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Bordell in der Hölle

Mittwoch, 05. November 2003, 10:28 Uhr
Nordhausen (nnz). Die Arbeits- und Vernichtungsmaschinerie der Nazi war nahezu perfekt. Auch an Bordelle wurde gedacht, auch im KZ Mittelbau-Dora gab es sie. Dazu liegen jetzt neue Forschungsergebnisse vor, die in der Fachhochschule vorgestellt werden sollen.


Das 27. Dora-Kolloquium findet am kommenden Montag in der Fachhochschule Nordhausen statt. Der Kulturwissenschaftler Robert Sommer aus Berlin wird über das Thema der Häftlingsbordelle in nationalsozialistischen Konzentrationslagern vortragen. Dieses Thema ist der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt und wurde und auch von der Forschung bisher vernachlässigt. Durch einen direkten Befehl Himmlers wurden ab 1942 in fast allen großen Konzentrationslagern Bordelle für Häftlinge eingerichtet. Robert Sommer, Doktorand an der Humboldt-Universität zu Berlin, betrachtet diesen Befehl im Zusammenhang mit der Forcierung der wirtschaftlichen Interessen der SS. Der Bordellbesuch wurde als „besondere Belohnung“ für „Spitzenkräfte“ in die „Prämienverordnung“ vom Mai 1943 eingebunden.

Das letzte KZ-Bordell wurde in Mittelbau-Dora Ende 1944 oder Anfang 1945 errichtet. Zwei Gruppen von Frauen, die eine aus Auschwitz, die andere aus Ravensbrück, mussten im Schichtbetrieb mit Männern sexuell verkehren. Am Beispiel des KZ-Bordells Mittelbau-Dora soll der Widerspruch zwischen Planung und Realität sowie zwischen Wirtschaftsinteressen und Vernichtung dargestellt werden. Alle Interessierten sind eingeladen, an dem Vortrag und der anschließenden Diskussion teilzunehmen. Der Eintritt ist frei. Am 10. November 2003 um 17.00 Uhr in der Fachhochschule Nordhausen, Haus 19, Hörsaal 2
Autor: nnz

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