nnz-online

Unser Lehrer war Feuer und Flamme

Freitag, 20. April 2012, 07:41 Uhr
Bis auf wenige Ausnahmen waren sie alle schon zwischen 70 und 80 Jahre alt, die einst die Dorfschule in Günzerode besuchten und sich dieser Tage zum Schülertreffen in der Gaststätte „Am Hagen“ einfanden. In zwei Jahren wollen sie sich wieder zusammenfinden. Der Termin steht schon fest: Freitag nach Ostern 2014. Ein Bericht von Kurt Frank.

Klassentreffen in Günzerode (Foto: privat) Klassentreffen in Günzerode (Foto: privat)

Episoden und Erinnerungen an eine Zeit wurden wach, die zu den schönsten im Leben zählt. Lehrer Gerhard Stolz war erneut angereist. Vor 62 Jahren unterrichtete der heute 83-Jährige im Ort. Herzlich begrüßten ihn ehemalige Schüler. Erika Hoyer überreichte dem Gast einen Blumenstrauß. Auch der hatte für seine „liebe Schülerin“ und Organisatorin des Treffens ein Blumengebinde parat.

Mit dem Bau einer Freilichtbühne setzte sich Lehrer Stolz 1950 ein Denkmal. Mit Theateraufführungen, Auftritten der Laienspielgruppe, Musik und Volkstänzen, alles selbst mit den Kindern einstudiert, belebte der junge Pädagoge sein Werk. Unser Lehrer, sagen seine einstigen Schützlinge Margot Hackert und Siegfried Tomuschat , brannte für seine Ideen, war Feuer und Flamme. Das ist wohl der Grund, weshalb ihn die Ehemaligen immer wieder gern zum Schülertreffen einladen. Es ist zu einer guten Tradition geworden, alle zwei Jahre eine solche Veranstaltung zu organisieren. „Solange uns die Füße tragen und der Kopf noch klar ist, wollen wir in gemütlicher Runde auch künftig zusammenkommen“, brachte es Erika Hoyer auf den Punkt.

Leider geht in dem kleinen Ort nicht nur die Einwohnerzahl stetig zurück, vielmehr auch die Anzahl derer, die hier einmal zu Schule gingen. Günzerode zählt derzeit 221 Seelen, 108 Männer und 113 Frauen. Insgesamt 18 Personen weniger als zum Schülertreffen 2008. Dank der Umsiedler (154 Personen) war 1948 die Einwohnerzahl auf 480 angewachsen. Absoluter Rekord in der Geschichte des Dorfes. 80 Mädchen und Jungen erwarben Wissen. Etappenweise. Klasse 1 bis 4 vormittags, Klasse 5 bis 8 am Nachmittag. Oder umgekehrt. Nur noch 17 Einwohner im schulfähigen Alter von 6 bis 16 Jahren hat das kleine Dorf derzeit. 1969 schloss die Dorfschule ihre Pforten. Hildegard Feist war die letzte Lehrerin der damals nur noch Zubringerschule für die Klassen 1 bis 3. Mit einer Schweigeminute gedachte man der Ehemaligen, die schon verstorben sind. Als Gerhard Stolz an sie erinnerte, sah und hörte man es ihm an, wie schwer ihm seine Worte des Gedenkens fielen.

Wilhelm Roth, der jetzt in Heiligenstadt wohnt, lebt und arbeitet heute als Rentner für den Schutz der Natur, ihrer Fauna und Flora. Er hatte eine Dokumentation aufgebaut, die anschaulich darüber informierte, was man beispielsweise für den Schutz von Wildbienen und der Mauersegler tun kann. Roth präsentierte ein selbst gebautes Insektenhotel für die kleinen Nützlinge. Er baut Nisthilfen für Vögel und schafft Ersatz für durch Renovierungen verloren gegangene Brutmöglichkeiten der Mauersegler. Lehrer Stolz war beeindruckt. Gerhard Seitz so begeistert, dass er jetzt selbst auch ein „Bienenhotel“ zimmern will.

Vor über 60 Jahren unterrichtete Gerhard Stolz (rechts) in Günzerode. Herzlich begrüßten ihn seine ehemaligen Schützlinge Margot Hackert und Siegfried Tomuschat, die sich gern an die Schulzeit mit ihrem Lehrer erinnern. Die Ehemaligen luden ihn zum nächsten Schülertreffen ein. Stolz will in zwei Jahren wieder kommen.
Kurt Frank
Autor: nnz

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 nnz-online.de