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nnz-Betrachtung: Ein starkes Stück

Freitag, 10. August 2012, 17:02 Uhr
Es ist schon ein starkes Stück, was ein Fußballverein da einer ganzen Region antut. Die Folgen sind unabsehbar und bedürfen genau so wie der Ist-Zustand einer genaueren Betrachtung...


Vor etwas mehr als einem Jahr lernte Jörg Goslar nicht nur Thüringen, sondern auch Nordhausen kennen. Als Trainer der ersten Mannschaft des FSV Wacker 90 Nordhausen. Der Mann, der zuvor in Hannover agierte, lernte hier etwas kennen, was lange vermisst und dann wieder im Entstehen begriffen war: die emotionale Bindung zu einem Sportverein.

Man muss zugeben - die war in den Jahren davor zwar etwas lascher geworden, aber nicht gänzlich verloren gegangen. Denn immer wieder hatte es Fußballverrückte gegeben, die ihr Herz diesem Mannschaftssport schenken, dessen Geschicke sich ebenso nur als Mannschaft lenken und leiten lassen.

Der Namen gibt es viele, die das Überleben des Wacker-Fußballs ermöglichten. Ich will sie nicht aufzählen, schon wegen der Gefahr, einen zu vergessen. Das wäre unfair. Ihnen allen gilt mein Dank - als Jetzt-Nordhäuser, als Fan und Mitglied dieses Vereins und als Journalist, dem es ab und zu mal schwergefallen war, die notwendige Distanz zu wahren. Schließlich aber sind die Männer und Frauen in dieser Branche keine kalten Objekte, sondern Subjekte.

Und dann kamen die Herren Kleofas, Dobrzykowsky oder Kirchhoff. Namen, die ich zwar kannte, bis dahin aber nicht immer und unbedingt mit Fußball in Verbindung brachte. Und so innerlich dachte ich: das kann ja heiter werden. Wurde es auch - aber im positiven Sinne. Wohin diese präsidiale Ära geführt hat? Die Interessierten und Verrückten wissen es, sie haben es im Abstand von zwei Wochen im Albert-Kuntz-Sportpark erlebt. Haben mitgefiebert, haben hineingerufen ins Spiel, haben gebangt, geflucht und letztlich - nach der Saison 2011/2102 - gejubelt und geweint. Und das in Nordhausen - Kenner werden wissen, wie das gemeint ist - mit den Nordhäusern.

So muss es sein und so ist der Fußball in Nordhausen. Dass in einer Landesliga mehrere Hundert Zuschauer und beim Klassiker-Derby 1.400 auf den Rängen sitzen und stehen - das war für Jörg Goslar und die vielen Neuzugänge, die es im Sommer vergangenen Jahres gab, etwas Neues. Faszinierendes, bis dahin nicht Gekanntes, vor allem nicht Erlebtes. In einem Interview für nnz-tv spricht Goslar von den unvergesslichen Partys, die nach so manchem Spiel auf dem Rasen des AKS gefeiert wurden.

Das genau ist es, was einen Teil dieser Nordhäuser Faszination ausmacht. Der andere Teil ist das Mühen vieler Menschen im Verein, in Unternehmen, im Ehrenamt, den Spielern, die hier Fußballkunst zeigen wollen, einen Anreiz zu geben, ihre Talente ausgerechnet am südlichen Rand des Harzes zum Tragen zu bringen. Dazu gehört mehr als das Wedeln mit den Scheinen, dazu gehört heutzutage die Beschaffung von Arbeitsplätzen, von Studienplätzen, von Ausbildungsplätzen. Das ist nun mal so, das sind keine überdrehten Ansprüche überdrehter Jung-Männer, das ist der Markt. Wer an diesem Markt nicht teilhaben will, der muss sich mit Landesklasse zufriedengeben.

Landesklasse für die Erste - das hatten wir alle einst durchlebt und ich schrieb damals: "Es sind die schwärzesten Momente für den Nordhäuser Fußball, dass zwei Vereine (Salza und Wacker) in einer Klasse, in der Landesklasse, spielen müssen. Das ist ein erdrückender Zustand."

Das ist lange her, war aber auch das Ergebnis eines Absturzes, der von der Regionalliga, der damals dritthöchsten Spielklasse, kam. Das alles noch einmal durchzuleben, würde Fans und Verein zerreißen. Deshalb gehen Präsidium und Sponsoren auch ein gewisses Maß an Risiko ein, gehen in Vorleistung. Man muss ihnen vertrauen, das Richtige zu tun. Bislang klappte das auch gut. Die Planer müssen an dem sich selbst auferlegten Fahrplan festhalten.

Gefragt sind aber auch die Fußballverrückten in dieser Region. Schon wird gemurrt in diversen Foren über die 6 Euro Eintritt und darüber, dass Rentner nun auch voll bezahlen müssen. Jede Liga hat eben ihren Preis und auf die Einnahmen ist der Verein angewiesen. So können Sie alle, die Sie am Sonntag zum AKS pilgern, ein kleines Stückchen Sponsoring leisten, denn Sponsoring bedeutet neben dem Nehmen auch das Geben.

Für diese sechs Euro wird den Zuschauern 90 Minuten Kampf, Emotion, Jubel, Ärger, Freude, Leid - also all das gegeben, was diesen Mannschaftssport so ausmacht. Es wird - nein es muss - Fußball auf Oberliganiveau sein. Das wird die Mannschaft den Zuschauern schuldig sein. Die Jungs um den neuen Kapitän Pascal Biank sind gut drauf, das konnte man beim Training in dieser Woche beobachten.

Natürlich hoffen wir Fans alle auf einen Sieg bei der Oberliga-Premiere. Nach 90 Minuten sind wir schlauer. Die nnz wird so zeitnah wie möglich berichten. Sie wird aber eines nicht: Nach drei Siegen schon vom Durchmarsch träumen und nach drei sieglosen Spielen den Abstieg heraufbeschwören. Geben wir der Mannschaft die Chance, die sie verdient. Und helfen wir alle dabei, dass das Projekt Oberliga zu dem Ende geführt wird, das die Präsidialen planen und wir Fans erhoffen. In diesem Sinne - wir sehen uns: Sonntag. 14 Uhr. AKS. Das wird mit uns allen bestimmt ein starkes Stück.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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