nnz-Betrachtung: Alles Bio, oder was?
Montag, 16. Juli 2012, 06:32 Uhr
Am Rande von Nordhausen soll eine Biomethananlage gebaut werden. Noch ist nicht ein Buchstabe auf irgendeinen Bau- oder Investitionsantrag geschrieben worden, da wird schon protestiert. Nicht zu Unrecht...
Vornweg: Es hätte nicht erst Fokushima bedurft, um aus der immer noch gefährlichen Nutzung der Kernenergie auszusteigen. Und so richtig glaube ich auch nicht, dass die Regierenden in diesem Lande, im Bunde mit den wirtschaftlich Mächtigen das auch wirklich ernst nehmen. Ein Horrorszenario nach dem Anderen wird ins mediale Rollen gebracht: Mal sind es die Preise, mal ist es der Zusammenbruch der gesamten nationalen Wirtschaft wegen zu wenig Grundlast, mal sind es die dringend gebrauchten Stromtrassen, die nun durch Deutschland geschlagen werden müssen.
Aber sei es drum, es ist noch nicht so lange her, da versammelten sich Woche für Woche Menschen in Nordhausen, um den Ausstieg aus der Kernenergienutzung zu fordern. Und sie forderten ebenfalls die Zuwendung zu Wind, Sonne, Wasser und Bio als Grundlage der Erzeugung von Wärme und Strom. Ist das alles schon Geschichte? Auftrag erfüllt?
Jetzt, da sich ein kommunal beherrschtes Unternehmen aufmacht, genau diese Forderungen umzusetzen, da erhebt sich wieder ein Strom des Protestes. Eine Biomethanalage will der kommunale Ernergieerzeuger bauen! Und er will damit Gewinn machen! Pfui Teufel! Das muss verhindert werden, denn plötzlich ist die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen sehr gefährlich für den Bestand dieses Planeten. Bleibt die Frage, wann sich die ersten Protestler auf den Weg machen, und sich dem Harvester im Wald in Weg stellen, denn auch hier geht es um die Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Nur ist das eine Holz und das andere eventuell Mais? Wo liegt da der Unterschied in der Nutzung einer Fläche? Ganz einfach: Eine bewaldete Fläche bleibt 20 Jahre wie sie ist, eine Maisfläche muss nach einigen Jahren wieder mit anderen Pflanzen bestellt werden. Jeder Kleingärtner kennt den Zyklus zwischen Erdbeer- und Kartoffelbeet.
Vor mehr als 100 Jahren waren zig Schornsteine das Zeichen von Industrie, von Produktion, von Arbeit für Menschen, von Entwicklung und auch von Wohlstand. Die qualmenden Schlote sind mittlerweile verschwunden, wer sich in der Gegend um Leuna auskennt, der weiß wovon ich schreibe. Vielleicht sind es jetzt die Solarflächen oder die Windparks, die von einer neuen Industrieära künden, solange jedenfalls, solange es dem Menschen nicht gelingt, aus einem Wassertropfen eine Kilowattstunde Energie zu erzeugen.
Doch halt: Windparks sind ja schön und erzeugen alternative Energie. Toll, aber bitteschön nicht in meiner Nachbarschaft. Da werden von Menschen, die sich sonst über eine beachtete Hamsterpopulation bei der Erschließung eines Industriegebietes Gedanken machen, zu Schützern und Behütern von Vogelflugrouten. Fast jeder fährt Auto, wenn es sein muss auf der Autobahn. Nur bitte die Autobahn nicht in meiner Nähe. Immer mehr Menschen fliegen in den Urlaub oder für unter 100 Euro nach Paris oder London. Aber bitte keine neue Startbahn an einem vorhanden Airport.
Zurück nach Nordhausen, denn vielleicht protestieren gerade die Menschen wieder gegen eine Biomethanlage, die einst gegen die Kernenergienutzung mit lustigen Sprüchen und gelb-schwarzen Fässen auf dem Neustadt-Kreisel in Nordhausen standen? Vielleicht? Und vielleicht ist der Protest der Menschen aus Himmelgarten und Nordhausen Ost auch richtig, denn wer will schon eine vielleicht riechende Anlage in unmittelbarer Nähe seines Vorgärtchens?
Das jedoch hätten die Vordenker einer solchen Anlage in einer solchen Dimension erahnen müssen. Waren sie von allen guten Geistern verlassen ob dieses Standortes und dieser Eile? Was ist das Motiv? Der Standort Himmelgarten ist tot, doch eine solche Anlage muss gebaut werden, davon bin ich überzeugt. Von einem kommunalen Unternehmen, damit irgendwann diese Gewinne in den Gemeinschaft fließen und nicht in die Kassen von privaten Investoren, denen übrigens ein Bau von weiteren Anlagen damit nicht verwehrt ist und die vermutlich bereits in den Startlöchern stehen.
Die Planer, die Politiker und all die anderen Fachleute sollten sich jetzt schleunigst Gedanken machen, wo gebaut werden kann? Es gibt aber noch einen anderen Weg, der zwar viel brachialer in seiner Auswirkung sein wird, aber dennoch einen Hauch von Demokratie hat. Von basisnaher Demokratie. Lasst die Menschen in dieser Stadt doch abstimmen, ob und wo sie eine solche Anlage gebaut haben wollen. Das Ergebnis kann erahnt werden, aber es ist ein Mehrheitsergebnis. Ein Verfahren, wie es eigentlich schon beim leidigen Projekt eines Autohofes bei Sundhausen hätte angewendet werden können. Damals bestimmte nicht mal ein Prozent der Nordhäuser Bevölkerung darüber, ob eine solche Investition getätigt wird oder nicht. Und mit einem Abstimmungsergebnis pro Autohof im Rücken hätten auch die Nordhäuser Stadträte ein Argument gehabt und hätten eventuell anders entschieden.
Morgen werden wir sehen, wie groß der Mobilisierungswille der Menschen aus Himmelgarten und Nordhausen Ost sein wird, wenn die Nordhäuser Stadträte in der Robert-Blum-Straße zusammenkommen. Und vor allem wird von Interesse sein, ob sie Unterstützung aus anderen, nicht betroffenen Stadtteilen bekommen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzVornweg: Es hätte nicht erst Fokushima bedurft, um aus der immer noch gefährlichen Nutzung der Kernenergie auszusteigen. Und so richtig glaube ich auch nicht, dass die Regierenden in diesem Lande, im Bunde mit den wirtschaftlich Mächtigen das auch wirklich ernst nehmen. Ein Horrorszenario nach dem Anderen wird ins mediale Rollen gebracht: Mal sind es die Preise, mal ist es der Zusammenbruch der gesamten nationalen Wirtschaft wegen zu wenig Grundlast, mal sind es die dringend gebrauchten Stromtrassen, die nun durch Deutschland geschlagen werden müssen.
Aber sei es drum, es ist noch nicht so lange her, da versammelten sich Woche für Woche Menschen in Nordhausen, um den Ausstieg aus der Kernenergienutzung zu fordern. Und sie forderten ebenfalls die Zuwendung zu Wind, Sonne, Wasser und Bio als Grundlage der Erzeugung von Wärme und Strom. Ist das alles schon Geschichte? Auftrag erfüllt?
Jetzt, da sich ein kommunal beherrschtes Unternehmen aufmacht, genau diese Forderungen umzusetzen, da erhebt sich wieder ein Strom des Protestes. Eine Biomethanalage will der kommunale Ernergieerzeuger bauen! Und er will damit Gewinn machen! Pfui Teufel! Das muss verhindert werden, denn plötzlich ist die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen sehr gefährlich für den Bestand dieses Planeten. Bleibt die Frage, wann sich die ersten Protestler auf den Weg machen, und sich dem Harvester im Wald in Weg stellen, denn auch hier geht es um die Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Nur ist das eine Holz und das andere eventuell Mais? Wo liegt da der Unterschied in der Nutzung einer Fläche? Ganz einfach: Eine bewaldete Fläche bleibt 20 Jahre wie sie ist, eine Maisfläche muss nach einigen Jahren wieder mit anderen Pflanzen bestellt werden. Jeder Kleingärtner kennt den Zyklus zwischen Erdbeer- und Kartoffelbeet.
Vor mehr als 100 Jahren waren zig Schornsteine das Zeichen von Industrie, von Produktion, von Arbeit für Menschen, von Entwicklung und auch von Wohlstand. Die qualmenden Schlote sind mittlerweile verschwunden, wer sich in der Gegend um Leuna auskennt, der weiß wovon ich schreibe. Vielleicht sind es jetzt die Solarflächen oder die Windparks, die von einer neuen Industrieära künden, solange jedenfalls, solange es dem Menschen nicht gelingt, aus einem Wassertropfen eine Kilowattstunde Energie zu erzeugen.
Doch halt: Windparks sind ja schön und erzeugen alternative Energie. Toll, aber bitteschön nicht in meiner Nachbarschaft. Da werden von Menschen, die sich sonst über eine beachtete Hamsterpopulation bei der Erschließung eines Industriegebietes Gedanken machen, zu Schützern und Behütern von Vogelflugrouten. Fast jeder fährt Auto, wenn es sein muss auf der Autobahn. Nur bitte die Autobahn nicht in meiner Nähe. Immer mehr Menschen fliegen in den Urlaub oder für unter 100 Euro nach Paris oder London. Aber bitte keine neue Startbahn an einem vorhanden Airport.
Zurück nach Nordhausen, denn vielleicht protestieren gerade die Menschen wieder gegen eine Biomethanlage, die einst gegen die Kernenergienutzung mit lustigen Sprüchen und gelb-schwarzen Fässen auf dem Neustadt-Kreisel in Nordhausen standen? Vielleicht? Und vielleicht ist der Protest der Menschen aus Himmelgarten und Nordhausen Ost auch richtig, denn wer will schon eine vielleicht riechende Anlage in unmittelbarer Nähe seines Vorgärtchens?
Das jedoch hätten die Vordenker einer solchen Anlage in einer solchen Dimension erahnen müssen. Waren sie von allen guten Geistern verlassen ob dieses Standortes und dieser Eile? Was ist das Motiv? Der Standort Himmelgarten ist tot, doch eine solche Anlage muss gebaut werden, davon bin ich überzeugt. Von einem kommunalen Unternehmen, damit irgendwann diese Gewinne in den Gemeinschaft fließen und nicht in die Kassen von privaten Investoren, denen übrigens ein Bau von weiteren Anlagen damit nicht verwehrt ist und die vermutlich bereits in den Startlöchern stehen.
Die Planer, die Politiker und all die anderen Fachleute sollten sich jetzt schleunigst Gedanken machen, wo gebaut werden kann? Es gibt aber noch einen anderen Weg, der zwar viel brachialer in seiner Auswirkung sein wird, aber dennoch einen Hauch von Demokratie hat. Von basisnaher Demokratie. Lasst die Menschen in dieser Stadt doch abstimmen, ob und wo sie eine solche Anlage gebaut haben wollen. Das Ergebnis kann erahnt werden, aber es ist ein Mehrheitsergebnis. Ein Verfahren, wie es eigentlich schon beim leidigen Projekt eines Autohofes bei Sundhausen hätte angewendet werden können. Damals bestimmte nicht mal ein Prozent der Nordhäuser Bevölkerung darüber, ob eine solche Investition getätigt wird oder nicht. Und mit einem Abstimmungsergebnis pro Autohof im Rücken hätten auch die Nordhäuser Stadträte ein Argument gehabt und hätten eventuell anders entschieden.
Morgen werden wir sehen, wie groß der Mobilisierungswille der Menschen aus Himmelgarten und Nordhausen Ost sein wird, wenn die Nordhäuser Stadträte in der Robert-Blum-Straße zusammenkommen. Und vor allem wird von Interesse sein, ob sie Unterstützung aus anderen, nicht betroffenen Stadtteilen bekommen.
Peter-Stefan Greiner
