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Das Werben

Freitag, 06. Juli 2012, 14:52 Uhr
In Nordhausen gibt es in Privatbesitz ein Gemälde, das die Brautwerbung Heinrichs von Sachsen um Mathilde von Westfalen darstellt. Es wurde im Jahr 2000 von Gerhard Eschert, Jahrgang 1932, gemalt, dessen Freizeitleidenschaft das Zeichnen und Malen war. Anmerkungen von nnz-Autorin Heidelore Kneffel...

Blick in die Ausstellung (Foto: H. Kneffel) Blick in die Ausstellung (Foto: H. Kneffel)

Eschert entdeckte seine Bild-Vorlage in dem Buch „Bildersaal Deutscher Geschichte / Zwei Jahrtausende deutschen Lebens in Bild und Wort“ von 1905 bei Erika Schirmer, in deren Familienbesitz sich dieses umfängliche Druckwerk befindet. Der bibliophile Band ist ausgestattet mit 483 Schwarz-Weiß-Abbildungen und 48 Kunstbeilagen nach Originalen bekannter Künstler.

Eine davon zeigt die Zeichnung „Heinrich der Vogler wirbt um Mathildis“ von Ferdinand Leeke. Geboren wurde der 1859 in Magdeburg, gestorben ist er 1923 in Nürnberg. Er studierte an der Münchner Akademie. Leeke malte überwiegend Gemälde mit Themen der altgermanischen Sagenwelt, Genrebilder und Porträts, außerdem war er auch vielfach als Illustrator tätig.

Eschert übertrug die etwa A4 große Schwarz-Weiß-Abbildung auf ein deutlich größeres Format und „erfand“ die Farbgebung. Die Szene spielt sich in der Säulenhalle eines im romanischen Stil erbauten Klosters ab. Dieser Baustil entwickelte sich gegen Ende der Ottonischen Zeit.

Im Zentrum der Komposition stehen Mathilde und ihre Großmutter, die Äbtissin, und Heinrich, die in ein Gespräch vertieft sind. Der Werbende streckt die rechte Hand in Richtung der Umworbenen aus. Der Maler hat Heinrich die Krone aufgesetzt, obwohl er erst 10 Jahre später, 919, in Fritzlar gekrönt wurde. Nonnen und Ritter komplettieren die Szene.

Das Gemälde (Foto: H. Kneffel) Das Gemälde (Foto: H. Kneffel)

Einige Anmerkungen zur Vorgeschichte dieser Brautwerbung von 909 sollen zum besseren Verständnis angefügt werden. Heinrich, geboren um 876, war in erster Ehe seit 906 mit Hatheburg von Merseburg, einer wohlhabenden Witwe, verheiratet, die eigentlich den Schleier nehmen wollte. Die Kirche war also mit dieser Vermählung nicht einverstanden. Der Verbindung entstammte der Sohn Thankmar. Nach zwei Jahren trennte sich das Ehepaar, Hatheburg ging ins Kloster, der Sohn wuchs bei dem Vater auf.

Das folgende Geschehen wird in einer uns überlieferten mittelalterlichen Lebensbeschreibung Mathildes ausführlich dargestellt. Die Eltern Heinrichs, Otto der Erlauchte und Hadewich, sollen nun ihren Sohn auf ein etwa 14jähriges in einflussreicher Familie geborenes Mädchen hingewiesen haben, das im Kloster in Herford von seiner Großmutter väterlicherseits, der Äbtissin Mathilde, erzogen und gebildet wurde. Sie trug den Namen der Großmutter. Von ihr hieß es: „Schön war sie von Angesicht, lieblich in ihrer Jungfräulichkeit, tätig, sittsam, demutsvoll und freigebig.“ Heinrich schickte einen Vorboten aus, dessen Eindruck positiv war. Alsbald machte er sich selbst mit Gefolge auf den Weg. Der junge Mann beobachtet die Jungfrau zuerst heimlich und fühlt sich angezogen.

Die daraufhin stattfindende Brautwerbung beschreibt der Lehrer und Heimatforschers Karl Meyer (1845-1935) in seiner Schrift „Lebensbild der Königin Mathilde“, die sich im Stadtarchiv Nordhausen befindet. „... Heinrich, geschmückt mit fürstlichen Gewändern, trat vor die Äbtissin Mathilde … und hielt in feierlicher Werbung um die Hand der Jungfrau an. Diese wurde ihm vorgestellt. 'Sie trat hervor, auf den schneeigen Wangen mit der Flamme Röte übergossen, als wären weißglänzende Lilien gemischt mit roten Rosen.' Die Äbtissin erklärte, obwohl die Eltern Mathildes eigentlich erst befragt werden müssten, so wolle sie ihm doch die Enkelin verloben.

Bereits am anderen Morgen zog Heinrich mit seiner Braut Mathilde heimwärts … und nicht lange nachher wurde in der Pfalz Wallhausen in der goldenen Aue die Hochzeit mit königlicher Pracht festlich begangen. Dies geschah im Jahr 909.“

Eine Bild- und Texttafel mit der Fotografie des Gemäldes der Brautwerbung wird ab 9. Juli in die Ausstellung im Foyer des Alten Rathauses eingefügt. Am Donnerstag, dem 12. Juli, gibt es ab 16.00 Uhr eine weitere Führung.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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