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Dienstag, 05. Juni 2012, 13:01 Uhr
Noch 25 Tage ist sie im Amt: Barbara Rinke. Doch statt verordneter Ruhe ist im "Rathaus-Revier" der Oberbürgermeister hektische Unruhe. nnz sprach mit der Frau, die Nordhausen 18 Jahre regiert hat, auch über die Zeit "danach"...


Noch geht es hektisch zu im Vorzimmer der Oberbürgermeisterin. Dort am Tresen, hinter dem das Reich von Chef-Sekretärin Renate Schütz beginnt, dort an ihrem scheinbaren Lieblingsarbeitsplatz, stapeln sich Entwürfe von Beschlussvorlagen, eine blaue Abfalltonne mit verschließbarem Deckel steht in der Ecke, Unterschriftsmappen warten.

Es ist eigentlich so wie immer. Und doch nicht. Der Abschied schwingt mit, bei den Dienstberatungen, bei den stattgefundenen Gesprächen mit ihrem Nachfolger. Barbara Rinke muss jetzt ganz schnell das Loslassen lernen. Obwohl sie es nie zugeben wird: Das ist schwer, verdammt schwer. Auch, weil es noch einige Projekte auf den Weg zu bringen gibt.

Da ist zum Beispiel der geplante Bau einer Biogasanlage zwischen Himmelgarten und Leimbach. Die Energieversorgung Nordhausen und ein Partner wollen damit Strom und/oder Wärme erzeugen. Doch so ein Ding kostet Geld, Geld, das auch der Hauptgesellschafter der EVN zur Verfügung stellen muss. Am liebsten hätte Barbara Rinke einen entsprechenden Beschluss im Stadtrat, bevor sie das Rathaus als Oberbürgermeisterin verlässt. Eine Chance dazu gibt es noch am 20. Juni. Ob der Stadtrat jedoch in dieser Zügigkeit mitzieht, das bleibt fraglich.

Oder das neue Spielfeld der Übernahme der EON-Anteile am Thüringer Energieversorger. Für Barbara Rinek keine neue Nachricht, über die Mitgliedschaft in diversen kommunalen Verbänden, Vereinen und Zusammenschlüssen war sie bestens informiert. Im Verband der kommunalen Unternehmen wird sie auch nach dem 30. Juni vertreten sein, diese Zugehörigkeit ist nicht an ein Amt gebunden. "Ich stehe dieser Entwicklung sehr offen gegenüber und hoffe, dass wir gemeinsam die Energieversorgung wieder ein Stück mehr in die Hände der Kommunen legen werden. Ich bin mir sicher, dabei die Unterstützung der Landesregierung zu erhalten."

Wie wird sich also die Zeit gestalten - danach? Wie wird sie diese Zeit gestalten? "Erst einmal werde ich einen langen Urlaub machen und versuchen, alles sacken und abfallen zu lassen", sagt Barbara Rinke im Gespräch mit der nnz. Und dann? Vielleicht suche sie sich einen neuen Job, jedoch keinen, der jeden Tag acht Stunden in Anspruch nimmt. Angebote habe sie: Von Unternehmen, der Landes- oder der Bundespolitik. Und dann ist da auch noch die Arbeit in der Kirche, die sie auch nach dem 1. Juli nicht missen will.

Mitglied des Kreistages werde sie weiter bleiben. Jetzt können sie in diesem Gremium etwas befreiter, weg von den dienstlichen Zwängen, auftreten. Und vielleicht ist ja ihre Erfahrung gefragt. Auch die Stadtratsarbeit reize sie. Die Frage, ob sie zur nächsten Kommunalwahl im Jahr 2014 kandidieren werde, beantwortet sie mit einem klaren Ja. Beraten wird sie ihre SPD-Fraktion - wenn gewünscht - noch intensiver.

Nicht mehr 120 Prozent, aber auch nicht nur 20 Prozent. Das Leben "danach" könnte für die Frau, die nach 18 Jahren noch 25 Tage im Amt ist, genauso spannend bleiben, wie es jetzt noch ist. Fest steht bei allen Offerten: "Ich bleibe Nordhäuserin und bleibe in meiner Heimatstadt wohnen!"
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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