Sie retteten Leben
Samstag, 23. Juni 2012, 18:45 Uhr
Ein guter Freund übergab Reinhard Gündel kurz vor seinem Tode ein Foto. Darauf zu sehen waren Angehörige einer jüdischen Familie, die in Nordhausen versteckt wurde, glücklich emigrieren konnte und den Holocaust überlebten. Auf der rechten Seite des Bildes sehen wir Julius Moch und seine Frau Anna, beide etwa 57 Jahre alt und in Begleitung vermutlich ihrer holländischen Retter…..?
Leben gerettet (Foto: Archiv Gündel)
Angefertigt wurde die Aufnahme am 16. März1947 in Hengelo in den Niederlanden. Fotograf Fikkert aus der Lengestraße 19. Vielleicht gibt es einen Leser der mir weitere Hinweise dazu geben kann. Aus den mir bekannten Quellen und laut Aussage meines Freundes kam um die Jahrhundertwende Julius Moch, geboren am 2. Januar 1890 in Nonnenweiler, nach Thüringen. In Leinefelde lernte er seine gleichaltrige Frau kennen und zog mit ihr nach Nordhausen.
1920 wurde ihre Tochter Liesel geboren. In welche Schule sie hier ging, ist noch nicht bekannt. Bereits 1930 besaß die Familie unmittelbar am Roland ein Zigarettenhaus, Rolandseck genannt am Markt 14. Sie wohnten bis 1934 in der Balzerstraße 12 und ab 1937 in der Hindenburgallee 13 bei dem Gastwirt Maiser, der ein bayrisches Restaurant in der Bäckerstraße betrieb.
Julius Moch und seine Frau arbeiteten in der Folgezeit als Vertreter für Tabakwaren und Automaten, sie versorgten in Nordhausen viele Geschäfte, so auch das der Großeltern und Eltern meines Freundes Anna Kieber am Lohmarkt 23 das im Jahre 1937 bereits ein Großhandelsgeschäft war. Bestimmt kam es so auch über die geschäftlichen Beziehungen zur engen persönlichen Bindung der Familien.
Eine zur damaligen Zeit äußerst gefährlichen Tatsache, zumal der jüdische Bürger Julius Moch, wie viele andere am 10. November1938 ins KZ Buchenwald eingeliefert wurde und mit der Auflage entlassen wurde, so schnell wie möglich das Land zu verlassen und zuvor seinen Besitz zu verkaufen. Die Familie stand also unter ständiger Polizeiaufsicht und es ist zu vermuten, dass sie, vor der drohenden Deportation in eines der vielen Judenhäuser eingewiesen wurde.
In dieser so gefährlichen Situation wurde dieser jüdischen Familie Türen geöffnet. Türen für ein Versteck am Lohmarkt 23. Wie mir übermittelt wurde, war es eine Bodenkammer in der sie unter kamen und natürlich auch versorgt werden mussten. Wie das erfolgte und vor allem auf welchem Weg die Flucht nach Holland gelang ist noch nicht bekannt, wäre aber für die Nachwelt doch wohl von Interesse.
Respekt anderen Menschen gegenüber, Achtung der Menschenwürde sind auch heute noch bedeutungsvoll und diesbezüglich kann man sehr viel von solchen Personen lernen, die unter gefährlichen Zuständen Menschen gerettet haben ohne ihre eigene Gesundheit und ihr Leben zu schonen.
In diesem Sinne lieber Freund, bist Du und Deine Angehörigen für die Nachwelt unvergessen.
Reinhard Gündel
Autor: nnz
Leben gerettet (Foto: Archiv Gündel)
Angefertigt wurde die Aufnahme am 16. März1947 in Hengelo in den Niederlanden. Fotograf Fikkert aus der Lengestraße 19. Vielleicht gibt es einen Leser der mir weitere Hinweise dazu geben kann. Aus den mir bekannten Quellen und laut Aussage meines Freundes kam um die Jahrhundertwende Julius Moch, geboren am 2. Januar 1890 in Nonnenweiler, nach Thüringen. In Leinefelde lernte er seine gleichaltrige Frau kennen und zog mit ihr nach Nordhausen.1920 wurde ihre Tochter Liesel geboren. In welche Schule sie hier ging, ist noch nicht bekannt. Bereits 1930 besaß die Familie unmittelbar am Roland ein Zigarettenhaus, Rolandseck genannt am Markt 14. Sie wohnten bis 1934 in der Balzerstraße 12 und ab 1937 in der Hindenburgallee 13 bei dem Gastwirt Maiser, der ein bayrisches Restaurant in der Bäckerstraße betrieb.
Julius Moch und seine Frau arbeiteten in der Folgezeit als Vertreter für Tabakwaren und Automaten, sie versorgten in Nordhausen viele Geschäfte, so auch das der Großeltern und Eltern meines Freundes Anna Kieber am Lohmarkt 23 das im Jahre 1937 bereits ein Großhandelsgeschäft war. Bestimmt kam es so auch über die geschäftlichen Beziehungen zur engen persönlichen Bindung der Familien.
Eine zur damaligen Zeit äußerst gefährlichen Tatsache, zumal der jüdische Bürger Julius Moch, wie viele andere am 10. November1938 ins KZ Buchenwald eingeliefert wurde und mit der Auflage entlassen wurde, so schnell wie möglich das Land zu verlassen und zuvor seinen Besitz zu verkaufen. Die Familie stand also unter ständiger Polizeiaufsicht und es ist zu vermuten, dass sie, vor der drohenden Deportation in eines der vielen Judenhäuser eingewiesen wurde.
In dieser so gefährlichen Situation wurde dieser jüdischen Familie Türen geöffnet. Türen für ein Versteck am Lohmarkt 23. Wie mir übermittelt wurde, war es eine Bodenkammer in der sie unter kamen und natürlich auch versorgt werden mussten. Wie das erfolgte und vor allem auf welchem Weg die Flucht nach Holland gelang ist noch nicht bekannt, wäre aber für die Nachwelt doch wohl von Interesse.
Respekt anderen Menschen gegenüber, Achtung der Menschenwürde sind auch heute noch bedeutungsvoll und diesbezüglich kann man sehr viel von solchen Personen lernen, die unter gefährlichen Zuständen Menschen gerettet haben ohne ihre eigene Gesundheit und ihr Leben zu schonen.
In diesem Sinne lieber Freund, bist Du und Deine Angehörigen für die Nachwelt unvergessen.
Reinhard Gündel

