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Abschied getanzt, gesungen, geweint

Montag, 16. Juli 2012, 11:30 Uhr
Die Sommermonate sind die Zeit, in der sich auch in der (katholischen) Kirche das Personalkarussell besonders schnell dreht, falls Veränderungen anstehen. Und im Zusammenhang mit der Strukturreform, die Mitte Juli im Nordhäuser Dom für den nordthüringer Raum feierlich begangen wurde, stehen sie eben an – und manchmal lösen sie auch Verwunderung aus...

Abschied genommen (Foto: E. Seifert) Abschied genommen (Foto: E. Seifert)

Als man im Jahre 1963 den Görlitzer Generalvikar Heinrich Theissing nach Berlin holte, weil er dort Weihbischof werden sollte (später war er Bischof in Schwerin), da begann sein Bischof Ferdinand Piontek (der war damals 85 Jahre alt und starb noch im gleichen Jahr) seine Abschiedspredigt in der Görlitzer St. Jakobus-Kirche mit dem Satz: „Man hat mir meinen besten Mitarbeiter weggeholt!“ Piontek war ein Meister des geschliffenen Wortes. Kein Wort, kein Satz kam über seine Lippen oder auf´s Papier, dessen Wirkung er zuvor nicht reiflich bedacht hätte.

Deshalb zeigt dieser Satz: Selbst ein Bischof kann Betroffenheit empfinden und öffentlich äußern, wenn er vor einer Entscheidung steht, die er nicht vollinhaltlich begreift oder mitträgt. Also ist auch ein einfaches Gemeindemitglied nicht verpflichtet, stets und in jeder Situation Zufriedenheit zu empfinden……

Betroffenheit, Dank und Freude für das Vergangene und gute Wünsche für das Kommende ergaben am Sonntag eine seltsame Mischung bei der Verabschiedung für die Ordensschwester Placida in Bleicherode und eine Stunde später in Friedrichslohra. Sieben Jahre hatte sie in einer Teilzeitstelle in Großlohra, etwas kürzer in Bleicherode am Aufbau und Leben der Gemeinde mitgewirkt, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen forciert, Religionsunterricht erteilt, Kranke besucht.

Ihr „kreatives Wirken“ wurde in Bleicherode besonders hervorgehoben; ein kleiner Tischtennisball unter den Abschiedsgeschenken mit den Namen der Orte, zwischen denen sie noch ein TT-Turnier hatte organisieren wollen, wird ihr sicher ebenso viel Spaß gemacht haben wie das „größere“ Geschenk: ein Fahrt zum Musical „König der Löwen“. Auch die Trommel, die sie in Friedrichslohra zum Abschied bekam, war mehrdeutig. Die Senioren-Tanzgruppe aus Bleicherode verabschiedete die Gemeindereferentin schließlich in Friedrichslohra tänzerisch, die Kinder-Gesangsgruppe in Bleicherode musikalisch. Mit Handschlag verabschiedete sie sich, von Bank zu Bank gehend, persönlich von allen anwesenden Gemeindemitgliedern. Ausdrücklich bat sie noch darum, Abschiedsgrüße auch an die evangelischen Gemeinden in Bleicherode und den Kirchspielen Großlohra und Gebra zu übermitteln, was sie selbst nicht mehr tun konnte.

Die Abschiedsgefühle der Gemeinden stehen der Offenheit für die Nachfolgerinnen nicht im Wege. Die Teilzeitarbeit wird weiter aufgesplittet. Es bleibt der Wunsch, der Hl. Geist möge bei dieser Planung nicht schon im Sommerurlaub gewesen sein.
Eduard Seifert
Autor: nnz

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