Jetzt lacht das Glück uns an,...
Samstag, 26. Mai 2012, 13:32 Uhr
...bald donnern die Beschwerden. So schrieb der barocke Dichter Andreas Gryphius einst. Seine und andere Texte gibt es jetzt in Heringen zu hören.
Die Mitglieder des Fördervereins Dichterstätte Sarah Kirsch lesen wieder einmal an einem anderen Ort. Dieses Mal ist es Heringen, ist es das restaurierte Schloss, in das sie mit der Interessengemeinschaft Schloss Heringen einladen, denn es spricht sich mehr und mehr herum, dass dieses imposante Gebäude in seinem Inneren eine abwechslungs-reiche Raumgestaltung besitzt und beim Renovieren mehrere beeindruckende Wandmalereien gefunden wurden. In einem der bildreichen Räume im ersten Stock werden am 2. Juni 2012 um 14.30 Uhr drei Dichter der Barockzeit vorgestellt, deren Wortgewalt bis heute begeistert: Andreas Gryphius, Paul Gerhardt, Paul Fleming.
Dieser Raum könnte nach Kain und Abel benannt werden, denn dieses Geschwisterpaar ist auf einem der Bilder dargestellt. Es geht bei den beiden beim Kämpfen um Leben und Tod. Eine mörderische Zeit erlebten die drei Dichter im Dreißigjährigen Krieg. Dennoch schrieben sie auch Gedichte voller Lebensbejahung. Ein weiterer Grund, im Heringer Schloss barocke Dichtung zu lesen, ergibt sich aus der Tatsache, dass Dr. Peter Kuhlbrodt neue Erkenntnisse über die Vorfahren des barocken Dichters Anreas Gryphius (Greif) veröffentlichte , die in unserer Region, in Heringen und Uthleben, gelebt haben. Sein Urgroßvater Peter Gryphius z. B. war lange Jahre Vorsteher der Kirche in Heringen und galt als gelehrter frommer Mann. Er wird auch als Prediger in Uthleben erwähnt und starb mit 98 Jahren. Einen nächsten Grund für die Lesung barocker Dichtkunst im Schloss bietet die verwitwete Gräfin Clara von Schwarzburg, geb. Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, die 1658 in Heringen verstarb.
Andreas Gryphius kam am 2. 10. 1616 in Glogau in Schlesien, jetzt Polen, zur Welt. Er lebte bis 1664 und gilt als der überragende Lyriker und Dramatiker des 17. Jahrhunderts in Deutschland. Oft düster und schwermütig, keine Beschönigung und klägliche Demut kennend, wird er zum dichterischen Sinnbild deutschen Schicksals im Dreißigjährigen Krieg. Seine Verse sind aufwühlend und besitzen starke Form- und Bildkraft.
Ihm zur Seite werden zwei Dichter gestellt, die mit ihm die deutsche Dichtkunst des Barocks und weit darüber hinaus entscheidend beeinflussten: Paul Gerhardt (1607-1676) und Paul Fleming (1609–1640). Durch die kunstvollen Worte dieser Drei erfährt man viel über die Zeit, als die Welt durch Machthunger aus dem Gleichgewicht kam. In den Zeiten dieser Vernichtung der Kultur schafften es Dichter und Literaturgelehrte, die deutsche Sprache nach Martin Luther zu neuer Blüte zu führen.
Paul Gerhardts gefühlsinnige, volksliedhaft schlichte Lieder zeugen von einer tiefen protestantischen Gläubigkeit. Sie zeigen seine aufrichtige, tüchtige Gesinnung, sein frisches Verhältnis zur Natur und zu den Alltagsfreuden. Sein Gottvertrauen ist nicht zu erschüttern.
Paul Fleming gehört zu den großen Talenten deutscher Lyrik, der in seinem kurzen Leben, angefüllt jedoch mit intensivem Erleben, gefühlsstarke Gedichte schrieb, die bis hin zu Johann Wolfgang Goethe führen. Er studierte Medizin und wurde 1631 zum Dichter gekrönt. Er nahm an einer Expeditions– und Gesandtschaftsreise nach Moskau und Persien teil. Verstorben ist er ein Jahr nach seiner Rückkehr in Hamburg, wo er als Arzt tätig war.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz/knDie Mitglieder des Fördervereins Dichterstätte Sarah Kirsch lesen wieder einmal an einem anderen Ort. Dieses Mal ist es Heringen, ist es das restaurierte Schloss, in das sie mit der Interessengemeinschaft Schloss Heringen einladen, denn es spricht sich mehr und mehr herum, dass dieses imposante Gebäude in seinem Inneren eine abwechslungs-reiche Raumgestaltung besitzt und beim Renovieren mehrere beeindruckende Wandmalereien gefunden wurden. In einem der bildreichen Räume im ersten Stock werden am 2. Juni 2012 um 14.30 Uhr drei Dichter der Barockzeit vorgestellt, deren Wortgewalt bis heute begeistert: Andreas Gryphius, Paul Gerhardt, Paul Fleming.
Dieser Raum könnte nach Kain und Abel benannt werden, denn dieses Geschwisterpaar ist auf einem der Bilder dargestellt. Es geht bei den beiden beim Kämpfen um Leben und Tod. Eine mörderische Zeit erlebten die drei Dichter im Dreißigjährigen Krieg. Dennoch schrieben sie auch Gedichte voller Lebensbejahung. Ein weiterer Grund, im Heringer Schloss barocke Dichtung zu lesen, ergibt sich aus der Tatsache, dass Dr. Peter Kuhlbrodt neue Erkenntnisse über die Vorfahren des barocken Dichters Anreas Gryphius (Greif) veröffentlichte , die in unserer Region, in Heringen und Uthleben, gelebt haben. Sein Urgroßvater Peter Gryphius z. B. war lange Jahre Vorsteher der Kirche in Heringen und galt als gelehrter frommer Mann. Er wird auch als Prediger in Uthleben erwähnt und starb mit 98 Jahren. Einen nächsten Grund für die Lesung barocker Dichtkunst im Schloss bietet die verwitwete Gräfin Clara von Schwarzburg, geb. Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, die 1658 in Heringen verstarb.
Andreas Gryphius kam am 2. 10. 1616 in Glogau in Schlesien, jetzt Polen, zur Welt. Er lebte bis 1664 und gilt als der überragende Lyriker und Dramatiker des 17. Jahrhunderts in Deutschland. Oft düster und schwermütig, keine Beschönigung und klägliche Demut kennend, wird er zum dichterischen Sinnbild deutschen Schicksals im Dreißigjährigen Krieg. Seine Verse sind aufwühlend und besitzen starke Form- und Bildkraft.
Ihm zur Seite werden zwei Dichter gestellt, die mit ihm die deutsche Dichtkunst des Barocks und weit darüber hinaus entscheidend beeinflussten: Paul Gerhardt (1607-1676) und Paul Fleming (1609–1640). Durch die kunstvollen Worte dieser Drei erfährt man viel über die Zeit, als die Welt durch Machthunger aus dem Gleichgewicht kam. In den Zeiten dieser Vernichtung der Kultur schafften es Dichter und Literaturgelehrte, die deutsche Sprache nach Martin Luther zu neuer Blüte zu führen.
Paul Gerhardts gefühlsinnige, volksliedhaft schlichte Lieder zeugen von einer tiefen protestantischen Gläubigkeit. Sie zeigen seine aufrichtige, tüchtige Gesinnung, sein frisches Verhältnis zur Natur und zu den Alltagsfreuden. Sein Gottvertrauen ist nicht zu erschüttern.
Paul Fleming gehört zu den großen Talenten deutscher Lyrik, der in seinem kurzen Leben, angefüllt jedoch mit intensivem Erleben, gefühlsstarke Gedichte schrieb, die bis hin zu Johann Wolfgang Goethe führen. Er studierte Medizin und wurde 1631 zum Dichter gekrönt. Er nahm an einer Expeditions– und Gesandtschaftsreise nach Moskau und Persien teil. Verstorben ist er ein Jahr nach seiner Rückkehr in Hamburg, wo er als Arzt tätig war.
Heidelore Kneffel

