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Ein Schubs für die Einzelhändler

Mittwoch, 10. Dezember 2003, 14:33 Uhr
Nordhausen (nnz). Für 180.000 Menschen von Ebeleben bis Benneckenstein, von Breitenworbis bis Sangerhausen ist Nordhausen das Ziel für einen Einkauf. Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das gestern vorgestellt wurde. Einzelheiten wie immer in Ihrer nnz.


Der „Handelsplatz Nordhausen“ ist Einkaufsziel für rund 200.000 Kunden aus einem Einzugsgebiet, das sich zwischen Ebeleben im Süden und Benneckenstein im Norden sowie zwischen Breitenworbis und Bad Sachsa im Westen bis kurz vor Sangerhausen im Osten erstreckt. Rund 660 Millionen Euro an Kaufkraft stehen damit dem Nordhäuser Einzelhandel zur Verfügung. Die vorhandene Kaufkraft der Nordhäuser wiederum bleibt zu 80 Prozent in Nordhausen.

Das sind Ergebnisse eines im Auftrag der Stadt Nordhausen erstellten Einzelhandelsgutachtens. Im zurückliegenden halben Jahr hatten dafür die Mitarbeiter der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) alle rund 500 Einzelhandelsgeschäfte der Stadt aufgesucht, in rund 50 Geschäften wurden Interviews geführt.

Dr. Stefan Holl von der GMA und Wirtschaftsdezernent Dietrich Beyse stellten gestern den Mitgliedern des Bau- und des Wirtschaftsausschusses das Gutachten vor. Beyse sagte, nach Analysen von Anfang und Mitte der 90er Jahre brauche die Stadt jetzt wieder eine aktuelle Handlungsgrundlage, die zum Beispiel Basis sein könnte für einen Selbstbindungsbeschluss des Stadtrates in Sachen Einzelhandel.

„Die gute Nachricht: Mit dieser Zahl potentieller Kunden wächst Nordhausen im Bereich des Handels in die Funktion des Oberzentrums hinein und wird damit auch als Standort für Marken-Filialisten interessant“, sagte Dr. Holl. Städte vergleichbarer Größe hätten oft kleinere Einzugsgebiete. Positives Zeichen für Nordhausen als Handelsstandort sei auch die anhaltende Investorennachfrage und das Interesse des Filialen-Einzelhandels an Nordhausen. Dank der vorausschauenden Handelsplanung in Nordhausen seien damit für die Stadt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Erfolge möglich.

In Nordhausen konzentriere sich der Einzelhandel auf die Innenstadt („gute Einzelhandelszentralität“). Insbesondere die „Südharz-Galerie“ übe eine überregionale Magnet-Wirkung aus - das gesamte Gelände rund um den Bahnhof sei Einzelhandelsschwerpunkt der Stadt - vor allem aufgrund seiner guten Erreichbarkeit und des Parkplatzangebotes. Der Handel im Bereich der Stadtmitte rund um das Rathaus und in der Altstadt werde künftig seine Rolle finden als ergänzendes Element im Funktionsmix von Dienstleistung, Kultur, Wohnen und Freizeit. Potenz dieses Standortes sei die Erlebnisfunktion, die dieses Quartier biete.

Holl: „Hier gibt es atmosphärisches Leben, am Bahnhof nüchternes Handelsleben.“ Günstig für die Entwicklung des geplanten Einkaufszentrums am Pferdemarkt könnte deshalb eine Öffnung Richtung Altstadt sein. Bestehe im Lebensmittelbereich im Vergleich zum Bundesdurchschnitt bereits ein Überangebot, so sei in Nordhausen im Bereich Bekleidung/Schuhe/Sport eine Angebotserweiterung ratsam. Marken wie „Esprit“ oder „New Yorker“ könnten zur Profilierung Nordhausens als Einzelhandels-Standort wichtig sein.

Die gute Lage der Stadt, die Ausstrahlungskraft der “Südharz-Galerie“, die Angebotsvielfalt und die Anbindung an die Autobahn sehen die befragten Nordhäuser Händler laut Gutachten als Stärken Nordhausens. „Eher außergewöhnlich für solche Umfragen ist die Nennung des breiten Kulturangebotes einer Stadt als positives Merkmal – das ist eine Besonderheit in Nordhausen“, sagte Dr. Holl. Als Schwäche sähen die Händler unter anderem die fehlende Angebotsvielfalt. Einen Rat hatte Dr. Holl an die Verantwortlichen im Rathaus: „Geben Sie ihren Händlern einen sanften Schubs - die Landesgartenschau im kommenden Jahr mit ihren Besuchern wird eine große Chance auch für den Einzelhandel!“

„Die Ergebnisse des Gutachtens sehe ich als Bestätigung auch dafür, dass wir mit unserem konsequenten Konzept richtig gelegen haben, Einzelhandel vor allem in die Innenstadt und nicht auf die `Grünen Wiese´ zu lenken“, sagte Dietrich Beyse. Er kündigte an, dass das Einzelhandelskonzept auch Thema eines Workshops sein werde, zu dem die Stadt unter dem Motto „Neue Nutzungen und Strukturen im ostdeutschen Einzelhandel“ im Januar einlade. Referenten seien u.a. Vertreter der GMA, der Karstadt Immobilien AG und ein Wissenschaftler, der sich dem Thema Einzelhandel widme.
Autor: nnz

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