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nnz-Forum: Selbstzweifel

Sonntag, 08. April 2012, 16:15 Uhr
Es ist zwar nicht gerade ein lokale Thema, wird aber unter den Lesern dieser Zeitung heftig diskutiert. In unserem Forum veröffentlichen wir die Meinung eines Lesers aus Großlohra...


Bisher fand sich mein Name in den Jahren, in denen die nnz existiert, nur einmal in deren Veröffentlichungen. Das wird sich auch kaum ändern, denn ich äußere mich im allgemeinen nicht in Medien, in denen man seinen Namen nicht nennen muss bzw. die eine anonyme Kommentarfunktion haben.

Manchmal bekomme ich dabei allerdings auch Selbstzweifel. Vor allem dann, wenn ich (offenbar wegen zunehmendem zeitlich-geschichtlichem Abstand) Dinge lese, die so nicht stimmen, die aber Einfluss auf das Denken und Urteilen bekommen können. Sollte ich da vielleicht gar eine Verpflichtung zur Korrektur empfinden?

Beispiel: Ein Kommentar vom 6. April (Torsten Droessler) zu einem Beitrag von Bodo Schwarzberg über das Grass-Gedicht. Da werden Dinge behauptet und auch gleich gewertet, die so nicht stimmen. Dass es fast eine Auszeichnung gewesen sei, bei der Waffen-SS aufgenommen zu werden, stimmt etwa bis zum Jahr 1943, danach nicht mehr. Bis dahin war es eine Freiwilligentruppe gewesen; danach wurde man – wegen der hohen Verluste an den Fronten – auch zu dieser Truppe einfach eingezogen wie zu jedem anderen Truppenteil. Der elitäre Anspruch blieb (theoretisch) erhalten, praktisch aber hatte man keine Zeit mehr für dessen Pflege. Man könnte ebenso gut behaupten, die Rekrutierung für den „Volkssturm“ sei eine Nazi-Auszeichnung gewesen. Bei meinen täglichen Bahnfahrten vom Wohnort zum Gymnasium in Reichenberg (heute: Liberec) kam ich auch stets am Bahnhof meiner Heimatstadt an einem Werbeplakat für den Eintritt in die Waffen-SS vorbei. Es wurde abgehängt, als es keine Freiwilligentruppe mehr war.

Die KZ´s unterstanden auch nicht der Waffen-SS, sondern der „schwarzen“ SS.

Auch der Beitrag von Bodo Schwarzberg enthält in diesem Zusammenhang einen falschen Zungenschlag. Eine Pflicht- oder Zwangsmitgliedschaft zur SS und zur NSDAP gab es nicht; zur „späten“ Waffen-SS, zu DJ, BDM und HJ dagegen schon. Zu letzteren wurde man mit 10 Jahren einfach „aufgenommen“. Und um auch das noch anzufügen: Innerhalb des Schulgebäudes und des Unterrichtes hatten DJ und HJ nichts zu suchen. Deren Einflussmöglichkeit endete an der Schultür – oder bei der Kontaktaufnahme zwischen Bannführer und Gymnasiumsdirektor zu einzelnen Wünschen, Schülern oder Vorkommnissen. Pionierorganisation und FDJ hatten da zu DDR-Zeiten schon wesentlich mehr „schulische“ Möglichkeiten.

Mehr und Zutreffendes und keinesfalls Beschönigendes zu den Unterschieden zwischen „schwarzer“ und Waffen-SS und deren Aufgaben kann man übrigens auch bei einem Besuch der Wewelsburg in der Nähe des Flughafens Paderborn/Lippstadt erfahren.
Eduard Seifert, Großlohra

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Autor: nnz

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