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Jugendliche verstehen

Freitag, 06. Juli 2012, 12:20 Uhr
Das wurde noch nie im Plenarsaal des Landratsamtes gespielt: Wer wird Millionär? Mit ganz besonderen Fragen. Zum Beispiel nach den beliebtesten Turnschuhen bei Jugendlichen, welches Knabberzeug sie bevorzugen, wofür sie das meiste Taschengeld ausgeben. Und was war eigentlich das Jugendwort 2011? Swag. Was bedeutet das denn?

Wie ticken Jugendliche? (Foto: J. Piper) Wie ticken Jugendliche? (Foto: J. Piper)

Allgemeines Stirnrunzeln im Saal. Die Million hat keiner gewonnen – dafür zahlreiche Erkenntnisse. Denn mit diesem kleinen Spiel führte Mario Tibussek von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung die zahlreichen Zuhörer in das Thema des Nachmittags ein: die Lebenswelten von 14- bis 17-Jährigen in Deutschland. Damit hat sich intensiv die Sinus-Jugendstudie auseinander­gesetzt und dafür u.a. 1.500 Jugendliche befragt, zusätzliche Tiefeninterviews geführt, Jugendzimmer fotografiert und Collagen von Jugendlichen analysiert, auf denen sie darstellen was ihnen wichtig ist.

Anlass des Infonachmittags im Landratsamt war die Halbzeit im Bundesmodellprogramm "Jugend stärken": Aktiv in der Region. Noch bis Ende nächsten Jahres läuft dieses Fördervorhaben, das das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Europäische Sozialfonds der Europäischen Union unterstützen. Der Landkreis Nordhausen ist einer von bundesweit 35 Modellregionen.

Die Beigeordnete Loni Grünwald begrüßte im Namen der Landkreisverwaltung die zahlreichen Gäste des Informationsnachmittags. Wer Jugendliche in ihrer Entwicklung unterstützen will, müsse wissen, was ihnen wichtig ist, was sie brauchen, was sie interessiert, so Ina Schmücking, Koordinatorin des Programms im Fachbereich Jugend und Soziales des Landratsamtes.

„Es ist uns gelungen, mit dieser Veranstaltung Vertreter ganz unterschiedlicher Bereiche der Jugendarbeit anzusprechen. Diese breite Resonanz freut uns natürlich“, sagte Ina Schmücking mit Blick auf den vollen Plenarsaal. Mehr als 50 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter von Jugendeinrichtungen, Vereinen, freien Träger, Kommunen und der Landkreisverwaltung waren gestern gekommen, um mehr darüber zu erfahren, wie Jugendliche ticken.

Das Sinus-Modell beschreibt sieben Lebenswelten, jede geprägt von typischen Eigenschaften, Vorlieben und Wertehaltungen. Dabei sei bei den Jugendlichen im Vergleich zu Erwachsenen noch viel im Fluss, die Übergänge fließend, so Mario Tibussek. Die typische Abgrenzung zu den Eltern, die so wichtig beim Heranwachsen sei, falle vielen heute schwerer als früher – die Eltern sind zu liberal und stören sich auch am Irokesen-Haarschnitt nicht mehr.

Allgemein habe die Untersuchung gezeigt, dass Jugendliche heute insgesamt zu Unsicherheit angesichts ihrer Lebensplanung tendieren und viel Druck empfinden. Gerade bildungsbenachteiligte Jugendliche seien verunsichert, da sie die Auffassung haben, der Wert eines Menschen definiere sich über Leistung und Bildung. Gerade dieser Gruppe von Jugendlichen widmet sich "Jugend stärken". Das Programm will erreichen, benachteiligten Jugendlichen den Weg ins Berufsleben zu erleichtern, die Zusammenarbeit der freien und öffentlichen Träger der Jugendhilfe zu fördern und so ein möglichst lückenloses, durch­gängiges und passgenaues Fördersystem aufzubauen. Vor diesem Hintergrund hat die Koordinie­rungsstelle im Landratsamt die Netzwerkarbeit mit den Akteuren intensiviert.

Arbeitskreise zu verschiedenen Themen sind entstanden, es gab Informationsveranstaltungen und gemeinsame Teamberatungen. Von den geforderten Lückenschlussprojekten gibt es zwei im Landkreis: Im Landratsamt ist das Projekt Your Day angesiedelt. Hier werden beispielsweise Jugendliche mit einem individuellen Förderbedarf intensiv betreut, um soziale Kompetenzen zu stärken und die berufliche Integration bzw. den Übergang in andere geeignete Angebote vorzubereiten (Kontakt: 03631/ 4782820).

Bei Horizont ist das Projekt Integrationscoach entstanden, das schul­distanzierten Jugendlichen in Berufsschulen bzw. in Ausbildung helfen will, sich wieder in den Schulalltag einzufinden (Kontakt: 03631/ 4710907). Horizont hatte als freier Träger bereits Erfahrungen in dem Bundesprogramm "Jugend stärken", denn auch die Kompetenzagentur und das Schulverweigerungsprojekt 2. Chance werden durch dieses Programm ermöglicht.

Hinzu kommt der Jugendmigrationsdienst Nordthüringen im Eichfeld und neu in diesem Jahr das Angebot „Junge Wirtschaft macht mit!“ der Wirtschaftsjunioren Nordthüringen.
Jessica Piper
Autor: nnz

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