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Ärztenotstand auf dem Land

Dienstag, 04. November 2003, 14:02 Uhr
Nordhausen/Werther (nnz). Ein Bürgermeister ist so ziemlich für alles zuständig, denken die Bürger. Und er soll Probleme klären, selbst wenn er nicht dafür zuständig ist. Klaus Hummitzsch hat ein solches Problem. „Ihm“ fehlen in der Einheitsgemeinde die Ärzte. Ein Einzelfall? nnz ist dem nachgegangen.


Seit rund drei Monaten ist die ehemalige Arztpraxis in Großwechsungen dicht. Sie war eine von zwei „allgemein-medizinischen Versorgungsstellen“ in der Einheitsgemeinde. Jetzt gibt es nur noch eine Praxis, in Werther. Sprechstunden werden zur Geduldsprobe für die Patienten, lange Schlangen schon vor Praxisöffnung sind keine Seltenheit. Die Arzt-Misere könnte sich aber noch verschärfen für die Menschen in Werther, Klein- oder Großwechsungen. Nicht mehr lange, und dann wird sich das ältere Arztehepaar in Werther in den Ruhestand verabschieden.

Das Problem hat sich zwar in Werther verschärft, doch es ist kein Einzelfall im Landkreis Nordhausen. Das weiß auch Dr. Herbert Spiller. Der Arzt in Niedersachswerfen ist der Vorsitzende der Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung. Nach seinen Worten sind derzeit im Landkreis mindestens 16 Stellen von ambulanten Ärzten nicht besetzt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, liegen aber immer im fehlenden Nachwuchs begründet. So gehen junge ausgebildete Mediziner nach ihrem Abschluß in die alten Bundesländer. Dort können Sie bis zu 26 Prozent mehr Honorar für ihre Leistungen fordern. Und dann ist in den zurückliegenden Jahren auch ein weiterer Trend zu verspüren. Der Mediziner-Zug fährt nach nnz-Informationen zunehmend in Richtung Skandinavien ab. Mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen – zwei gewichtige Gründe für die Arbeitsplatzentscheidung. So haben sich vom letzten, 120 Studenten starken Exmatrikulationsjahrgang der Friedrich-Schiller-Universität in Jena mal gerade zwei „frische“ Mediziner für eine Niederlassung in Thüringen entschieden. Und die traten in die Praxis ihrer Eltern ein.

In der Stadt Nordhausen ist der Ärztemangel momentan nicht das Problem, doch die zunehmende „Einwanderung“ ländlicher Patienten könnte eventuell zu einer Überforderung der Nordhäuser Ärzte führen, obwohl die Patienten im ländlichen Raum eher sehr bodenständig seien. Und dann gibt es auch noch das Generationenproblem. In den nächsten fünf bis zehn Jahren scheiden etliche Allgemeinmediziner als Altersgründen aus ihrem Beruf aus. Und für „Neue“ wird das Umfeld Nordhausen in Thüringen nicht wesentlich attraktiver.
Autor: nnz

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