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Ausnahmezustand in Nordhausen

Mittwoch, 25. Juli 2012, 07:14 Uhr
Irgendwann in diesem Monat, es muss wohl der 15. Juli gewesen sein, da hat ein junger Mann zu einer Party eingeladen. Na und, werden Sie jetzt vielleicht denken. Was soll's? Doch im Nordhäuser Rathaus herrscht seitdem der Ausnahmezustand, der vermutlich bald auch für den Rest der Rolandstadt verhängt werden soll...


Für 18 Uhr hat Benjamin Panguene, der in Nordhausen zur Schule gegangen ist und jetzt in Bielefeld wohnt, via Facebook zur Party auf den August-Bebel-Platz eingeladen. Benjamin betreibt Kraftsport, spielt gern Basketball und hat 798 virtuelle Freunde. Einige dieser Freunde haben der nnz die Einladung zur Party bereits am 15. Juli gepostet. Allerdings - wäre die Party an den Kiesseen "abgegangen", dann wäre das noch ein Spaß gewesen. Bei diesen Temperaturen.

Absolut kein Spaß ist das für den Ordnungsbürgermeister Matthias Jendricke, der in Urlaubs-Abwesenheit von Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh die Stadt regiert. Und Jendricke hat das gesamte Stadtgebiet von Nordhausen mit einer Allgemeinverfügung überzogen: Facebook-Party ist verboten - egal, ob auf dem August-Bebel-Platz oder Zuhause oder in der Kleingartenanlage. Die Nordhäuser sollten heute Abend also schön in ihren Wohnungen und Häusern bleiben, sich ruhig verhalten und sich nicht zusammenrotten, denn, so wird Matthias Jendricke zitiert: Der Platzverweis wird, wenn notwendig, auch mit der Anwendung von unmittelbaren Zwang durchgesetzt.

Bleibt die spannende Frage, wie will die Nordhäuser Ordnungspolizei denn überprüfen, ob Menschen zu einer privaten Feier zu Freunden oder zur Facebook-Mugge wollen. Selbst der Aufenthalt auf dem August-Bebel-Platz ist also bereits strafbar?

Durch die Allgemeinverfügung aber, die natürlich ein riesiges Interesse in den Weiten des virtuellen Universums ausgelöst hat, ist Nordhausen plötzlich doch interessant geworden. Und vielleicht wird der eine oder andere, der gegen 18 Uhr die Beine nicht mehr am Kiesteich oder in einem anderen Freibad baumeln lässt, doch mal zum August-Bebel-Platz pilgern. Nur um zu sehen, wie das Nordhäuser Rathaus für Ruhe und Ordnung sorgen könnte.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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