nnz-online

Eine Fahrt ins Paradies

Samstag, 12. Mai 2012, 12:39 Uhr
Seit Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden, ist es für Lebende mit gewissen Schwierigkeiten verbunden, da wieder hinein zu kommen. Zuflucht nimmt man gelegentlich zu Hilfskonstruktionen; etwa so: „Soweit die Erde Himmel sein kann, ist sie es in einer glücklichen Ehe“...

Wallfahrer unterwegs (Foto: E. Seifert) Wallfahrer unterwegs (Foto: E. Seifert)

Am Freitagabend unternahmen Mitglieder der katholischen Kirchengemeinden von Nordhausen, Bleicherode und Großlohra erneut einen Versuch, ins Paradies zu gelangen. Nicht in das biblische, sondern in das am Ortsrand von Neubleicherode im Eichsfeld gelegene, das sich so nennt. Ein schönes Stückchen Erde mit Einrichtungen für gottesdienstliche Feiern und geselliges Zusammensein im Freien. Der Versuch indessen misslang.

Zwar stand kein Engel mit flammendem Schwert vor dem Eingang, der den Zutritt verwehrte, und auch kein „Portner“ wie in dem bayrischen Volksstück „Der Brandner-Kaspar und das ewig` Leben“ von Franz von Kobell, vom bayrischen Fernsehen inzwischen in zwei unterschiedlichen, jedoch beidermaßen vergnüglichen Fassungen gesendet. Nein, der Grund war „meteorologischer Natur“: das Aufeinandertreffen von kalten und schwül-warmen Luftmassen mit den entsprechenden Regengüssen.

Aufgenommen (Foto: E. Seifert) Aufgenommen (Foto: E. Seifert)

„Asyl“ fanden die Wallfahrer in der Kirche im eichsfeldischen Neustadt, wo sie gemeinsam mit dem dortigen Kirchenchor und mit den „mitgebrachten“ Bläsern aus Großlohra ihre gottesdienstliche Feier hielten. Für das anschließende „Picknick-Asyl“ öffnete sich bereitwillig die Tür des Saals der Neustädter Kirchengemeinde, die ebenso wie Bleicherode und Großlohra keinen „eigenen“ Pfarrer mehr hat. Gleiches Schicksal verbindet!

Die Vorstellungen von einem „Paradies“ variieren. Heute sind es schon „paradiesische Zustände“, wenn eine Gemeinde auch für eine andere da ist und Gemeindemitglieder nicht aufeinander losgehen, sondern mitgebrachte Picknick-Köstlichkeiten miteinander teilen. Ein verführerischer Apfel wurde in diesem Paradies übrigens nicht gesichtet. Dafür aber viel, was auf Tschechisch übrigens beziehungsreich „rajcata“ heißt; in wörtlicher deutscher Übersetzung „Paradiesapfel“, in österreichischer Übersetzung „Paradeiser“, was dann hochdeutsch zur „Tomate“ wird. So oder so: Im „Paradies“ hat´s geschmeckt!
Eduard Seifert
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de