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Blick auf den Grimmel

Dienstag, 10. April 2012, 15:42 Uhr
Als das Kunsthaus Meyenburg 2011 die Sonderausstellung „Künstlerinnen und Künstler um Caspar David Friedrich“ zeigte, waren auch dreizehn Bilder des Malers Wilhelm Eichler zu sehen. Eines davon war in keinem guten Zustand. Dazu ein Beitrag von nnz-Autorin Heidelore Kneffel...

Das Gemälde von Eichler (Foto: privat) Das Gemälde von Eichler (Foto: privat)
August Wilhelm Eichler (1801-1872) und sein kürzlich restauriertes Ölgemälde von 1865 mit Blick auf Nordhausen vom Südwesten her

Da es sich aber um ein malerisch gelungenes Ölgemälde handelt und einen sehr interessanten Blick auf die Stadt Nordhausen gewährt, wurde es ausgestellt. Im Hinterkopf gab es den Gedanken, dass Besucher bereit wären, einen Beitrag zur Restaurierung zu spenden. So geschah es, denn neun Frauen und Männer gaben einen Obolus, so dass das Bild von einem Restaurator aus dem Harz, der aus Sympathie für den Künstler günstige Konditionen gewährte, wieder „genesen“ konnte und der städtischen Kunstsammlung überreicht werden kann, auf dass es in der „Flohburg das Nordhausen Museum“ als Kunstwerk und als Zeugnis einer besonderen Stadtansicht öffentlich werden kann.

Das Werk heißt: „Blick auf Nordhausen vom Südwesten mit der Hanewackerschen Zigarrenfabrik, Gärtnerei Kaiser mit Teich, Loge, Dom und Barfüßertor“. Es wurde 1865 von Eichler mit Ölfarbe auf Leinwand gemalt und besitzt die Größe von 56,0 cm x 81,0 cm.

Es ist von einem schwarzen Holzrahmen umschlossen, auf dem hinten ein Papierschildchen aufgeklebt ist: „Die alte Hanewackersche Tabakfabrik am Grimmel“. Das Wort „alte“ macht deutlich, das diese Benennung dem Bild später gegeben wurde, denn zu Lebzeiten Eichlers war Hanewacker an der Stelle noch nicht alt. Auf dem Rahmen, auf den die Leinwand aufgezogen worden ist, steht auf der oberen Leiste mit Bleistift „Dom“, auf der unteren in Rotstift, höchstwahrscheinlich vom Künstler selbst geschrieben, „Ansicht vom Dom ...“ Die folgenden Worte sind nicht mehr eindeutig zu entziffern, allerdings liest man dann wieder deutlich „W. Eichler“. Gleich daneben steht der Titel noch einmal mit Bleistift, jedoch nicht besser zu deuten als der in Rot geschriebene. Wieder lesbar ist „W. Eichler 1865“.

Der Künstler Wilhelm Eichler kam am 12. März 1801 in dem Städtchen Ellrich zur Welt. Sein Vater, dort als Chirurg tätig, starb bereits am 20. 9. 1809. Seine Frau zog daraufhin mit ihren zwei Söhnen in ihre Geburtsstadt Nordhausen zurück. Dort gehörte ihrer Familie das Haus Kornmarkt 12, das später die Nr. 3 trägt. Sie ist im Kleinhandel tätig und betreibt einen Branntweinschank.
Der ausführliche Lebenslauf des Landschaftsmalers kann in der Reihe „Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Kreis Nordhausen“, 36. Band / 2011, nachgelesen werden.

Welche historische Situation in der Stadt Nordhausen zeigt uns der Künstler auf seinem Werk? Wie es im oben aufgeführten Gemäldetitel heißt, ist im Bildvordergrund der Teich der Gärtnerei Kaiser zu sehen. 1835 gründete ein Johann Heinrich August Schrader, geb. 1798, in der Elisabethstraße 838 (Nr. 12 und 13) eine Gärtnerei. Sie lag zwischen dem Elisabeth-Hospital und der Kaisermühle. or dem Wohn- und Geschäftshaus floss der Mühlgraben. Schraders Tochter heiratete einen Karl Kaiser, der nun mit in dem Haus wohnte und die Gärtnerei 1863 von seinem Schwiegervater übertragen bekam. Im Jahr 1865, als Eichler sein Bild malte, wird Schrader im Adressbuch als Particulier benannt, was bedeutet, dass er ohne Anstellung und Gewerbe von seinem Vermögen lebt.

Das Anwesen der Kunst-und Handelsgärtnerei Karl Kaiser mit dem Teich, den Beeten und dem Gewächshaus ist unverkennbar auf dem Gemälde dargestellt. Wegen des beheizbaren Gewächshauses konnte die Gärtnerei auch im Winter Blühendes verkaufen.

Georg Andreas Hanewacker errichtete auf dem Gelände Grimmelstraße 853 (Nr. 6), jetzt Grimmel, auf dem sein Vater Georg August eine Badeanstalt betrieben hatte, eine „Tabak- und Cigarren-Fabrik“. Als Eichler sein Ölbild schuf, ist sie ganz neu. In der Folgezeit vergrößerte sie sich dank beständig wachsenden Absatzes.

Unweit des linken Bildrandes erkennt man das Barfüßertor. Die Gebäude der Unterstadt deutlich überragend, malte Eichler im oberen Bildteil das Gelände links der Wassertreppe. Der Dom dominiert, aber auch der Kaiserturm und die Loge sind markante Blickpunkte. Natürlich sieht man auch einen Abschnitt der Stadtmauer.
Eichlers Gemälde zeigt einen sommerlich-heiteren Tag, belebt durch drei Personen im Kahn auf dem Teich und zwei Schwäne. Die Wolken schweben am blauen Himmel über die Stadt und lassen Sehnsucht aufkommen.

Die Reproduktion als Postkarte (Foto: privat) Die Reproduktion als Postkarte (Foto: privat)

Von einigen Arbeiten des Malers Eichler gab es in der Vergangenheit Postkarten, auch von dem Bild, das restauriert wurde. Die Reproduktion soll den Abschluss dieses Beitrages bilden.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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