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Das Hotel-Gerücht

Montag, 06. August 2012, 09:21 Uhr
Irgendwann einmal, vor einigen Jahren, stand in der nnz, dass in Nordhausen ein neues Hotel gebaut werden soll. Seit Jahren wabert das Gerücht nun durch die Rolandstadt. Niemand weiß was konkretes und die es wissen, die hüllen sich in Schweigen...


Klar ist, das Hotel im Vier-Sterne-Bereich soll im Bereich der Grimmelallee etabliert werden, dort wo die Schachtbau Nordhausen GmbH noch sehr viele Grundstücke besitzt und derzeit an verschiedene Vereine und Unternehmen vermietet. Und natürlich ist das Nordhäuser Unternehmen in das Hotel-Gerücht fest mit eingebunden. Einer der beiden Geschäftsführer soll - so erfährt man in vertraulichen Gesprächen - sogar Geschäftsführer einer Harz-Hotel-Gesellschaft sein. Wie geschrieben: Soll, schließlich bewegen wir uns im Reich der Sagen und Märchen!

Einst - einige Leser werden sich erinnern - gab es sogar Vorstellungen, eine Erlebnisbrauerei in das Hotel, über das niemand offziell spricht, in das Konzept mit einzubinden. Die Brauerei am Taschenberg mutierte inzwischen schließlich zu einem Wohnpark für Studenten. Und es sollte eine Symbiose mit dem fast benachbarten Badehaus geschaffen werden, schließlich gehört Wellness zu den Grundanforderungen in der gehobenen Hotellandschaft.
Es soll auch eine Kette gefunden worden sein, die im Drei- und Vier-Sterne-Bereich mit 700 Hotels auf diesem Planeten unterwegs ist, in Europa sind es exakt 549 Herbergen, munkelt man. Wir blättern im Märchenbuch um: Mit im Planungsboot soll auch ein Hotelbetreiber sein, die Nummer 1 in Deutschland. Ein Name, bei dem sich jeder Banker sofort die Sorgenfalten ob des Risikos glätten lässt. Eine Säule dieser Nummer 1 soll das Betreiben von Hotels mit dem "gesamten Betreiberrisiko" sein, wie es auf dessen Homepage zu lesen ist.

Nur, dieses Risiko wird vermutlich im Nordhäuser Fall abgelehnt, ist beim Umblättern der Seiten in dem Märchenbuch zu erfahren, hier könnte allenfalls ein Managementvertrag möglich sein, sagen die vielen Märchenerzähler. Und da sind sie dann wieder, die Sorgenfalten der Geldgeber. Denn immerhin könnte es sich bei der Investition um eine Größenordnung von knapp 20 Millionen Euro handeln. Da sind dann aber auch schlappe vier Millionen Euro an Eigenmitteln notwendig, das ist selbst in einem modernen Märchen nicht anders.

An dieser Stelle sei dann noch eine märchenhafte Berechnung gestattet: Nehmen wir einmal an, das Haus zwischen Grimmelallee und Zorge würde 120 Betten beinhalten und eine Auslastung von 60 Prozent im Konzept vorweisen, dann müssten jeden Tag 70 Betten belegt sein. Rechnet man den Zimmerpreis auf 75 Euro plus Frühstück und berücksichtigt dabei märchenhaft angebotene Rabatte an Unternehmen, dann kann das geliehene Geld nur sehr schwerlich zurückgegeben werden, um es populär auszudrücken.

Und das ist nun kein Märchen mehr: Der Blick auf die Thüringer Hotellandschaft ist nämlich noch ernüchterner. Nach Angaben des Fachverbandes liegt die Auslastung der Vier-Sterne-Hotels bei 40 bis 45 Prozent. Warum sollen es dann in Nordhausen 60 Prozent sein? An den kleinen exklusiven Läden, die in das Hotel integriert werden sollen, kann es wahrlich nicht liegen.

Gut also, dass das alles nur ein Gerücht aus einem Märchenbuch ist.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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