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nnz-Forum: Das habe ich gemacht...

Freitag, 27. April 2012, 12:14 Uhr
Diesen Artikel hier. Und ganz allein, ohne irgendwo abzuschreiben, ohne fremde Hilfe. Mit dem Abstand von 666 km Luftlinie und 803 km Straße ist die Entfernung zur Heimat wohl groß genug, um nur nach „Aktenlage“ klüger zu werden. Hier also ein persönlicher Rück- und Ausblick auf Kommunal-Wahlkampf und Kommentare eines nnz-Lesers...


Außer den beiden „Grünen“ (dieses Wortspiel ist vollkommen ungewollt) waren alle Kandidaten alt genug, um die Verhältnisse in der DDR zumindest noch gut zu kennen. Hier sind viele Wähler heute schon klar im Nachteil und deren Meinung, die/der „war doch Blockflöte“, SED-Mitglied oder gar irgendwo in einer Führungsposition ist manchmal richtig.

Dabei muss man aber wissen, dass Opposition in der DDR fast schon ein Fremdwort war und wer sie deutlich erkennbar ausübte, landete bestenfalls auf der Ausbürgerungsliste, schlimmstenfalls aber in Strafanstalten und unter Ulbricht auch in Sibirien oder wurde hingerichtet. Im Wissen darüber haben viele der damaligen „Oppositionellen“ wohl mit den Wölfen geheult und doch für die Schafe gekämpft. Wie viele weiß ich auch nicht, aber ein paar kenne ich.

So verwundert bis verärgert im Nordhäuser Kommunalwahlkampf das persönliche Gezänk der Kandidaten, Journalisten und Kommentatoren untereinander, miteinander und überhaupt. Wenn man sich dann weiter nichts vorzuwerfen hat, als die Parteizugehörigkeit, bleibt nur festzustellen: Thema verfehlt.

Es kann den Wählern in Stadt und Landkreis doch herrlich egal sein, welcher Partei ein(e) Kandidat(in) angehört. Entscheidend ist, was sie/er plant für das Territorium und welche Wege eingeschlagen werden sollen, um die Ziele zu erreichen. Ideal wäre, dass die Damen und Herren Kandidaten bereits im Wahlkampf ihr Team vorstellen, so dass diese Teams an den Start gehen und es einen fairen Wahlkampf für Stadt und Landkreis ohne Parteiengezänk gibt. Ich glaube nämlich, dass einige der in Artikeln und Kommentaren gemachten Äußerungen auf Angst um den eigenen Job oder das eigene Mandat zurückzuführen sind.

Bedenken Sie, wer mit Schmutz wirft, wird selbst dreckig. Einige Autoren und Kommentatoren im Vorfeld der Wahl und jetzt der Stichwahl hatten und haben leider nur das eine Ziel, den bei ihnen jeweils unbeliebteren Kandidaten mit Schmutz zu bewerfen. Dass sich jetzt sogar ein Mitglied einer Stadtratsfraktion dazu herab lässt, empfinde ich als die Krone schlechten Benehmens und als Selbst-Disqualifikation für einen Stadtratssitz.

Sie wollen eine Wahlempfehlung von mir? Aber gerne: Gehen Sie zur Stichwahl oder nutzen Sie die Briefwahl. Wenigstens in der Wahlbeteiligung sollten wir in Stadt und Kreis mal wieder ein positives Zeichen setzen.

Wen Sie wählen sollen? Da will ich Ihnen nicht reinreden. Aber wenn Sie noch unsicher sind, geben Sie denen Ihre Stimme, die den saubersten Wahlkampf gemacht haben bzw. machen ließen. Es sollte bei einer Kommunalwahl um Sachlichkeit gehen. Damit, dass man andere verteufelt, wird kein einziges kommunales Problem gelöst. „Man kann immer seinen Standpunkt ändern, weil dir niemand verbieten kann, klüger zu werden.“ Auch von dem in diesem Medium schon öfter zitierten Konrad Adenauer. Wenn Sie es lieber von Helmut Schmidt lesen möchten: „Politiker und Journalisten teilen sich das Schicksal, dass sie heute über Dinge reden, die sie erst morgen ganz verstehen...“
Jürgen Wiethoff, weit weg von Nordhausen
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Autor: nnz

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