Ein Nordhäuser in Erfurt
Mittwoch, 26. November 2003, 11:09 Uhr
Nordhausen (nnz). Kennen Sie Philip Oeser? Der 1929 geborene Nordhäuser legte sich 1965 diesen Künstlernamen zu. Jetzt sind Werke von ihm in Erfurt zu bestaunen. Mehr zu Oeser und seinem richtigen Namen mit dem bekannten Klick.
Philip Oeser, der am 1. Juni 1929 als Helmut Müller in der Familie des Buchhändlers Karl Müller am Schurzfell 17 in Nordhausen-Salza geboren wurde, legte sich 1965 seinen Künstlernamen zu. Die Radierungen, Collagen, Assemblagen, Materialdrucke und Copygrafien gehören zu den feinsinnigsten Grafiken, die in den letzten Jahrzehnten in Thüringen entstanden. Philip Oeser lebt mit seiner Frau Renate Müller-Krumbach in Weimar-Taubach. Seine Arbeiten besitzen einen hohen ästhetischen Reiz.
Am 30.11.2003 wird in der führenden Thüringer Galerie, in der Kunsthalle in Erfurt, im Haus zum Roten Ochsen am Fischmarkt um 11.00 Uhr die Grafikausstellung Oesers eröffnet, die viele Augenmerke wert ist. Man kann sich den Bildern Oesers schwer entziehen, da sie mit ihrem inhaltlichen Reichtum viel erzählen. Der Künstler ist ein großer Leser, und seinen umfangreichen Lesekanon kann man in dem edel gestalteten, vielsagenden Katalog nachlesen, in dem es neben den ausgezeichneten Grafikreproduktionen und den zwei aufschlussreichen Aufsätzen von Dr. Kai Uwe Schierz und Cornelia Becker-Lamers Auszüge aus den Tagebüchern Oesers gibt. Sehr bemerkenswert für unsere Region sind die Eintragungen von 1945 – 1948, in denen der Bombenangriff und der folgende Aufenthalt der Familie im Mittelbau-Dora aufgezeichnet stehen.
Helmut Müllers intensive Beschäftigung mit der Kunst beginnt in der Kunstschule im Judenturm bei Martin Domke. Gemeinsam mit seiner späteren Frau Marlis Pape aus Nordhausen, aus der bekannten Familie des Malzfabrikanten Rudolf Pape stammend, studiert er dann an der Kunsthochschule in Weimar. Als man Marlis Pape aus ideologischen Gründen nicht mehr in der DDR studieren lässt, ziehen sie nach Westberlin, wo beide ihr Studium fortsetzen. Einen tiefen Einschnitt in sein Leben gräbt der Tod seiner Frau und des Kindes bei der Geburt. Er kehrt Ende 1959 nach Nordhausen zurück und wohnt und arbeitet im Haus seiner Schwiegereltern Altendorf 28 bis zum Jahr 1961. Auch in der Windlücke in einem Blockhaus entstehen Kunstblätter.
Die Geburtsstadt Nordhausen bleibt ein Dreh- und Angelpunkt in Philip Oesers Schaffen, auch, als er dann als Restaurator ins Angermuseum nach Erfurt geht. In seinen in den letzten Jahren entstandenen grafischen Tagebuch-Blättern kombiniert er Schriftzeichen in ornamentaler und semantischer Funktion mit Stempeln, mit Bildzitaten des kulturellen Erbes, z. B. Dürer und Cranach, mit Fotografien der Familie. Immer wieder kommt der Stempel des Humboldt-Gymnasiums vor, oder ein Poststempel aus Nordhausen. Damit wird die Zeit und die Amtlichkeit einer Mitteilung gezeigt, gleichzeitig gibt die geschlossene kleine kreisrunde Form einen Ruhepol innerhalb des Bildaufbaus.
Über den Künstler Philip Oeser alias Helmut Müller aus Nordhausen gäbe es noch viel zu sagen. Es sei deshalb auf die Kunstausstellung in Erfurt verwiesen, die bis zum 11. Januar 2004 dauert, und auf den preiswerten Katalog von 20 Euro mit 248 Seiten und 332 Abbildungen. Er erschien in der Reihe Künstler in Thüringen und ist darin der 8. Band.
Autor: nnz
Philip Oeser, der am 1. Juni 1929 als Helmut Müller in der Familie des Buchhändlers Karl Müller am Schurzfell 17 in Nordhausen-Salza geboren wurde, legte sich 1965 seinen Künstlernamen zu. Die Radierungen, Collagen, Assemblagen, Materialdrucke und Copygrafien gehören zu den feinsinnigsten Grafiken, die in den letzten Jahrzehnten in Thüringen entstanden. Philip Oeser lebt mit seiner Frau Renate Müller-Krumbach in Weimar-Taubach. Seine Arbeiten besitzen einen hohen ästhetischen Reiz. Am 30.11.2003 wird in der führenden Thüringer Galerie, in der Kunsthalle in Erfurt, im Haus zum Roten Ochsen am Fischmarkt um 11.00 Uhr die Grafikausstellung Oesers eröffnet, die viele Augenmerke wert ist. Man kann sich den Bildern Oesers schwer entziehen, da sie mit ihrem inhaltlichen Reichtum viel erzählen. Der Künstler ist ein großer Leser, und seinen umfangreichen Lesekanon kann man in dem edel gestalteten, vielsagenden Katalog nachlesen, in dem es neben den ausgezeichneten Grafikreproduktionen und den zwei aufschlussreichen Aufsätzen von Dr. Kai Uwe Schierz und Cornelia Becker-Lamers Auszüge aus den Tagebüchern Oesers gibt. Sehr bemerkenswert für unsere Region sind die Eintragungen von 1945 – 1948, in denen der Bombenangriff und der folgende Aufenthalt der Familie im Mittelbau-Dora aufgezeichnet stehen.
Helmut Müllers intensive Beschäftigung mit der Kunst beginnt in der Kunstschule im Judenturm bei Martin Domke. Gemeinsam mit seiner späteren Frau Marlis Pape aus Nordhausen, aus der bekannten Familie des Malzfabrikanten Rudolf Pape stammend, studiert er dann an der Kunsthochschule in Weimar. Als man Marlis Pape aus ideologischen Gründen nicht mehr in der DDR studieren lässt, ziehen sie nach Westberlin, wo beide ihr Studium fortsetzen. Einen tiefen Einschnitt in sein Leben gräbt der Tod seiner Frau und des Kindes bei der Geburt. Er kehrt Ende 1959 nach Nordhausen zurück und wohnt und arbeitet im Haus seiner Schwiegereltern Altendorf 28 bis zum Jahr 1961. Auch in der Windlücke in einem Blockhaus entstehen Kunstblätter.
Die Geburtsstadt Nordhausen bleibt ein Dreh- und Angelpunkt in Philip Oesers Schaffen, auch, als er dann als Restaurator ins Angermuseum nach Erfurt geht. In seinen in den letzten Jahren entstandenen grafischen Tagebuch-Blättern kombiniert er Schriftzeichen in ornamentaler und semantischer Funktion mit Stempeln, mit Bildzitaten des kulturellen Erbes, z. B. Dürer und Cranach, mit Fotografien der Familie. Immer wieder kommt der Stempel des Humboldt-Gymnasiums vor, oder ein Poststempel aus Nordhausen. Damit wird die Zeit und die Amtlichkeit einer Mitteilung gezeigt, gleichzeitig gibt die geschlossene kleine kreisrunde Form einen Ruhepol innerhalb des Bildaufbaus.
Über den Künstler Philip Oeser alias Helmut Müller aus Nordhausen gäbe es noch viel zu sagen. Es sei deshalb auf die Kunstausstellung in Erfurt verwiesen, die bis zum 11. Januar 2004 dauert, und auf den preiswerten Katalog von 20 Euro mit 248 Seiten und 332 Abbildungen. Er erschien in der Reihe Künstler in Thüringen und ist darin der 8. Band.
