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Der große Reformator

Dienstag, 11. November 2003, 09:42 Uhr
Kinderchor Nordhausen (nnz). Einmal im Jahr gibt sich der bekannteste und erfolgreichste christliche Reformator, Dr. Martin Luther, die Ehre. Anläßlich seines Geburtstags am 10. November wird in Nordhausen an einen gern gesehenen Gast erinnert.


Grimmig schaut Luthers Kopf von seinem Sockel herunter, auf Kinder mit Laternchen, auf alte Nordhäuser und viele friedliche Menschen. Wo sind bloß die Bauern geblieben, die kleinen Bürger, die für die “Freiheit eines Christenmenschen" kämpften? 1525 nämlich, da hatten viele Nordhäuser genug von ihren alten Herrschern, von den Verhältnissen in denen sie leben mußten, von fortschreitender Entrechtung und höheren Abgaben. Luther wollte sie beruhigen, aber nicht mal auf den Reformator wollten die Nordhäuser hören.

Die gestrige Predigt wurde nicht verhöhnt, es wurde nicht mit Schellen geklingelt, kein wütender Mob zog durch die Straßen. Alle sangen brav “Ein feste Burg ist unser Gott", marschierten brav zum Rathaus, um der Enthüllung von Luthers Büste beizuwohnen. Am Rathaus flatterte eine “Stadt in Not"-Fahne, einziger Protest. Dabei können eigentlich besonders die Ostdeutschen für die eigenen Rechte eintreten, einen Tag vor Luthers Geburtstag, am 9. November, erwirkten sie 1989 die Grenzöffnung und damit eine gewaltfreie Revolution. Sicher hätte das dem Luther gefallen, so viele Bürger, die für eine gerechte Sache eintreten.

Lutherbüste Am gestrigen Abend wollten sie nur feiern und nichts bewirken. “Ein offenes Herz schließt Türen auf" wählte der ökumenische Gottesdienst zum Motto. Offen für Gott und offen für den Nächsten, auch den unterdrückten Nächsten, für Mitbürger, denen es nicht gut geht. Der katholische Heilige Martin von Tours teilte seinen Mantel mit einem Bettler, in zeitgemäßer Sprache von Jugendlichen vorgeführt. Sollte man sich von so viel Opferbereitschaft nicht eine Scheibe abschneiden? Wenn alle teilen und sich die Mächtigen nicht alles untern Nagel reißen um es zu verprassen, dann könnte es doch wirklich allen Menschen gut gehen? Am Bruttosozialprodukt gemessen ist Deutschland ein reiches Land. Wenn da umverteilt würde, dann könnte sich auch davon jeder eine Scheibe abschneiden.

Feuerwerk
Martin Luther riet in Bildung zu investieren und damit in die Zukunft, denn Wissen ist ja bekanntlich Macht. Das war ein mutiger Schritt in die richtige Richtung, der heute konsequent weitergeführt werden muß. Das mahnte auch Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) in ihrer Ansprache an. Als erste Stadt, welche die Reformation umsetzte, sollte Nordhausen wieder einmal mit gutem Beispiel vorangehen. In Zukunft wird der alte Reformator auf dem Lutherplatz darüber wachen.

Das Volksfest mit Gottesdienst, Auftritt des evangelischen Kinderchors, Glühweinständen auf dem Rathausplatz und dem großen Höhenfeuerwerk gefiel den Bürgern. Martinsbrezeln gab`s auch. Gebt uns Brot und Zirkusspiele?
Autor: wf

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