Betrachtet: Wie weiter?
Donnerstag, 06. November 2003, 12:51 Uhr
Nordhausen (nnz). Die nnz hat heute die aktuellen Zahlen des Nordthüringer Arbeitsmarktes veröffentlicht. Dabei fiel der Redaktion eine Zahl ins Auge: 44,5 Prozent. Das Teuflische dieser Zahl gibt Anlaß zu einer Betrachtung.
44,5 Prozent der jetzt im Landkreis Nordhausen Arbeitslosen sind Langzeitarbeitslose, das heißt, diese 4.144 Frauen und Männer sind länger als ein Jahr ohne Job. Mehr noch, von ihnen sind 2.279 länger als zwei Jahre ohne Arbeit. Zahlen, die erschrecken. Vor allem aber im kommenden Jahr wird es schlimmer, denn ab dem 1. April 2004 soll das so genannte Arbeitslosengeld II in Kraft treten. Dann rutschen alle die, die länger als zwölf Monate ohne Job sind, in eine soziale Schieflage.
Pauschal stehen diesen Menschen dann 331 Euro im Monat zur Verfügung. 331 Euro, von denen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Nun meinen zwar unsere Regierenden, dass jeder jede ihm angebotene Arbeit annehmen soll, doch eine Frage bleibt erlaubt: Gibt es überhaupt soviel Arbeit, die verteilt werden kann? In einigen Regionen Deutschlands vielleicht, aber wie sieht es konkret im Landkreis Nordhausen aus? Die Frage wird nicht beantwortet, doch jeder kennt die Antwort. Zum Beispiel der 52jährige oder die 56jährige. Die würden vielleicht gern noch arbeiten, doch sie sind nicht mehr vermittelbar.
Aber ihnen steht ja das Arbeitslosengeld II zu – 331 Euro im Monat. Davon kann dann Miete, können Nebenkosten, kann der Lebensunterhalt bezahlt werden. Das Abrutschen in eine noch nicht in diesem Land gekannte Form der sozialen Armut mit all ihren gesellschaftlichen Folgen für den Einzelnen aber eben auch für die Gesellschaft ist vorprogrammiert. Weniger Geld in der privaten Kasse, das bedeutet auch weniger Geld zum Ausgeben. Die Kaufkraft wird in den Keller rutschen, erst langsam, dann immer schneller, sind sich Experten einig. Aber wen interessiert in Deutschland so die Binnennachfrage. Arbeitslose kaufen keine Autos.
Jedoch: Das Problem der Langzeitarbeitslosen ist kein Nordhäuser Problem. Auch die alten Bundesländer haben damit zu tun. In Bochum, der Partnerstadt von Nordhausen, liegt deren Anteil noch höher, bei fast 47 Prozent. Selig können sich die kommunalen Perlen in diesem Land wie München oder Frankfurt/Main nennen. Dort werden die Quoten mit 24 bzw. 28 Prozent ausgewiesen.
Und dann hat die nnz noch eine andere interessante Kennziffer gefunden: Im Landkreis Nordhausen gibt es – trotz eines massiven Abbaus in den letzten Jahren – noch 334 Frauen und Männer in ABM. Und das bei 9.313 Arbeitslosen, das sind 3,6 Prozent. In München gab es im Oktober rund 90.000 Arbeitslose, also zehnmal mehr als bei uns. Und es gab 287 Beschäftigte in ABM, macht schlaffe 0,3 Prozent. Kein Wunder, dass Herr Stoiber die Abschaffung der ABM fordert. Die 0,3 Prozent, die sind in München zu verkraften.
Autor: nnz44,5 Prozent der jetzt im Landkreis Nordhausen Arbeitslosen sind Langzeitarbeitslose, das heißt, diese 4.144 Frauen und Männer sind länger als ein Jahr ohne Job. Mehr noch, von ihnen sind 2.279 länger als zwei Jahre ohne Arbeit. Zahlen, die erschrecken. Vor allem aber im kommenden Jahr wird es schlimmer, denn ab dem 1. April 2004 soll das so genannte Arbeitslosengeld II in Kraft treten. Dann rutschen alle die, die länger als zwölf Monate ohne Job sind, in eine soziale Schieflage.
Pauschal stehen diesen Menschen dann 331 Euro im Monat zur Verfügung. 331 Euro, von denen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen. Nun meinen zwar unsere Regierenden, dass jeder jede ihm angebotene Arbeit annehmen soll, doch eine Frage bleibt erlaubt: Gibt es überhaupt soviel Arbeit, die verteilt werden kann? In einigen Regionen Deutschlands vielleicht, aber wie sieht es konkret im Landkreis Nordhausen aus? Die Frage wird nicht beantwortet, doch jeder kennt die Antwort. Zum Beispiel der 52jährige oder die 56jährige. Die würden vielleicht gern noch arbeiten, doch sie sind nicht mehr vermittelbar.
Aber ihnen steht ja das Arbeitslosengeld II zu – 331 Euro im Monat. Davon kann dann Miete, können Nebenkosten, kann der Lebensunterhalt bezahlt werden. Das Abrutschen in eine noch nicht in diesem Land gekannte Form der sozialen Armut mit all ihren gesellschaftlichen Folgen für den Einzelnen aber eben auch für die Gesellschaft ist vorprogrammiert. Weniger Geld in der privaten Kasse, das bedeutet auch weniger Geld zum Ausgeben. Die Kaufkraft wird in den Keller rutschen, erst langsam, dann immer schneller, sind sich Experten einig. Aber wen interessiert in Deutschland so die Binnennachfrage. Arbeitslose kaufen keine Autos.
Jedoch: Das Problem der Langzeitarbeitslosen ist kein Nordhäuser Problem. Auch die alten Bundesländer haben damit zu tun. In Bochum, der Partnerstadt von Nordhausen, liegt deren Anteil noch höher, bei fast 47 Prozent. Selig können sich die kommunalen Perlen in diesem Land wie München oder Frankfurt/Main nennen. Dort werden die Quoten mit 24 bzw. 28 Prozent ausgewiesen.
Und dann hat die nnz noch eine andere interessante Kennziffer gefunden: Im Landkreis Nordhausen gibt es – trotz eines massiven Abbaus in den letzten Jahren – noch 334 Frauen und Männer in ABM. Und das bei 9.313 Arbeitslosen, das sind 3,6 Prozent. In München gab es im Oktober rund 90.000 Arbeitslose, also zehnmal mehr als bei uns. Und es gab 287 Beschäftigte in ABM, macht schlaffe 0,3 Prozent. Kein Wunder, dass Herr Stoiber die Abschaffung der ABM fordert. Die 0,3 Prozent, die sind in München zu verkraften.
