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Wo steht THüringen?

Freitag, 20. April 2012, 12:30 Uhr
Eine neue Ost-West-Debatte und eine Studie führender Forschungsinstitute zur wirtschaftlichen Situation der ostdeutschen Bundesländer haben in den vergangenen Wochen die Frage nach deren Entwicklung und der Angleichung an westdeutsche Lebensverhältnisse erneut aufgeworfen. Wo steht Thüringen im innerdeutschen Vergleich anhand ausgewählter ökonomischer Daten...


„2011 war für die Thüringer Wirtschaft ein sehr erfolgreiches Jahr“, sagt Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt. Mit einem Plus des Bruttoinlandsproduktes von 3,4 Prozent rangiere der Freistaat deutschlandweit auf Rang 3, nur Baden-Württemberg und das Saarland würden höhere Werte aufweisen.

„Erstmals seit 2006 hat das Wirtschaftswachstum in Thüringen wieder über dem Schnitt Westdeutschlands gelegen und die Region damit Boden gegenüber den alten Ländern gutgemacht“, so der IHK-Chef. Fakt sei jedoch: Der Aufholprozess verlangsame sich. Seit dem Ende der 1990er Jahre schwäche sich die Dynamik ab. Stieg die Produktivität (Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen) zwischen 1991 und 2000 in Thüringen um fast das Dreifache (von 13.993 auf 37.184 Euro je Erwerbstätigen), so betrug der Zuwachs im Zeitraum von 2001 bis 2010 gerade noch 23 Prozent.

Im regionalen Produktivitätsvergleich erbringt Ostdeutschland inzwischen rund 78 Prozent des Westniveaus. Thüringen kommt mit knapp 49.000 Euro je Erwerbstätigen auf ca. 76 Prozent. Beim Blick auf die Daten der einzelnen Bundesländer falle jedoch auf, dass Sachsen und Thüringen nur unterdurchschnittliche Werte erreichen, während Brandenburg und Sachsen-Anhalt (rund 80 Prozent) sich etwas weiter an das westdeutsche Niveau angenähert haben.

„Nicht zu übersehen ist, dass vor allem die Thüringer Industrie einen bemerkenswerten Aufholprozess vollzogen hat“, unterstreicht Grusser. Im Freistaat erwirtschaftet das Verarbeitende Gewerbe inzwischen 25 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung und liegt damit über dem Durchschnitt der neuen Bundesländer (19,8 Prozent) und Westdeutschlands (24,5 Prozent). Mehr als die Hälfte des Industrieumsatzes wird vom Ernährungsgewerbe, der Metallbranche, der Elektrotechnik/Optik sowie dem Fahrzeugbau und der Zulieferindustrie erbracht.

„Deutlichen Nachholbedarf hat die Industrie aber noch beim Auslandsumsatz“, verweist Grusser auf die Exportquote des Verarbeitenden Gewerbes, die in Ostdeutschland 2011 bei 34,4 Prozent lag und damit deutlich unter dem Wert der westlichen Bundesländer von 47,5 Prozent. Thüringen kam auf 31,5 Prozent. Die Chancen in den nächsten Jahren an Exportkraft zu gewinnen, stünden jedoch nicht schlecht. Je stärker die heute noch kleinen und mittleren Unternehmen wachsen bzw. durch Kooperationen die größenbedingten Nachteile ausgleichen würden, desto eher kämen auch weitere Auslandsstrategien in Betracht.
Autor: nnz

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