nnz-Reportage: Eine Stadt in Kurven
Dienstag, 09. Dezember 2003, 07:05 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Stadt lebt! Sicher ist Ihnen dieser Spruch auch schon mal über die Lippen gegangen. Er beschreibt Empfindungen und Gefühle. Aber haben Sie schon mal beobachtet, wann eine Stadt am Morgen aufsteht und wann sie sich schlafen legt? Die nnz hat es jetzt für Sie getan.
Es blinkt und flimmert auf den vielen Monitoren. Ab und zu mal ein kleines Piepsen, dann reagiert Carsten Pfoh. Sein Zeigefinger geht zielgenau zu einem Schalter oder drückt auf einen Knopf. Den gibt es hier viele. Hier – das ist die Netzleitstelle der Energieversorgung Nordhausen GmbH in der Straße der Genossenschaften. Hier schlägt so zusagen das elektronische Herz der Strom-, Gas- und Fernwärmeversorgung der Rolandstadt. Von hier aus können die Männer die Blockheizkraftwerke überwachen, regeln und steuern, hier haben sie zum Beispiel auch die Gasübernahmestation im Blick.
Hier sehen die Kollegen um Carsten Pfoh aber auch, wie Nordhausen erwacht. Eine Kurve gibt Auskunft, nüchtern wird sie auf ein Blatt Papier geschrieben. Und doch hat sie viel zu erzählen. Nehmen wir doch den Montag. Es ist kurz vor 5.00 Uhr, die EVN gibt rund 11.000 Kilowatt (kW) an ihre Kunden ab. Eine Stunde später sind es schon 3.000 mehr, um 7.00 Uhr zeigt die Kurve 21.000 Kilowatt an. Eine Stadt erwacht. Da sind die Bäcker zwar schon fast mit ihrer Tagesarbeit fertig, doch viele Menschen sitzen am Frühstückstisch, in den Unternehmen läuft die Frühschicht an, in Büros werden Schreibtischlampen und Computer angeschaltet, auch der Kaffee läuft in einigen Behörden schon durch die Maschinen.
In der Tagesspitze sind es mehr als 27.000 Kilowatt, die unser Unternehmen an seine rund 25.000 Kunden abgibt, etwa 8.500 kommen aus eigener Produktion, aus den Blockheizkraftwerken, der Rest wird eingekauft, erläutert EVN-Geschäftsführer Rolf Göppel. Und wie geht es den Tag über weiter mit der Kurve? Etwas mehr als 20.000 kW sind es zwischen 16 Uhr und 18.30 Uhr, das sind dann schon wieder 7.000 weniger als am Mittag. Dann ein kleiner Ausreißer nach oben bis 19 Uhr. Abendsbrotzeit? Langsam aber sicher bereitet sich Nordhausen stromtechnisch schon auf die Nacht vor, es war ein störungsfreier Tag für den Energieversorger.
Eine moderne Auswertungssoftware macht es den Mitarbeitern der EVN sogar möglich, betriebsbedingte Pausen bei den Großabnehmern genau zu beobachten, Frühstück bei X oder Mittag bei Y, die Ausschläge und Linien der Messgeräte sind unerbittlich. Diese moderne Technik macht die Versorgung mit Strom, Fernwärme und Gas nicht nur immer sicherer, sie hat auch ihren Preis. Und dessen Entwicklung spüren die Kunden. Obwohl vom Kilowattstundenpreis rund 40 Prozent Steuern und Abgaben sind, hat sich der Strompreis seit dem Jahr 2000 kontinuierlich nach oben entwickelt. Lag der Einkaufspreis Anfang des Jahres noch bei rund 30 Euro je Megawattstunde, so müssen derzeit 36 bis 37 Euro berappt werden. Rolf Göppel geht davon aus, dass er bis zum Jahr 2006 auf etwa 40 Euro klettern wird.
Da sind Prognosen gefragt. Die werden seit einigen Jahren auch von den Experten der EVN erstellt. Wie wird sich der Markt entwickeln? Was wird im Jahr 2006 sein? Diese Fragen werden nicht nur gestellt, sondern sie sollen prognostisch beantwortet werden. Gibt es viele Stadtfeste in diesem Jahr, wie oft gastiert der Jahrmarkt in Nordhausen? Doch im Jahr 2006 gibt es auch für die EVN schon eine planbare Größe, die den Stromabsatz nach oben schieben wird: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Dann sitzt die Fangemeinde im Fernsehsessel und schaut zu. Und die Europameisterschaft im nächsten Jahr, die ist in den Prognosen für 2004 sowieso schon eingearbeitet. Hauptsache, Deutschland fliegt nicht schon in der Vorrunde raus.
Übrigens: Der städtische Tagesablauf an einem Sonntag ist selbstverständlich ein gänzlich anderer. Nordhausen wird später wach, hat seinen Höhepunkt mit 18.500 kW und legt zwischen 19 Uhr und 20 Uhr noch mal einen kleinen Zwischenspurt ein. Man könnte meinen, Städte sind die Summe vieler menschlicher Gewohnheiten.
Autor: nnz
Es blinkt und flimmert auf den vielen Monitoren. Ab und zu mal ein kleines Piepsen, dann reagiert Carsten Pfoh. Sein Zeigefinger geht zielgenau zu einem Schalter oder drückt auf einen Knopf. Den gibt es hier viele. Hier – das ist die Netzleitstelle der Energieversorgung Nordhausen GmbH in der Straße der Genossenschaften. Hier schlägt so zusagen das elektronische Herz der Strom-, Gas- und Fernwärmeversorgung der Rolandstadt. Von hier aus können die Männer die Blockheizkraftwerke überwachen, regeln und steuern, hier haben sie zum Beispiel auch die Gasübernahmestation im Blick.Hier sehen die Kollegen um Carsten Pfoh aber auch, wie Nordhausen erwacht. Eine Kurve gibt Auskunft, nüchtern wird sie auf ein Blatt Papier geschrieben. Und doch hat sie viel zu erzählen. Nehmen wir doch den Montag. Es ist kurz vor 5.00 Uhr, die EVN gibt rund 11.000 Kilowatt (kW) an ihre Kunden ab. Eine Stunde später sind es schon 3.000 mehr, um 7.00 Uhr zeigt die Kurve 21.000 Kilowatt an. Eine Stadt erwacht. Da sind die Bäcker zwar schon fast mit ihrer Tagesarbeit fertig, doch viele Menschen sitzen am Frühstückstisch, in den Unternehmen läuft die Frühschicht an, in Büros werden Schreibtischlampen und Computer angeschaltet, auch der Kaffee läuft in einigen Behörden schon durch die Maschinen.
In der Tagesspitze sind es mehr als 27.000 Kilowatt, die unser Unternehmen an seine rund 25.000 Kunden abgibt, etwa 8.500 kommen aus eigener Produktion, aus den Blockheizkraftwerken, der Rest wird eingekauft, erläutert EVN-Geschäftsführer Rolf Göppel. Und wie geht es den Tag über weiter mit der Kurve? Etwas mehr als 20.000 kW sind es zwischen 16 Uhr und 18.30 Uhr, das sind dann schon wieder 7.000 weniger als am Mittag. Dann ein kleiner Ausreißer nach oben bis 19 Uhr. Abendsbrotzeit? Langsam aber sicher bereitet sich Nordhausen stromtechnisch schon auf die Nacht vor, es war ein störungsfreier Tag für den Energieversorger.
Eine moderne Auswertungssoftware macht es den Mitarbeitern der EVN sogar möglich, betriebsbedingte Pausen bei den Großabnehmern genau zu beobachten, Frühstück bei X oder Mittag bei Y, die Ausschläge und Linien der Messgeräte sind unerbittlich. Diese moderne Technik macht die Versorgung mit Strom, Fernwärme und Gas nicht nur immer sicherer, sie hat auch ihren Preis. Und dessen Entwicklung spüren die Kunden. Obwohl vom Kilowattstundenpreis rund 40 Prozent Steuern und Abgaben sind, hat sich der Strompreis seit dem Jahr 2000 kontinuierlich nach oben entwickelt. Lag der Einkaufspreis Anfang des Jahres noch bei rund 30 Euro je Megawattstunde, so müssen derzeit 36 bis 37 Euro berappt werden. Rolf Göppel geht davon aus, dass er bis zum Jahr 2006 auf etwa 40 Euro klettern wird.
Da sind Prognosen gefragt. Die werden seit einigen Jahren auch von den Experten der EVN erstellt. Wie wird sich der Markt entwickeln? Was wird im Jahr 2006 sein? Diese Fragen werden nicht nur gestellt, sondern sie sollen prognostisch beantwortet werden. Gibt es viele Stadtfeste in diesem Jahr, wie oft gastiert der Jahrmarkt in Nordhausen? Doch im Jahr 2006 gibt es auch für die EVN schon eine planbare Größe, die den Stromabsatz nach oben schieben wird: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Dann sitzt die Fangemeinde im Fernsehsessel und schaut zu. Und die Europameisterschaft im nächsten Jahr, die ist in den Prognosen für 2004 sowieso schon eingearbeitet. Hauptsache, Deutschland fliegt nicht schon in der Vorrunde raus.
Übrigens: Der städtische Tagesablauf an einem Sonntag ist selbstverständlich ein gänzlich anderer. Nordhausen wird später wach, hat seinen Höhepunkt mit 18.500 kW und legt zwischen 19 Uhr und 20 Uhr noch mal einen kleinen Zwischenspurt ein. Man könnte meinen, Städte sind die Summe vieler menschlicher Gewohnheiten.
