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Ja, die alten Germanen...

Montag, 09. Juli 2012, 09:04 Uhr
„Es saßen die alten Germanen zu beiden Ufern des Rheins. Sie lagen auf Bärenhäuten und tranken immer noch eins. Und eins und zwei und drei und vier, sie soffen unheimlich viel Lagen Bier, und fünf und sechs und sieben und acht: sie soffen die ganze Nacht.“ Keine Angst, liebe nnz-Leser, das ist bei aller Bildhaftigkeit keine Realität, sondern Folklore...

Gesungen und gefeiert (Foto: E. Seifert) Gesungen und gefeiert (Foto: E. Seifert)

Bergmännische Folklore, die im sogenannten „Schichtwechsel“ aktive und passive Teilnehmer begeistert! Da auch die Ehefrauen mit von der Partie sind, passen sie schon schön auf, dass nur „gesittet gesoffen“ – nicht außergewöhnlich viel über den Durst getrunken - und auch nicht auf Bärenhäuten gelagert wird. Da wird dann schon vorher ein neuzeitlicher Bodenbelag auf dem Fußboden ausgerollt, der die „Bärenhäute“ ersetzt.
Peter Weinert und Dr. Peter Pfeifer, Geschäftsführer der NDH-E, sind ein wenig in Sorge, dass diese Art der Folklore langsam verwässern und in Vergessenheit geraten könnte. Und deshalb wird sie beim Bergmannsfest in Sollstedt jeweils besonders gern gepflegt. Bergleute sind keine Trauerklöße und auch nicht besonders zart besaitet. Ob nun adventliche Schwibbögen und Lichterfeste im Erzgebirge oder

„Die alten Germanen“ zum Bergmannsfest in Sollstedt oder zur Barbarafeier in Bleicherode: Die Bergleute lieben es halt ein bisschen deftig und überschwänglich. Wer wollte es ihnen verdenken? Ihre Ursprünge haben all diese Dinge ja in der Dunkelheit und Schwere der Arbeit im Schacht in den vergangenen Jahrhunderten. Da freut man sich eben des Lichtes und des Lebens, wenn man gesund und munter wieder „oben“ ist – auch wenn es heute, laut Dr. Pfeifer, „nichts Schöneres gibt als die Arbeit untertage!“ Und die soll auch noch ein bisschen erweitert werden.

Gesungen, geredet und gefeiert (Foto: E. Seifert) Gesungen, geredet und gefeiert (Foto: E. Seifert)

Die NDH-E Bleicherode hat nach Sollstedt ihr Auge auch auf die ehemalige Schachtanlage Bernterode geworfen. Das gehörte zu den aktuellen Informationen des Geschäftsführers (Bild) nach den geschichtlichen Darlegungen des nordthüringer Kalibergbaus durch Sollstedts Bürgermeister Claus Adam. Dr. Pfeifer gab seiner Genugtuung Ausdruck, dass der Kalibergbau nicht ganz zum Erliegen gekommen sei. „Bei der Entwicklung des Weltmarktes und nach dem Ende des relativ einfachen, weil ertragreichen Abbaus wird man vielleicht auch wieder überlegen müssen, auch noch vorhandene, aber schwerer und kostspieliger zu erreichende Lagerstätten noch einmal anzugehen“.

Beim derzeitigen Arbeitsumfang der NDH-E, der mit 75 Belegschaftsmitgliedern begann, sei man heute bei 135, Nebengewerke eingeschlossen bei 180 angekommen – ein Zehntel der ehemals hier im Bergbau Beschäftigten! Auch Landrätin Birgit Keller erwies den Bergleuten und dem Bergmannsschnaps mit ihrer Anwesenheit Ehre. Das gehörte wohl zu ihrem derzeitigen „Kennenlern-Programm“.

Das „vierte Bergmannsfest der Neuzeit in Sollstedt“ war ein Abend und eine Nacht voller Frohsinn mit Chorkonzert des Chores „Echo“, Ausschnitten aus dem Sollstedter Karnevalsprogramm und des „Ensemble 72“ aus Bleicherode, des Rückblicks auf geleistete, des Ausblicks auf kommende Arbeit, das nach dem „Schichtwechsel“ schließlich in den festlichen musikalischen „Zapfenstreich“ im Fackelschein mündete. Und weil zu diesem Fest jedermann eingeladen war, der kommen wollte, sei hier auch noch die 15. Strophe des „Glückauf-Liedes“ zitiert, von dem man in der Regel aber nur vier Strophen zu hören bekommt: „Die andern Leut seins, seins kreuzbrave Leut, denn sie tragen ja kein Leder, aber saufen tut ein jeder, Glück auf, Glück auf, Glück auf, Glück auf!“
Eduard Seifert
Autor: nnz

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