Offener Brief an OB
Mittwoch, 19. November 2003, 14:47 Uhr
Nordhausen (nnz). In den zurückliegenden Tagen haben sich Politiker des Landes, des Landkreises und der Stadt für das künftige Industriegebiet in der Goldenen Aue ausgesprochen. Die Mitglieder der Bürgerinitiative Rettung der Goldenen Aue haben jetzt einen offenen Brief an die Nordhäuser Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) geschrieben...
Sehr geehrte Frau Rinke,
Erschüttert, betroffen, verleumdet?. Diese Reaktionen, ja Gefühlslagen haben Ihre jetzt wiederholten Äußerungen über Kritiker des Industriegebietes Goldene Aue ausgelöst. Eigennutz und Egoismus seien deren Motivation, so Ihre Auslegung. Wären Sie ausschließlich Oberbürgermeisterin der Stadt Nordhausen, so wären diese Äußerungen mit denen Ihres Dezernenten Beyse gleichzusetzen und würden dementsprechend als der übliche und schon gekannte Populismus abgetan und nicht bewertet. Doch gerade durch Ihr führendes Amt als Präses der Evangelischen Kirche Deutschlands und damit in Offenlegung Ihrer christlichen Weltanschauung und dem damit verbundenen Handeln gelten für Sie sicherlich andere Maßstäbe.
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten, so das achte Gebot. Über Menschen urteilen die anderer Meinung sind, Menschen zu beurteilen, ihnen Motive zu unterstellen, ohne mit ihnen auch nur ein einziges Wort gewechselt zu haben, ist nicht nur verwerflich sondern mit Ihrem christlichen Ehrenamt nicht vereinbar. Ja Frau Rinke, es gibt sehr viele Menschen, die gegen die Errichtung eines Industriegebietes in der Goldenen Aue sind. Ist es aber Egoismus, wenn Menschen Angst haben, Angst vor Hochwasser durch die riesige Flächenversiegelung, Angst davor haben durch nächtlichen Lärm krank zu werden.
Ist es wirklich Eigennutz, wenn Familien von Arbeitern der Agrargenossenschaften, wenn Landwirte Angst davor haben, daß durch den Flächenentzug der Felder ihre Existenz bedroht wird? Ist es Eigennutz wenn Einwohner der Goldenen Aue Angst davor haben, das es vielleicht doch stinkt, wenn Schornsteine errichtet werden? Ist es Egoismus wenn Menschen die Kulturlandschaft der Goldenen Aue retten wollen? Ist es Egoismus wenn viele Menschen der festen Überzeugung sind, daß dieses Gebiet für einer derartige Investition völlig ungeeignet ist? Ist es Eigennutz, wenn die Bewohner im Chausseehaus seit Jahren Angst um ihr Zuhause haben, da es in den B-Plänen zum Industriegebiet gar nicht mehr vorhanden ist und ist es wirklich Egoismus der Familie, ihr zuhause, ihre seit über 40 Jahren gewachsene Bindung aufgeben zu müssen?
Sie erhielten Beifall für Ihre Rede zur Eröffnung der Südharz-Messe immer dann, wenn Sie das Industriegebiet als unausweichlich manifestierten, wenn Sie demonstrierten, das Sie diese Landschaft zu einer Industriefläche umwandeln werden. Sie erhielten Beifall von Seiten der Wirtschaft, von denen die sich kurzfristig materiellen Erfolg erhoffen – ist das nicht dann auch Eigennutz und Egoismus?
Sehr geehrte Frau Rinke, viele Menschen glauben Ihnen nicht mehr. Glauben Ihnen und dem Planungsverband nicht mehr, das es zu keinen Beeinträchtigungen des täglichen Lebens kommt. Solange Sie oder besser gesagt, die Stadtverwaltung keine Möglichkeit hat, etwas gegen den Güllegestank in Ihrer eigenen Stadt zu unternehmen, solange glauben die Menschen Ihnen nicht, daß Sie gegen jegliche Beeinträchtigung vorgehen werden und könnten.
Viele Menschen, so auch wir, erkennen Ihre Bemühungen an, die desolate wirtschaftliche Situation verbessern zu wollen. Wir erkennen auch an, das es gelungen ist auf den Altstandorten wieder Betriebe anzusiedeln und wir sind wie Sie der Meinung, das es unerlässlich ist Industriearbeitsplätze entstehen zu lassen, um den Arbeitssuchenden eine Perspektive hier in der Region zu geben. Aber die, die Arbeit suchen und die die Arbeit haben gegeneinander auszuspielen ist der falsche Weg. Strategien, wie eine wirtschaftliche Entwicklung erreicht werden kann, gibt es unterschiedliche.
Deshalb werden wir auch weiterhin für einen anderen, besseren Standort und für eine zukunftsfähigere Wirtschaftsentwicklung werben, denn auch wir sind Bürger dieser Region und haben das Recht Einwände zu artikulieren. Persönliche Verleumdungen sollte aber nicht Mittel der politischen Auseinandersetzung sein, denn für eine gemeinsame Entwicklung ist eine sachliche Diskussion unerlässlich. Diskussionen allerdings beenden zu wollen, ohne Einsprüche und Ängste von Menschen durch nachweisbare Fakten zu entkräften oder darauf einzugehen, führt zwangsläufig dazu, daß Menschen einer derartigen Politik den Rücken zukehren und am Demokratieverständnis zweifeln.
In der Hoffnung, das Sie über unsere Motivation, unser Engagement neu nachdenken und sich persönlich ein Bild von den Menschen und deren Motiven machen verbleiben wir
mit vielen Grüssen
Die Mitglieder der Bürgerinitiative Rettung der Goldenen Aue
Sehr geehrte Frau Rinke,
Erschüttert, betroffen, verleumdet?. Diese Reaktionen, ja Gefühlslagen haben Ihre jetzt wiederholten Äußerungen über Kritiker des Industriegebietes Goldene Aue ausgelöst. Eigennutz und Egoismus seien deren Motivation, so Ihre Auslegung. Wären Sie ausschließlich Oberbürgermeisterin der Stadt Nordhausen, so wären diese Äußerungen mit denen Ihres Dezernenten Beyse gleichzusetzen und würden dementsprechend als der übliche und schon gekannte Populismus abgetan und nicht bewertet. Doch gerade durch Ihr führendes Amt als Präses der Evangelischen Kirche Deutschlands und damit in Offenlegung Ihrer christlichen Weltanschauung und dem damit verbundenen Handeln gelten für Sie sicherlich andere Maßstäbe.
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten, so das achte Gebot. Über Menschen urteilen die anderer Meinung sind, Menschen zu beurteilen, ihnen Motive zu unterstellen, ohne mit ihnen auch nur ein einziges Wort gewechselt zu haben, ist nicht nur verwerflich sondern mit Ihrem christlichen Ehrenamt nicht vereinbar. Ja Frau Rinke, es gibt sehr viele Menschen, die gegen die Errichtung eines Industriegebietes in der Goldenen Aue sind. Ist es aber Egoismus, wenn Menschen Angst haben, Angst vor Hochwasser durch die riesige Flächenversiegelung, Angst davor haben durch nächtlichen Lärm krank zu werden.
Ist es wirklich Eigennutz, wenn Familien von Arbeitern der Agrargenossenschaften, wenn Landwirte Angst davor haben, daß durch den Flächenentzug der Felder ihre Existenz bedroht wird? Ist es Eigennutz wenn Einwohner der Goldenen Aue Angst davor haben, das es vielleicht doch stinkt, wenn Schornsteine errichtet werden? Ist es Egoismus wenn Menschen die Kulturlandschaft der Goldenen Aue retten wollen? Ist es Egoismus wenn viele Menschen der festen Überzeugung sind, daß dieses Gebiet für einer derartige Investition völlig ungeeignet ist? Ist es Eigennutz, wenn die Bewohner im Chausseehaus seit Jahren Angst um ihr Zuhause haben, da es in den B-Plänen zum Industriegebiet gar nicht mehr vorhanden ist und ist es wirklich Egoismus der Familie, ihr zuhause, ihre seit über 40 Jahren gewachsene Bindung aufgeben zu müssen?
Sie erhielten Beifall für Ihre Rede zur Eröffnung der Südharz-Messe immer dann, wenn Sie das Industriegebiet als unausweichlich manifestierten, wenn Sie demonstrierten, das Sie diese Landschaft zu einer Industriefläche umwandeln werden. Sie erhielten Beifall von Seiten der Wirtschaft, von denen die sich kurzfristig materiellen Erfolg erhoffen – ist das nicht dann auch Eigennutz und Egoismus?
Sehr geehrte Frau Rinke, viele Menschen glauben Ihnen nicht mehr. Glauben Ihnen und dem Planungsverband nicht mehr, das es zu keinen Beeinträchtigungen des täglichen Lebens kommt. Solange Sie oder besser gesagt, die Stadtverwaltung keine Möglichkeit hat, etwas gegen den Güllegestank in Ihrer eigenen Stadt zu unternehmen, solange glauben die Menschen Ihnen nicht, daß Sie gegen jegliche Beeinträchtigung vorgehen werden und könnten.
Viele Menschen, so auch wir, erkennen Ihre Bemühungen an, die desolate wirtschaftliche Situation verbessern zu wollen. Wir erkennen auch an, das es gelungen ist auf den Altstandorten wieder Betriebe anzusiedeln und wir sind wie Sie der Meinung, das es unerlässlich ist Industriearbeitsplätze entstehen zu lassen, um den Arbeitssuchenden eine Perspektive hier in der Region zu geben. Aber die, die Arbeit suchen und die die Arbeit haben gegeneinander auszuspielen ist der falsche Weg. Strategien, wie eine wirtschaftliche Entwicklung erreicht werden kann, gibt es unterschiedliche.
Deshalb werden wir auch weiterhin für einen anderen, besseren Standort und für eine zukunftsfähigere Wirtschaftsentwicklung werben, denn auch wir sind Bürger dieser Region und haben das Recht Einwände zu artikulieren. Persönliche Verleumdungen sollte aber nicht Mittel der politischen Auseinandersetzung sein, denn für eine gemeinsame Entwicklung ist eine sachliche Diskussion unerlässlich. Diskussionen allerdings beenden zu wollen, ohne Einsprüche und Ängste von Menschen durch nachweisbare Fakten zu entkräften oder darauf einzugehen, führt zwangsläufig dazu, daß Menschen einer derartigen Politik den Rücken zukehren und am Demokratieverständnis zweifeln.
In der Hoffnung, das Sie über unsere Motivation, unser Engagement neu nachdenken und sich persönlich ein Bild von den Menschen und deren Motiven machen verbleiben wir
mit vielen Grüssen
Die Mitglieder der Bürgerinitiative Rettung der Goldenen Aue
| Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. |
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