichsschwert der Schlaraffia-Loge „Nordhusia“, das im vorigen Jahr als Beutestück eines US-Soldaten aus dem 2. Weltkrieg durch die Stadt Nordhausen zurückgekauft wurde, geht für einen Monat wieder auf Reisen. Wohin, das erfahren Sie natürlich mit dem bekannten Klick.


Heidelberger und Nordhäuser Vertreter der Schlaraffia-Loge aus Heidelberg (wörtlich: „Schlaraffia Haidelberga“) – eine ehemaliges „Tochterreich“ der gleichnamigen Nordhäuser Loge - zeigen zum 100. Logen-Geburtstag am 4. Januar das Nordhäuser „Reichsschwert“ in Heidelberg. Bei den Feiern, so die Heidelberger, werde das Schwert eine zentrale Rolle spielen.

Im Gegenzug brachten gestern die Heidelberger Ritter „Ben Ares“, „Skeptikus“, „Frohquenz“ und „3 – 8 – 4“ das Heidelberger Logen-Schwert mit in das Nordhäuser Museum „Tabakspeicher“, wo es in den kommenden Wochen gezeigt wird. Bei der Schwertübergabe im Museum waren auch Verwandte früherer Nordhäuser Logenbrüder dabei: Ilse Desslmaier – alias „Burgfrau Sehr G´scheit“ - ist die Ehefrau des 1971 verstorbenen letzten Logen-Chefs Rudolf Desslmaier („Ritter Sehr G`scheit“) und ihre Tochter Josefa sowie Georg-Ulrich Aschenbrenner, dessen Vater Fred Logen-Mitglied war.

„Kunst, Freundschaft und Humor“ – so beschreibt einer der Heidelberger „Ritter“ den Zweck der „Schlaraffia“, von der es in Deutschland 160 und weltweit 240 „Reiche“ gebe. Man treffe sich einmal in der Woche, jeder der Logen-Mitglieder warte dann in der Regel mit einem Stück Kultur auf: „Der eine trägt ein Gedicht vor, der andere spielt auf seinem Instrument, ein dritter kann tolle Zaubertricks vorführen. Es gibt sogar ein eigenes `altschraffisches Orchester´“, sagte ein Logenbruder.

Sämtliche Vorführungen seien in ein Ritterspiel eingebunden. „Wir wollen einfach Freude haben auf anspruchsvollem künstlerischen Niveau.“ Wesentliches Element des schlaraffischen Lebens sei darüber hinaus „die Persiflage auf die Ordensgeilheit“, was sich auch in der „Kleiderordnung“ wider spiegele. Wer der Loge beitreten wolle, müsse lediglich zwei Voraussetzungen mitbringen: „Ein Mann sein und deutsch sprechen können.“

Der Männerbund „Schlaraffia Nordhusia“ wurde 1877 in Nordhausen gegründet. Er zählte zu den ersten Gründungen in Europa; zuvor gab es Schlaraffia-Logen in Prag, Berlin, Leipzig, Graz und Breslau. 1937 - angesichts der Restriktionen unter den Hitler-Diktatur - löste sich die Loge in Nordhausen auf. Nach dem Krieg, so wusste einer der Heidelberger, habe sie im Verborgenen weiter gelebt, bis sie endgültig 1971 – mit dem Tod des letzten Logen-Vorsitzenden – aufhörte zu existieren.
Autor: nnz

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