100 km Sächsische Schweiz zu Fuß
Dienstag, 26. Juni 2012, 06:37 Uhr
Imposante Sandsteinformationen, das sich malerisch in die Landschaft einfügende Band der Elbe und ihren Nationalpark liebende Menschen, mit diesen Worten lässt sich die Sächsische Schweiz gut charakterisieren. Zum 40. Mal startete am vergangenen Wochenende die Dresdner Sonnenwendtour...
und ließ ihre 88 Teilnehmer auf verschiedenen Strecken an den genannten Besonderheiten und Einzigartigkeiten teilhaben. 17 begaben sich auf die 100 km lange Route und erreichten erfreulicherweise alle das Ziel. Die Sonnenwendtour gehört zu den ältesten Veranstaltungen mit einer solchen Distanz im Angebot. Doch auch sie ist ein Produkt ehrenamtlichen Engagements.
Obwohl das Wandern und Bergsteigen in Sachsen gewissermaßen eine Volksbewegung ist, steht es mit der Bereitschaft, Wanderveranstaltungen zu organisieren unter den Jüngeren nicht immer zum Besten. Denn wer schlägt sich an Verpflegungsständen schon gern die Nacht für ein paar Verrückte um die Ohren ohne dafür etwas zu bekommen? Dieser Idealismus war zu DDR-Zeiten in der mitteldeutschen Langstreckenwanderszene häufiger anzutreffen.
Doch der Trend zu Megaevents scheint auch bei den langen Kanten offenbar kaum aufhaltbar zu sein. Diese müssen ja nicht schlechter sein, als die kleinen Veranstaltungen. Aber es sind andererseits halt auch laute, überorganisierte, ja kommerzialisierte Veranstaltungen. Sie sind ganz einfach anders. Die traditionsreiche Dresdner Sonnenwendtour indes sucht allmählich jüngere Nachfolger.
Wir Wanderer absolvierten einen anspruchsvollen Kurs mit 1.800 m Anstiegen auf 100 km, die in der Sächsischen Schweiz mit ihrem bewegten Gelände schnell erreicht sind. So war die Tour nicht unbedingt etwas für Anfänger auf dieser Distanz. Zumal es nachts relativ flott zur Sache ging. Bereits nach weniger als neun Stunden waren die ersten 50 Kilometer und damit die erste Runde geschafft und wir saßen in der Schmilkaer Ilmtalbaude beim Frühstück.
Kurz zuvor hatte die Elbe uns noch ganz allein gehört. Als wir früh um 4:30 Bad Schandau passierten, um diese über die weithin einzige Brücke zu überqueren und dann entlang des Flusses zum Startort Schmilka zu wandern, da war außer uns kaum ein Mensch bzw. Auto zu sehen. Ab und zu nur durchschnitt ein Zug die natürliche Ruhe.
Am Sonnabend gegen 18 Uhr war dann die zweite 50 km-Runde Geschichte. Mit 21 Stunden Dauer lag ein recht schneller Hunderter hinter uns. Die ersten Teilnehmer hatten das Ziel sogar schon nach 19 Stunden erreicht. Aber nach Zeit geht es nur bedingt bei einer solchen Veranstaltung.
Beeindruckt hat mich insbesondere die Selbstverständlichkeit, mit der die Menschen dort ihren Nationalpark akzeptieren, lieben und gestalten: Wilde Müllkippen, wie in unserem Naturpark, sah ich nirgends. Die Markierungen der Wanderwege sind vorbildlich. Hunderte Wanderer, die meisten von ihnen ganz individuell, erkundeten die einzigartige Fels- und Flusslandschaft, darunter erstaunlich viele junge Leute mit und ohne Kindern. Selbst in der Dämmerung waren noch einzelne Wanderer und Pärchen hinauf zu den Felsen oberhalb von Schmilka unterwegs. Zwei Wochen zuvor zum 8. Harz-Hunderter das genau entgegengesetzte Bild: Etwa fünf Individual-Wanderer trafen wir auf 100 km auf oft wenig vertrauensvoll ausgeschilderte Strecken, teils sahen wir zugewachsene Wege.
Und unser Naturpark - vielfach vermüllt. Dazu ist in der Reihe Schwarzbergs Wegwerfgesellschaft einiges zu lesen. Ellrichs Bürgermeister Ehrhold, der im Steinmühlental ein Kraftwerk bauen möchte und eine Straße von Sülzhayn nach Rothesütte, eine Industrie, die neue Steinbrüche eröffnen möchte u.s.w. – das sind keine Schlagzeilen im Sinne eines Naturparks, der sich vor allem die Förderung des sanften Tourismus auf die Fahnen geschrieben hat.
In der Sächsischen Schweiz werden die Wanderer hingegen sogar auf Umleitungsstrecken geleitet, falls der von ihnen eigentlich gewünschte Weg gerade forstlich beeinträchtigt ist (siehe Bilder). Das wäre im Harz momentan gewiss kaum denkbar.
Es sind gravierende Unterschiede, die einem Wanderer beim Vergleich Sächsische Schweiz – Südharz auffallen. Die Menschen zwischen Pirna und Bad Schandau wissen, dass sie vom Tourismus profitieren. Das ist bei fast jedem Gespräch mit ihnen herauszuhören. Von einer solchen Einstellung sind wir hier im Südharz noch Lichtjahre entfernt.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzund ließ ihre 88 Teilnehmer auf verschiedenen Strecken an den genannten Besonderheiten und Einzigartigkeiten teilhaben. 17 begaben sich auf die 100 km lange Route und erreichten erfreulicherweise alle das Ziel. Die Sonnenwendtour gehört zu den ältesten Veranstaltungen mit einer solchen Distanz im Angebot. Doch auch sie ist ein Produkt ehrenamtlichen Engagements.
Obwohl das Wandern und Bergsteigen in Sachsen gewissermaßen eine Volksbewegung ist, steht es mit der Bereitschaft, Wanderveranstaltungen zu organisieren unter den Jüngeren nicht immer zum Besten. Denn wer schlägt sich an Verpflegungsständen schon gern die Nacht für ein paar Verrückte um die Ohren ohne dafür etwas zu bekommen? Dieser Idealismus war zu DDR-Zeiten in der mitteldeutschen Langstreckenwanderszene häufiger anzutreffen.
Doch der Trend zu Megaevents scheint auch bei den langen Kanten offenbar kaum aufhaltbar zu sein. Diese müssen ja nicht schlechter sein, als die kleinen Veranstaltungen. Aber es sind andererseits halt auch laute, überorganisierte, ja kommerzialisierte Veranstaltungen. Sie sind ganz einfach anders. Die traditionsreiche Dresdner Sonnenwendtour indes sucht allmählich jüngere Nachfolger.
Wir Wanderer absolvierten einen anspruchsvollen Kurs mit 1.800 m Anstiegen auf 100 km, die in der Sächsischen Schweiz mit ihrem bewegten Gelände schnell erreicht sind. So war die Tour nicht unbedingt etwas für Anfänger auf dieser Distanz. Zumal es nachts relativ flott zur Sache ging. Bereits nach weniger als neun Stunden waren die ersten 50 Kilometer und damit die erste Runde geschafft und wir saßen in der Schmilkaer Ilmtalbaude beim Frühstück.
Kurz zuvor hatte die Elbe uns noch ganz allein gehört. Als wir früh um 4:30 Bad Schandau passierten, um diese über die weithin einzige Brücke zu überqueren und dann entlang des Flusses zum Startort Schmilka zu wandern, da war außer uns kaum ein Mensch bzw. Auto zu sehen. Ab und zu nur durchschnitt ein Zug die natürliche Ruhe.
Am Sonnabend gegen 18 Uhr war dann die zweite 50 km-Runde Geschichte. Mit 21 Stunden Dauer lag ein recht schneller Hunderter hinter uns. Die ersten Teilnehmer hatten das Ziel sogar schon nach 19 Stunden erreicht. Aber nach Zeit geht es nur bedingt bei einer solchen Veranstaltung.
Beeindruckt hat mich insbesondere die Selbstverständlichkeit, mit der die Menschen dort ihren Nationalpark akzeptieren, lieben und gestalten: Wilde Müllkippen, wie in unserem Naturpark, sah ich nirgends. Die Markierungen der Wanderwege sind vorbildlich. Hunderte Wanderer, die meisten von ihnen ganz individuell, erkundeten die einzigartige Fels- und Flusslandschaft, darunter erstaunlich viele junge Leute mit und ohne Kindern. Selbst in der Dämmerung waren noch einzelne Wanderer und Pärchen hinauf zu den Felsen oberhalb von Schmilka unterwegs. Zwei Wochen zuvor zum 8. Harz-Hunderter das genau entgegengesetzte Bild: Etwa fünf Individual-Wanderer trafen wir auf 100 km auf oft wenig vertrauensvoll ausgeschilderte Strecken, teils sahen wir zugewachsene Wege.
Und unser Naturpark - vielfach vermüllt. Dazu ist in der Reihe Schwarzbergs Wegwerfgesellschaft einiges zu lesen. Ellrichs Bürgermeister Ehrhold, der im Steinmühlental ein Kraftwerk bauen möchte und eine Straße von Sülzhayn nach Rothesütte, eine Industrie, die neue Steinbrüche eröffnen möchte u.s.w. – das sind keine Schlagzeilen im Sinne eines Naturparks, der sich vor allem die Förderung des sanften Tourismus auf die Fahnen geschrieben hat.
In der Sächsischen Schweiz werden die Wanderer hingegen sogar auf Umleitungsstrecken geleitet, falls der von ihnen eigentlich gewünschte Weg gerade forstlich beeinträchtigt ist (siehe Bilder). Das wäre im Harz momentan gewiss kaum denkbar.
Es sind gravierende Unterschiede, die einem Wanderer beim Vergleich Sächsische Schweiz – Südharz auffallen. Die Menschen zwischen Pirna und Bad Schandau wissen, dass sie vom Tourismus profitieren. Das ist bei fast jedem Gespräch mit ihnen herauszuhören. Von einer solchen Einstellung sind wir hier im Südharz noch Lichtjahre entfernt.
Bodo Schwarzberg






























