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100 Jahre genossenschaftliches Wohnen in Nordhausen

Freitag, 09. März 2001, 13:51 Uhr
Nordhausen (nnz). Nordhausen Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine Untersuchung der Wohnverhältnisse in den Arbeitervierteln der Rolandstadt brachte erschreckende Verhältnisse zu Tage. Hinter dem schönen Gesicht der Stadt verbargen sich soziale Mißstände und Wohnungselend in den Arbeiterwohnungen. Viele Verantwortliche erkannten, daß diesen Verhältnissen ein Ende gesetzt werden mußte. Aus der existierenden Wohnungsnot resultierten nicht zuletzt eine Gefährdung der Grundlagen der Sittlichkeit und der Gesundheit eines großen Teils der Bevölkerung. Der private Unternehmer hatte sich aus der Errichtung von Kleinwohnungen zurückgezogen, da die Herstellung für ihn unrentabel und mit vielen Risiken verbunden war. Private Hausbesitzer wiesen Familien mit mehreren Kindern ab. Sie suchten sich unter mehreren Bewerbern den mit den wenigsten Kindern aus.
In diese Zeit hinein fällt die Gründung des „Nordhäuser Spar- und Bauvereins“. Die Gründung datiert auf den 10. April 1901. Sie wurde von dem Nordhäuser Kaufmann Louis Eisner angeregt. Nach der ersten Generalversammlung am 1. Juni 1901 erfolgte die Eintragung beim Königlichen Amtsgericht zu Nordhausen am 5. Juli des gleichen Jahres. Voraussetzung der gemeinnützigen Betätigung im Wohnungsbau war auch vor 100 Jahren das Vorhandensein von preiswertem Bauland und die Möglichkeit der Beschaffung von niedrig verzinslichen Baugeldern. Durch kaufmännisches Geschick wurde das erste Bauland in der Halleschen Straße für 75 Reichspfennig je Quadratmeter gekauft. Die Landesversicherungsanstalt Merseburg stellte der ersten Nordhäuser Genossenschaft Baugeld bis zu zwei Drittel zu einem ermäßigten Zinssatz zur Verfügung. Nach anfänglichen Zurückhaltungen fühlte sich die Stadt Nordhausen zur Förderung des gemeinnützigen Vereins verpflichtet, Baugelder zu gleichen Konditionen und bis zu 85 Prozent des Herstellungswertes zur Verfügung zu stellen.
Der Nordhäuser Spar- und Bauverein ist von Beginn an nach den Grundsätzen und auf dem Gedanken des gemeinschaftlichen Bauen aufgebaut worden. Für den Bau der Häuser wurden folgende Forderungen erhoben:
1. Abgeschlossenheit der Wohnungen
2. Durchlüftbarkeit
3. Eigene Wasserversorgung
4. Ein eigenes Abort.
Auf den nicht bebauten Flächen wurden in Nordhausen Familiengärten angelegt. Ein Grundpfeiler der Ertragswirtschaft war bereits damals die ausreichende Bemessung der Mieten.
Zum 25-jährigen Bestehen des Spar- und Bauvereins konnte mit Zufriedenheit festgestellt werden, daß Männer aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten und Berufsklassen sich bereit fanden, an dem Auf- und Ausbau des Spar- und Bauvereins unermüdlich tätig zu sein. Um die Entwicklung des genossenschaftlichen Bauens in dessen Gründungszeit haben sich vor allem der oben erwähnte Louis Eisner aber auch Prof. Dr. Schumann verdient gemacht. Was letzterer in ehrenamtlicher Tätigkeit als jahrelanger Vorsitzender des Aufsichtsrates zum Wohle der Nordhäuser Bürgerschaft geleistet hat, war richtungsweisend und beispielgebend.
Autor: nnz

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